"Es ist alles recht lieblich, was du da vorbringst", sagte er – "aber werde nur nicht faselig, manchmal ängstigt mich's, was aus dir werden soll, du zersplitterst deinen Geist, mit dem du dir eine so herrliche Freiheit erringen könntest. – Ach, kannst du dich denn nicht auf eins hinwenden mit deinen fünf Sinnen und das ganz auffassen? – Wenn du sprichst, bist du gescheit und gibst manchen Aufschluss, von dem die Philosophen noch nichts wissen. – schreibe doch was! – Hast du mir nicht Kindermärchen versprochen? – schreibe doch alles auf, was du im Kloster erlebt hast, du kannst so schön davon erzählen. – Was treibst du denn mit der Günderode? – Lernst du mit ihr? – Ich hab so grosse sorge um dich, ich muss manchmal die hände ringen, dass alle Anmut deines Geistes den vier Winden preisgegeben ist." – Der liebste Clemens! – Ich musste ihn küssen in der stillen Nachtdämmerung auf seine leuchtende Stirn unter den schwarzen Lokken für seine Liebe. Es ward windig, da sassen wir beide in seinem Mantel gewickelt und sahen den Wolken zu, wie sie sich eilten, da sagte der Clemens so viel von Dir, was Dich gewiss freut, Du seist so hell wie der Mond. – Das flüchtige unstete Wesen, was Dich oft befalle, sei nur wie Wolken, die über den Mond hinziehen und verdunklen – aber Du selber seist reines poetisches Licht und Du drängest tief ins Gehör, der Klang Deiner Gedichte sei Geistesmusik, – und dies sei jetzt nur der Eingang zum Geisteskonzert, in dem sich immer und nach allen Seiten Melodien entfalten; und es sei so edel, sich innerlich einem solchen Leben hingeben, und so könnte und sollte ich auch mich sammeln, dass ich meinen Geist nicht wegwerfe und ein Leben führe, das würdig sei. – Was meinst Du, dass ich zu all diesem gesagt hab? – Nichts! – Mir wird bang einen Augenblick, dass ich so selbstverlassen bin, und dass sich mein Geist nichts um mich bekümmern will, in die Weite hinausschweift, wo eine Biene sich unscheinbare Blüten sucht, von denen nippt – aber Honig will er nicht machen, er verzehrt alles selber. – Da nun die Biene aus Instinkt Honig macht, mein Geist aber nicht, so wird der wohl nicht überwintern, wo er dann keinen Vorrat braucht, – er gehört wohl ins Land, wo ewiger Frühling ist. Der Clemens ist eben wieder in die Stadt, der ganze Himmel ist überzogen – da regnet's schon so gewaltig – ob er wohl schon in der Stadt ist? – Er geht in ein paar Tagen zu Schiff nach Mainz und Koblenz und bleibt drei Wochen am Rhein, also wirst Du ihn sehen.
Bettine
Ich hab ihm versprechen müssen, dass ich bei seiner Rückkehr was wollt geschrieben haben, ich werde nie besser verstehen lernen, wie die Welt mit Brettern zugenagelt ist, als wenn ich versuche ein Buch zu schreiben, und wenn nun gar der Clemens von einer freien Zukunft spricht, und dass ich, ohne ein Buch zu schreiben, nie meine Zukunft werde geniessen! – Ein Buch ist dick und hat viel leere Seiten, die alle vollzuschreiben kann ich doch nicht aus der Luft greifen, mir deucht dies erst recht eine Fessel meiner Freiheit. – Wenn ich mich an den kienernen Schreibtisch setze und es fällt mir gar nichts Extraes ein und ich schneide mit dem Federmesser eine dumme Fratze nach der andern in den Tisch, die mich alle auslachen, dass mir nichts einfällt, da werf ich mein Buch weg, wo lauter Versanfänge drin stehen und kein Reim drauf. – Es ist wirklich eine Unmöglichkeit. Ich möchte dem Clemens alles zulieb tun, was er will, aber ich hab einmal keine Gedanken; andre Leute waren schon vor mir da, ich bin zuletzt gekommen, also was ich auch vorbringen könnt, so haben's andre schon früher erlebt; ich ging einmal mit dem Clemens dies Frühjahr spazieren, da waren allerlei neu aufgeblühte Kräuter, die ich nicht kannte, die wollt ich brechen; er sagte: "Wenn du bei jedem Mauseöhrchen oder Vergissmeinnicht hocken bleibst, so werden wir nicht weit kommen." Daran denke ich jetzt immer, wenn ich was Neues in mir selber erfahr, dass andre dies alles wohl schon wissen und nichts Neues mehr für sie mehr sein mag, wie jene Violen und Gänseblümchen am Weg, die ich mir sammeln wollte. So schreibe ich's denn nicht auf, und auch weil die Gedanken sich an mich hängen wie Schmetterlinge an die Blumen, wer soll sie haschen? – Sie merken's gleich und fliegen davon, und fasse ich einen, so hab ich bald seine schöne Farbe abgewischt mit dem Schreibefinger oder seine Flügel erlahmen. Und so ein Gedanke in der Luft flattert so lustig, aber auf dem Papier kann er sich nicht wiegen wie auf der Blume; und kann sich nicht auf die Rosen setzen von einer zur andern, er sitzt da wie angespiesst. Ich sehe's ja an denen paar, die ich so erwischt und aufgeschrieben hab. – Da war ich grad am ende vom Garten, ich lief eilig hinein, weil ich ihn geschwind ins Buch schreiben wollt, eh ich ihn vergesse und jetzt, so oft ich das Buch aufmache, lacht mich der Gedanke aus und sagt: "Du bist recht dumm." Jetzt will