1840_Arnim_003_84.txt

,

Kommen zurück aufs neu,

Nicht so der Liebe Glück.

Ach, es kommt nicht zurück,

Schön, doch nicht treu.

Kann Lieb so unlieb sein,

Von mir so fern, was mein? –

Kann Lust so schmerzlich sein,

Untreu so herzlich sein? –

O Wonn, o Pein.

Phönix der Lieblichkeit,

Dich trägt dein Fittich weit

Hin zu der Sonne Strahl

Ach, was ist dir zumal

Mein einsam Leid?

An die Günderode

Warum Du aufs Landgut grade gehst, wie wir im besten Verkehr sind, das begreif ich nicht, es war schon als hätt ich Wurzel gefasst in diesem schönen Briefleben, wie die Erdbeeren beim Erröten fühlt ich einen aromatischen Duft in mir, wenn ich mich heiss geschrieben hatte, Du bist immer unterwegs, ich begreif nicht, wo Du Zeit hernimmst zu allem! – Dies schöne Gedicht! – Wann hast Du's geschrieben? – Es dreht sich im Tanz und spielt sich selbst dazu aufso leicht, als ob sich's so nur aus Deiner Brust atme ohne Anstoss. – Dein Gedicht, was Du in der klanglosen Stunde geschrieben, ist doch klangreich, es schöpft die Töne aus der Brust und stimmt sie zu Melodien. – Doch weile ich lieber bei dem ersteren, denn das hast Du doch später gemacht, nicht wahr? Und fühlst auch wie ich, dass die Schmerzen im Geist immer mit auf die Pein der Langeweile gegründet sind. – Denn nehm's, wie Du willst; bräche das Leben sich mit einmal eine neue Bahn und wär sie auch noch so uneben und holprig, die Verzweiflung hätt ein Ende. Denn alles Schmerzgefühl, alle sehnsucht kommt doch nur daher, weil die grade Bahn des Lebens gehemmt ist. – Besinn Dich doch auf unsere Reiseabenteuer, die wir den Winter miteinander durchmachten, keiner von uns hatte eine trübe Minute den ganzen Winter nicht, Deine sehnsucht ins Innere von Asien hinein brachte uns immer unter die wilden Tiere, Tiger und Löwen und Elefanten haben uns Schabernack gespielt. Was haben wir für Sonnenhitz ausgestanden mitten im Eis; erst später merkte ich, wie sehr wir uns in dies Leben vertieft hatten, da alle Leute diesen Winter als einen der kältesten durchgehustet haben. Weisst Du, am Neujahrstag kam ich zu Dir! Alle Räder pfiffen an den vielen Staatswagen, die gepuderten Kutscher mit den rotgefrornen Gesichtern! – Da kam ich zu Dir in die stube herein und sagte: Gott, es ist so heiss hier in Asien, dass wir nur so hinschmachten, und drauss vor der Tür in Frankfurt, da hängen dem Kutscher die Eiszapfen am Knebelbart. – Was haben wir gelacht, Günderode; – und haben unter Zimmetbäumen eine Tasse Schokolade getrunken, die wir in Deinem Öfchen kochten mit wohlriechendem Sandelholz; und da kam ein Salamander ins Feuer und färbte sich da in allerlei Farben und warf die Schokoladenkanne um, und wir melkten die weisse Elefantin, die ihr Junges in unserer Nähe säugte, und machten Elefantenbutter, ich wollt als immer Löwenbutter machen, das littest Du nicht, denn Du warst sehr vorsichtig, Du meintest, es sei zuviel Gefahr dabei, die Löwin könne mir einmal wild werden über dem Melken. – Und die Erlebnisse am Ganges und Indus. Die schönen Knaben, die uns da begegneten, wo wir uns versteckten und sahen sie vorübergehen und sich waschen in den heiligen Fluten und Gebete tun, da sagtest Du, es müssen wohl Tempelknaben sein, wir müssen nach dem Tempel hier in der Gegend suchen. Da führte eine Allee von grossen Tulipanen hin, die hab ich entdeckt, wir brachten stundenlang hin mit der Bewundrung der Blumen, und da waren Goldfruchtbäume und Trauben und Melonen, alles das wuchs in schönster Fülle rund um die Säulen der Tempel, zu denen wir fremde Völkerstämme hinwallen sahen, da sagtest Du einen Hymnus her, den hätten sie gesungen beim Sonnenaufgang: Äterwüste! – So fing Dein Hymnus an, und ich machte eine Melodie drauf, die liessest Du Dir vorsingen zur Ziter von mir, – und Du hörtest zu, so still, als wär es indischer Tempelgesang; abends im Mondschein, das war unsre beste Zeit, wo wir phantasierten und hielten uns einander bei den Händen, wenn wir die Berge hinanstiegen, und ruhten unter Dattelbäumen aus, Du machtest immer die Reiseroute, weil Du die Kenntnisse des Landes hattest, und da stiegen wir auf einen Berg, der hiess Bogdo, von da aus, sagtest Du, könne man alle Gebirgsketten übersehen, da eilte ich mich voranzukommen, um zuerst oben zu sein, und da schrie ich Dir entgegen, ich sähe das rote Korallenmeer mit der Todespforte. Da hatte ich mich aber geirrt, denn Du bewiesest mir, dass man es von da aus nicht sehen könne, da es an der Grenze von Afrika liege, und der Bogdo liege in der Mitte von Hochasien. – Wir waren doch so glücklich, wie schwärmte mein Kopf von brennenden Farben der Blütenwelt, wie waren wir entzückt vom Duft, der uns umwallte! – Das dauerte den ganzen Winter, und kein Mensch wusste, dass wir in einer südlichen Welt lebten, wir gingen grade in den Gärten von Damaskus spazieren, ganz entzückt von dem Blumenparadies und trunken von ihrem Duft, da kam der alte Herr von Hohenfeld und brachte Dir das erste Veilchen, was er auf seinem Spaziergang im Stadtgraben gefunden hatte. Ach, da verliessen wir Damaskus und liessen uns von Hohenfeld