und gerecht;
So komm, eh mein Leben ganz verhauchet,
Eh mich die Nacht in ihre Schatten tauchet.
Horch! Es heulen laut die Winde,
Und es engt sich das Gewinde
Meines weges durch Klüfte hin.
Die verschloss'nen Ströme brausen
Und ich sehe mit kaltem Grausen,
Dass ich ohne Führer bin.
Ich sah ihn blässer, immer blässer werden,
Und es begrub die Nacht mir den gefährten.
In Wasserfluten hör ich Feuer zischen,
sehe, wie sich brausend Elemente mischen,
Wie, was die Ordnung trennet, sich vereint.
Ich sehe, wie Ost und West sich hier umfangen,
Der laue Süd spielt um Boreas' Wangen,
Das Feindliche umarmet seinen Feind
Und reisst ihn fort in seinen starken Armen:
Das Kalte muss in Feuersglut erwarmen.
Tiefer führen noch die Pfade
Mich hinab, zu dem Gestade,
Wo die Ruhe wohnt,
Wo des Lebens Farben bleichen,
Wo die Elemente schweigen
Und der Friede tront.
Erdgeister
Wer hiess herab dich in die Tiefe steigen
Und unterbrechen unser ewig Schweigen?
Wandrer
Der rege Trieb: die Wahrheit zu ergründen!
Erdgeister
So wolltest in der Nacht das Licht du finden?
Wandrer
Nicht jenes Licht, das auf der Erde gastet
Und trügerisch dem Forscher nur entflieht,
Nein, jenes Ursein, das hier unten rastet
Und rein nur in der Lebensquelle glüht.
Die unvermischten Schätze wollt ich heben,
Die nicht der Schein der Oberwelt berührt,
Die Urkraft, die, der Perle gleich, vom Leben
Des Daseins Meer in seinen Tiefen führt.
Das Leben in dem Schoss des Lebens schauen,
Wie es sich kindlich an die Mutter schlingt,
In ihrer Werkstatt die natur erschauen,
sehen, wie die Schöpfung ihr am Busen liegt.
Erdgeister
So wiss'! Es ruht die ew'ge Lebensfülle
Gebunden hier noch in des Schlafes Hülle
Und lebt und regt sich kaum,
Sie hat nicht Lippen, um sich auszusprechen,
Noch kann sie nicht des Schweigens Siegel
brechen,
Ihr Dasein ist noch Traum –
Und wir, wir sorgen, dass noch Schlaf sie decke,
Dass sie nicht wache, eh die Zeit sie wecke.
Wandrer
O ihr, die in der Erde waltet,
Der Dinge Tiefe habt gestaltet,
Entüllt, entüllt euch mir!
Erdgeister
Opfer nicht und Zauberworte
Dringen durch der Erde Pforte,
Erhörung ist nicht hier.
Das Ungeborne ruhet hier verhüllet
Geheimnisvoll, bis seine Zeit erfüllet.
Wandrer
So nehmt mich auf, geheimnisvolle Mächte,
O wieget mich in tiefem Schlummer ein.
Verhüllet mich in eure Mitternächte,
Ich trete freudig aus des Lebens Reihn.
Lasst wieder mich zum Mutterschosse sinken,
Vergessenheit und neues Dasein trinken.
Erdgeister
Umsonst! An dir ist unsre Macht verloren,
Zu spät! Du bist dem Tage schon geboren;
Geschieden aus dem Lebenselement.
Dem Werden können wir und nicht dem Sein
gebieten,
Und du bist schon vom Mutterschoss geschieden
Durch dein Bewusstsein schon vom Traum getrennt.
Doch schau hinab, in deiner Seele Gründen,
Was du hier suchest, wirst du dorten finden,
Des Weltalls sehe'nder Spiegel bist du nur.
Auch dort sind Mitternächte, die einst tagen,
Auch dort sind Kräfte, die vom Schlaf erwachen,
Auch dort ist eine Werkstatt der natur.
Der Tonie hat Clemens geschrieben, er komme in wenig Tagen – er hofft, mich hier zu finden, ich kann's nicht ändern, dass ich fortgehe, grade wie er kommt, es tut mir leid, wie gern ich ihn gesprochen hätte, – Du, sag's ihm doch, in drei Wochen bin ich zurück, bitte ihn, dass er so lange bleibe, ich werde gewiss um keinen Tag zögern, es liegt mir daran, ihn zu sehen, das einliegende Blatt gib ihm, er hat's von mir verlangt, es ist ein Gedicht, was ich schon früher gemacht habe. Clemens wird zu Dir hinauskommen, ich glaube, Du tust wohl, noch so lang in Offenbach zu bleiben, bis ich wieder zurück bin, Du bist vergnügt dort, und niemand legt Dir was in den Weg, hier würden Sitten- und Splitterrichter Dich verdriesslich machen, Clemens würde dabei manche Frage an Dich tun, die Dir unlieb sein dürfte, und mir ist's unangenehm, wenn er Dich ins Gebet nimmt.
Du schreibst mir doch! – Schicke Deine Briefe ins Stift, dort ist am Samstag und den Donnerstag drauf gelegenheit, etwas an mich zu schicken. – Ich wäre gern noch hinausgekommen, glaubst Du, dass George mich im Kabriolett hinausfahren liesse? – Wolltest Du wohl bei ihm drum fragen? – Was Dir die Grossmama aus ihrem Leben erzählt, das merk Dir doch alles, wenn's auch nur mit wenig Zeilen ist, später ist es einem gar interessant. Adieu und bleib mir gut, ich will Dir's abzuverdienen suchen.
Karoline
Ist alles stumm und leer,
Nichts macht mir Freude mehr,
Düfte, sie düften nicht,
Lüfte, sie lüften nicht,
Mein Herz so schwer!
Ist alles öd und hin,
Bange mein Geist und Sinn,
Wollte, nicht weiss ich was
Jagt mich ohn Unterlass,
Wüsst ich, wohin? –
Ein Bild von Meisterhand
Hat mir den Sinn gebannt,
Seit ich das Holde sah,
Ist's fern und ewig nah,
Mir anverwandt. –
Ein Klang im Herzen ruht
Der noch erfüllt den Mut,
Wie Flötenhauch ein Wort,
Tönet noch leise fort,
Stillt Tränenflut.
Frühlinges Blumen treu