ihm den Kranz geschenkt hab, der Wacholder ist der schlichte Weihrauch, den er meiner Gabe als Opferrauch duftet, die Nesseln bedeuten, dass es ihm im Herzen brennt und schmerzt, das Dornwerk und das Laub, was rundum in Kelchform aufsteigt, die Rose zu verbergen, die sagen, dass es in seinem Herzen soll geheim bleiben, und dass er es im Herzenskelch vor aller Augen still bewahren wolle. – Der St. Clair ist wieder zurück, hat mir die Tonie gesagt. War er bei Dir? – Was hat er vom Hölderlin erzählt? –
An die Bettine
Der St. Clair war bei mir, er kam von Mainz, heute erst geht er nach Homburg, bleibt acht Tage oder länger dort, wenn er zurückkommt, das wird am Sonntag sein, will er nach Offenbach kommen, er glaubt, Du werdest dann am Morgen wohl ein paarmal mit ihm im Garten auf und ab gehen, da will er Dir vom Hölderlin alles erzählen.
Am Mittwoch reise ich auf drei Wochen zur Nees auf ihr Gut bei Würzburg; von dort will ich Dir deutlicher schreiben, hier im Augenblick von kleinen Reiseangelegenheiten gestört, kann ich nicht, wie ich wohl möchte, antworten auf Deine Liebe, der ich eben auch vertrau wie dem untadeligen Grund Deiner Seele. Schon fühl ich mich bewogen, Deine Empfindungen, Dein Tun ohne Einwurf gelten zu lassen, tue, wie Dir's der Geist eingibt, weil es das beste und einzige ist, wo keines Menschen Rat auslangt; und auch weil Du so nur den unberufnen Vorkehrungen und Ratgebern kannst ausweichen; das ist, was hier zu befahren ist; – nicht Dein kühner Sinn; Dein sicher abwägendes Gefühl haben wir nicht zu befahren, aber das Messen mit dem Massstab, der nirgendwie mit Dir zusammenstimmt. Ich selber weiss oft nicht, mit welchem Winde ich steuern soll, und überlasse mich allen. Hab Geduld mit mir, da Du mich kennst, und denke, dass es nicht eine einzelne stimme ist, der ich zu widersprechen habe, aber eine allgemeine, die wie die lernäische Schlange immer neue Köpfe erzeugt. Was Du sagst und treibst und schreibst, geht mir aus der Seele oder in die Seele; ich fühle zu nichts Neigung, was die Welt behauptet; und mustere ich gelassen ihre Forderungen, ihre gesetz und Zwecke, so kommen sie allesamt mir so verkehrt vor wie Dir, – aber Deine absurdesten Demonstrationen, wie sie Deine Gegner nennen, habe ich noch nie in Zweifel gezogen, ich hab Dich verstanden wie meinen eignen Glauben, ich hab Dich geahnt und begriffen zugleich, und doch muss ich in die Sünde verfallen, Dich zu verleugnen; es ist mir nicht gleichgültig, dass ich diese Schwäche habe, kannst Du sie mir ausrotten helfen, so bin ich willig zur Busse. Das sei Dir genug zum Fühlen wie die Vorwürfe, die Du Dir um mich machst, mich nur drücken können. Das Produkt jener Stunde, wo Deine Liebe dieser gewaltsamen Stimmung in mir so streng entgegentrat, leg ich Dir hier bei. – Dichten in jedem Herzensdrang hat mich immer neu erfrischt, ich war nicht länger gedrückt, wenn ich mein Verstummen konnte erklingen lassen.
Des Wandrers Niederfahrt
Wandrer
Dies ist, hat mich der Meister nicht betrogen,
Des Westes Meer, in dem der Nachtwind braust.
Dies ist der Untergang, von Gold umzogen,
Und dies die Grotte, wo mein Führer haust. –
Bist du es nicht, den Tag und Nacht geboren,
Des Scheitel freundlich Abendröte küsst!
In dem sein Leben Helios verloren
Und dessen Gürtel schon die Nacht umfliesst?
Herold der Nacht! Bist du's, der zu ihr führet,
Der Sohn, den sie dem Sonnengott gebieret?
Führer
Ja, du bist an dessen Grotte,
Der dem starken Sonnengotte
In die Zügel fiel.
Der die Rosse westwärts lenket,
Dass sich hin der Wagen senket,
An des Tages Ziel.
Und es sendet mir noch Blicke
Liebevoll der Gott zurücke,
Scheidend küsst er mich;
Und ich sehe es, weine Tränen,
Und ein süsses stilles Sehnen
Färbet bleicher mich;
Bleicher, bis mich hat umschlungen,
Sie, aus der ich halb entsprungen,
Die verhüllte Nacht.
In ihre Tiefen führt mich ein Verlangen,
Mein Auge schauet noch der Sonne Pracht,
Doch tief im Tale hat sie mich umfangen,
Den Dämmerschein verschlingt schon Mitternacht.
Wandrer
O führe mich! Du kennest wohl die Pfade
Ins alte Reich der dunklen Mitternacht;
Hinab will ich ans finstere Gestade,
Wo nie der Morgen, nie der Mittag lacht.
Entsagen will ich jenem Tagesschimmer,
Der ungern nur der Erde sich vermählt,
Geblendet hat mich trügrisch nur der Flimmer,
Der Ird'sches nie zur Heimat sich erwählt.
Vergebens wollt den Flüchtigen ich fassen,
Er kann doch nie vom steten Wandel lassen,
Drum führe mich zum Kreis der stillen Mächte,
In deren tiefem Schoss das Chaos schlief,
Eh, aus dem Dunkel ew'ger Mitternächte,
Der Lichtgeist es herauf zum Leben rief.
Dort, wo der Erde Schoss noch unbezwungen
In dunkle Schleier züchtig sich verhüllt,
Wo er, vom frechen Lichte nicht durchdrungen,
Noch nicht erzeugt dies schwankende Gebild,
Der Dinge Ordnung, dies Geschlecht der Erde,
Dem Schmerz und Irrsal ewig bleibt Gefährte.
Führer
Willst du die Götter befragen,
Die des Erdballs Stützen tragen,
Lieben der Erde Geschlecht.
Die in seliger Eintracht wohnen,
Ungeblendet von irdischen Sonnen,
Ewig streng