im Dunkel, liebe Günderode – ich bin da nicht allein, ich bin voll von Neuem, was in der Seele Tag schaffet – grade im Dunkel, da steigt mir der lichte hellglänzende Friede auf. – O verzweifle an mir nicht, denn ich war in meinen Briefen auf einsamen Wegen gegangen, ja, zu sehr als such ich nur mich selbst, das wollt ich doch nicht, ich wollte Dich suchen, ich wollt vertraut mit Dir werden, nur um mit Dir die Lebensquellen zu trinken, die da rieseln in unserm Weg. – Ich fühl's wohl an Deinem Brief, Du willst Dich mir entziehen – das kann ich nicht zugeben, die Feder kann ich nicht niederlegen – ich denke, Du müssest aus der Wand springen ganz geharnischt wie die Minerva und müsstest mir schwören, meiner Freundschaft schwören, die nichts ist als nur in Dir – Du wollest fortan im blauen Äter schwimmen, grosse Schritte tun, wie sie, behelmt im Sonnenlicht wie sie, und nicht mehr im Schatten traurig weilen. Adieu, ich geh zu Bett, ich geh von Dir, obschon ich könnt die ganze Nacht warten auf Dich, dass Du Dich mir zeigst, schön wie Du bist und im Frieden und Freiheit atmend, wie's Deinem Geist geziemt, der das Beste, das Schönste vermag. Eine Ruhestätte Dir auf Erden, das sei Dir meine Brust. – Gute Nacht! – Sei mir gut – ein weniges nur. –
Montag
Jetzt hab ich schon drei Tage an diesem Brief geschrieben, und heute will ich ihn abschicken, ach, ich mag ihn nicht überlesen, geschrieben ist er, wahrheitsvoll ist er auch, wenn Du die augenblickliche Stimmung der Wahrheit würdigest, wie ich sie deren würdige und nur sie allein, obschon die Philister sagen, sie sei die Wahrheit nicht, nur was nach reiflichem Überlegen und wohlgeprüft vom Menschengeist sie angenommen, das sei Wahrheit. Ach diese Stimmungen, sie bauen das Feld, und was uns zukommt, als sei die Seele mit im Abendrot zerschmolzen, oder als löse sie sich frei vom Gewölk und tue sich auf im weiten Äter – das bringt uns auch wie das fruchtbare Wetter Gedeihen. Ist mir's doch, da ich meinen Brief schliessen will, als ob das schönste Leben uns bevorstehe, wenn Du nur willst und willst so viel mich würdigen, dass Du ruhig Deine Hand in der meinen liegen lässest, wenn ich sie fasse. – Ich war heute morgen draus und hab mir den Aschenkranz zum Ball bestellt – wie Du's gesagt hast – aber, gelt der Moritz kam hin zum Gärtner, er stand zwischen der Tür vom Boskett und dem Blumengarten gelehnt, gewiss er hat auf mich gewartet, denn ich war schon zwei Tage nicht da gewesen. Aber gestern abend, wie ich schlafen ging, da hatte ich mir fest vorgenommen, ich wollt gewiss keinen Menschen unglücklich machen, oder besser, ich wollt gewiss jedem geben an Glück, was ich kann. – Und mir soll's nicht zu gering sein, und was ist ehrender, als wenn Du mit einem blick oder Wort wohltun kannst! – Nun hör nur mein lieb Gespräch mit dem Gärtner an. – Weil ich kam, so sagt ich: "Ich hätt wohl eine Bitte an den Anton. (Denn ich rede ihn nicht anders an, denn ich mag ihn nicht Er nennen.) Ich geh auf den Ball heute und da möchte ich einen Kranz, und weil ich gar nicht vergnügt bin, dass ich zum Tanz soll gehen, so wollt ich einen traurigen Kranz gern haben von Aschenkraut, und keine Blumen wollt ich gar nicht. Ist wohl so viel Aschenkraut da, dass wir einen Kranz können machen, ohne die Büsche zu verderben?" – Da ging er voran und brach mir eins nach dem andern, und ich band's am Draht fest. Er hatte mir doch noch kein Wort gesagt und legte mir die Sprossen nacheinander auf den Schoss, ich sass auf der Blumenbank am Treibhaus, er rückte die Blumen über mir und um mich her zusammen, während ich meinen Kranz flocht, und holte noch mehrere aus dem Treibhaus, dass ich wohl merkt, ich war ganz eingerahmt, und da war eine grosse purpurrote Passionsblume, die hing herab an meiner Seite, er schnitt sie ab und legte sie schweigend an das Geflecht, ich band sie auch schweigend mit ein, ich probierte ihn auf, er war weit genug, er nahm ihn mir aus der Hand, streifte sich den Ärmel auf, mass am Arm die Länge vom Kranz und band ihn selber fest, schnitt die überflüssigen Stiele und Blätter ab, und gab ihn mir. Das alles war schweigend geschehen. "Es ist heute so schönes Wetter," sagte ich – "find ich Euch morgen im Garten – wenn ich früh komme?" – "Oh, das werden Sie wohl verschlafen, weil Sie die Nacht durch tanzen." "O nein, um halber zwölf fahr ich schon wieder zurück, und Ihr könnt mich heimfahren hören, an Eurer wohnung vorbei – ich fahr im Kabriolett, nur mit einem Pferd hier vorbei, da könnt Ihr hören, ob ich Euch nicht Wort halt, da! Ich geb Euch meine Hand drauf." – Er ward rot, der Gärtner, als ich ihm die Hand reichte und's Schnupftuch fallen liess, das er mit der andern Hand auffing und