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, die Hebamme sagte, eben stirbt's; und schüttelte es, da war's plötzlich tot. – Ach, wie ich nach haus kam, war ich so traurigder Franz sagte: "Du siehst seit einiger Zeit so blass aus, deine Gesundheit scheint mir gar nicht fest," und als am Abend wieder das Gespräch auf den Moritz kam, wobei er gar nicht geschont wurde, da schrieb ich an die Grossmama, sie solle mich vom Franz zu sich begehren nach Offenbach. Das war allen recht und mir auch, so war ich ihrer Meinung nach dem Moritz aus dem Weg geschafft, und ich meiner Meinung nach brauchte doch nichts Böses von ihm zu hören, denn ich will nichts Böses von ihm hören, nein, nimmermehr will ich was Böses von ihm hören. Aber hier in Offenbach war ich gleich wieder ruhig, und da ward mir mein Gelübde gleich wieder klar, das ich an jenem Abend vor Deiner Tür noch aussprach, als Du so kalt warst und so traurig, – dass ich eine Gabe Dir wollt geben von meiner Seele, dass ich mein Innerstes wollt Dir zu Lieb zu Tage fördern, weil Du das so hochschätzest wie jener Schleiermacher. Und da hab ich in meinem Innersten Wege geschritten und bin dahin geraten, wo Du jetzt stockst und willst nicht weiter und fürchtest Dich, mich anzuhören; denn ich hab's wohl gemerkt an Deinem Brief, Du fürchtest Dich vor meinen Abwegen. O fürcht Dich nicht, ich gab Dir treulich wie's Echo, was widerhallte aus mir. Ach! –

Ich bin jetzt glücklich, sei Du's auch! – Schöne Träume hab ich, und das ist ein Zeichen, dass die Götter mit mir zufrieden sind. – Im Herzen ist mir's, wenn ich erwache am Morgen, als ob ich von Dichterlippen geküsst sei, ja merk Dir's, von Dichterlippen. Nein, ich fürchte mich nicht mehr vor der Zukunft! – Ich weiss, durch was ich sie mir zum Freund mache, ja ich weiss es. Ich will auch wie die Grossmama einen Ewigkeitspreis mit meinem Leben schliessen, nicht wie Du gesagt hast, jung sterben. Viel wissen, viel lernen, sagtest Du, und dann jung sterben, warum sagst Du das? – Mit jedem Schritt im Leben begegnet Dir einer, der was zu fordern hat an Dich, wie willst Du sie alle befriedigen? – Ja sage, willst Du einen ungespeist von Dir lassen, der von Deinen Brosamen fordert? – Nein, das willst Du nicht! – Drum lebe mit mir, ich hab jeden Tag an Dich zu fordern. Ach! – wo sollt ich hin, wenn Du nicht mehr wärst? – Ja dann, gewiss vom Glück wollt ich die Spur nimmer suchen. Hingehen wollt ich mich lassen, ohne zu fragen nach mir, denn nur um Deinetwillen frag ich nach mir, und ich will alles tun, was Du willst. – Nur um Deinetwillen lebe ichhörst Du's? – Mir ist so bangDu bist gross, ich weiss esnicht Du bist's – nein so laut will ich Dich nicht anredennein, Du bist's nicht, Du bist ein sanftes Kind, und weil's den Schmerz nicht tragen kann, so verleugnet es ihn ganz und gardas weiss ich, so hast Du Dir gar manchen Verlust verschleiert. Aber in Deiner Nähe, in Deiner Geistesatmosphäre deucht mir die Welt gross; Du nichtfürchte Dich nicht, – aber weil alles Leben so rein ist in Dir, jede Spur so einfach von Dir aufgenommen, da muss der Geist wohl Platz gewinnen, sich auszudehnen und gross zu werden. – Verzeih mir's heute, ein Spiegel ist vor meinen Augen, als hätte einer den Schleier vor ihm weggezogen, und so traurig ist mir's, lauter Gewölk sehe ich im Spiegel, und klagende Windeals müsst ich ewig weinen, weil ich an Dich denkeich war draus heute abend am Main, da rauschte das Schilf so wunderlichund weil ich in der Einsamkeit immer mit Dir allein bin, da fragte ich Dich in meinem Geist. "Was ist das? Redet das Schilf mit Dir?" hab ich gefragt. Denn ich will Dir's gestehen, denn ich möchte nicht so angeredet sein, so klagvoll, so jammervoll, ich wollt's von mir wegschieben! – Ach Günderode, so traurig bin ich, war das nicht feige von mir, dass ich die Klagen der natur abwenden wollt von mir, und schob's auf Dichals hätte sie mit Dir geredet wie sie so wehmutsvoll aufschrie im Schilf. – Ich will ja doch gern alles mit Dir teilen, es ist mir Genuss, grosser Genuss, Deine Schmerzen auf mich zu nehmen, ich bin stark, ich bin hart, ich spür's nicht so leicht, mir sind Tränen zu ertragen, und dann spriesst die Hoffnung so leicht in mir auf, als könnt wieder alles werden und besser noch, als was die Seele verlangt. – Verlass Dich auf mich! – Wenn's Dich ergreiftals woll es Dich in den Abgrund stossen, ich werde Dich begleiten überall hinkein Weg ist mir zu düsterwenn Dein auge das Licht scheut, wenn es so traurig ist. – Ich bin gern