diese Schicksale schweben mir in der Brust indessen und fordern Antwort jeden Augenblick. Auch da gibt's Streit, Versöhnung, heimlich Glückspenden, und dies alles ist wie der laue Abendwind, der von selbst herübergeklettert kommt, ich hör ihn schleichen, sacht an mich heran, und mir am Herzen flattern, und dann bin ich schmerzzerrissen; von was? – Ich kann's nicht sagen; – mein Herz – zu schwach ist's. – Dass es geliebt wär von einer höhern Macht, süss begehrend! es kann's nicht tragen. – Den Geist ausser mir, in der Luftwelle oder im Mondglanz, oder sonst – spricht der mit mir, das ertrag ich nicht – dann bitte ich, lass mich schlafen – Dir im Schoss. Denn ich kann ihm nicht ins Antlitz schauen, und sag ihm, ich wolle sterben, er soll mich zudecken – mit grünen Zweigen, er, der neben mir steht, oder über mir, und mich ansieht so still. Was ist Vernichtendes in der Liebe? – Dass ich sag, ich wolle sterben? – Denn ich hab nichts anders in der Seel als diese Sprache; denn meine hände können nicht hinlangen. Wollt ich in die Luft reichen? – Nein, ich darf nicht, er verschwindet, und mein blick, der sieht nur auf, wenn's Nacht ist, nicht bei hellem Tag. – Aber in der Nacht im Finstern, da geh ich ihm entgegen, da treibt mich's oft eilig in die dunkeln Laubgänge, und ganz am ende, da sehe ich, wie wenn ich überzeugt sein dürfte, er sei es. – Nicht freudig, nicht traurig – tiefe Stille in mir, manchmal schlägt's Herz bang, dann sehe ich den Schatten vor ihm herstreifen über den Rasen. Dann ruf ich mich auf: lass mich doch denken können! – Und sammle meine Sinne, und immer so vorwärts schreit ich, eilig, und immer näher, dann, am Baum leg ich mich nieder auf die Wurzeln, die küss' ich, diese Wurzeln – es sind die Füsse des Dichtergeistes über mir. – Aber ich muss schlafen gehen, zu müde bin ich, – schon zweimal eingeschlafen während dem Schreiben.
heute sehe ich, dass ich Dir von nichts geschrieben hab, was Du mich frägst, und bin aus Mangel an Logik ins Geschwärm geraten. Und doch wollt ich Dir nur sagen, ich studier noch geschichte fort, nur wollt ich Dir keine trocknen Auszüge mehr davon in meinen Briefen machen, dafür zeichne ich Landkarten und hab andre Spekulationen, so studier ich die Woche zweimal mit Hoffmann Musik, nicht mehr Generalbass, er meint, ich werde den von selbst in mich kriegen, ich soll lieber meine Melodien aufschreiben, auf die er einen Wert legt und mir gern zuhört, wenn ich abends sing, auch hat er mehrere Gänge mir abgehört und sie aufgeschrieben, und letzt hat er im Konzert phantasiert bloss auf Tema, die er von mir erlauschte, drum, es war mir auch so wunderlich, es stand mir die ganze Musik so spöttisch gegenüber, ich wusst gar nicht, was ich dazu sagen sollt, ich hatte es nicht erraten, am Morgen fragte er, wie mir's gefallen hätt, ich sagt, es sei mir gewesen, als müsse ich ihm immer voranlaufen, und wisse schon alles, wie's kommen werde; es sei gewesen, als haben seine Phantasien einen Verstand, den ich begreife. – "Ja, das war, weil es Ihre eignen Wege waren, die Sie gegangen sind"; und seitdem will er, dass ich aufschreiben lerne, das ist mir viel schwerer als alles andre, kein Gedanke hält eine Minute fest, und gelingt mir's an einem Ende, ihn zu fassen, dann reisst er mitten entzwei, und ich kann das andre nicht dazu finden, so wie es anfänglich aus meinem Geist hervorgegangen war, dann find ich wohl ein ander ende, aber weil es nicht das erste war, was von selbst aus meinen Sinnen hervorgegangen, dann bin ich unruhig, als sei es falsch, und den Takt zu finden, das ist mir ganz unmöglich – der Hoffmann will mir oft Taktteile zusammenrücken, das kann ich nicht wollen, oft geb ich's zu, dann will's mein Gefühl wieder anders, der Hoffmann hat eine unsägliche Geduld mit mir und meint, dies alles werde sich finden, sowie ich erst gewohnt sei, aufzuschreiben, da werde ich der Sache schon Meister werden; wenn er mir das sagt, das macht mich ganz traurig – ich mag nicht Meister werden, ich will mich bemeistern lassen von diesen Musikfluten, von denen ich nicht weiss, ob sie Wert haben können für ein ander Ohr, das schadet nicht, sie reden mit mir und sagen mir volle Lebensakkorde, die ich erkenne als eins mich machend mit der natur, das ist's, was mich hindert. Es ist mir, als wolle ich in Weissagungen pfuschen. – – Ja, es wird schwer gehen mit dem Lernen. Und doch! – ich hab den Willen und tue das mögliche in dieser Einöde von Talentlosigkeit; – und von dem Geist, der Leben in mir ist, da muss ich Abschied nehmen, wenn ich lernen will, da sag ich mir, es sei nur auf zeiten, er werde wiederkehren der Geist, und dann fühl