mir's, auf irgend etwas auch nur mehr achtzugeben als nur im Vorüberschiffen, so, wie man die Ufer kommen und schwinden sieht; – mein blick fängt sie auf und fasset sie scharf, dass ich sie fest mir einpräge, aber im inneren Gefühl nur vorüberstreifend. Das Weiterziehen liegt mir im Herzen, das Abschiednehmen, wo ich kaum anlange, liegt schon im Willkomm; und das geringste, was meine Fahrt belangt, sei's nur ein Schiffsseil teeren, tu ich mit mehr Genuss, als an jenen Ufern der Kunst und des Wissens mich aufhalten; sollte ihr Sand auch lauter Gold sein, ihre Felsen Diamant und ihr Tau Perlen. – Und wo will ich hin? – auf die Insel, wo's Äpfel und Birn gibt, hätt ich bald gesagt. – Aber ja freilich – dortin, wo's Moos duftet, wo's Blüten regnet, wo die Himmelslüfte sprechen, wo der Sommerwind die Äste schüttelt, wo die Wälder die Nacht in ihren Schatten hüten, dass sie sich gefangen gibt, solange der Tag weilt, wo auf blühender Wiese die Adler niederfahren und holen die Jünglinge hinan zum Allvater, dass er ihnen kose einen Augenblick und wieder sie entlasse zum Spiel am Bach. – Wo die Bienenscharen von Dichterlippen und in seinen blumensprossenden Tritten Honig sammeln, und wo Geister lichte Berggipfel umtanzen, wo die Seele sich aufschliesst leis wie eine Knospe und des Geistes Strahlen in ihrem Kelch eingebettet, wie die goldnen Staubfäden in der Rose, ihr Leben entwicklen und auch beenden. Dort will ich hin, das liegt mir im Sinn, nichts wie Blütenmeer, Duft einatmen, Birn speisen und reife Trauben und süsse Pfirsich geteilt mit mir von Doppellippen, ich die Hälfte, und die er, der heute noch am Scheideweg meiner harrte, als die Sonne hinunter war. Was ist's? – Es wird mich schon erziehen, Tränen wird's geben, das weiss ich, aber auch Lust, so ist's immer, wo Schönheit reifen soll, und das ist alles, was ich verlang vom Schicksal, es soll mich scheiden vom Schlechten, es soll keine Sünde in mir dulden, – in meinen unaufhörlichen Träumen nur möchte ich eine Vollendung empfinden – der Liebe, der Schönheit – das ist mein Ziel, und mein Geist strebt eine natur da herauszufinden, in dem ich dem Schönen fortwährend begegne. Das ist's und nichts anders. Und alles, was ich erfahre von der Kunst, von Poesie und Wissen, das schlägt an wie Echo in den unbekannten Tiefen meiner Brust, da erschreck ich, dass es doch wohl wahr sein möge, was manchmal nur wie Traum in mir wogt, da toben alle Pulse vor Hoffnung, es sei ein Doppelleben, was wirklich auch Doppelliebe kann haben, und dass, wenn ich heiss mich sehne, verstanden zu sein, dass ich dann verstanden sei, wo? – wie – ach, was weiss ich's! – Vom Nebel, der dort flattert, vom Wind in der Ferne, vom letzten Lichtstreif, wenn die Nachtkuppel schon sich senkt über mir – kurz, ich weiss nicht, alles, was ich anseh, das müsste Geist haben, liebenden Geist – wahrlich, sonst tut mir's unrecht. Welche Wege übernehme ich doch? – Welche Gefahren besteh ich im Geist? – – Da schwimm ich im Dunkel in uferlosen Fluten, eine Woge stürzt mich auf die andre, aber ich vertrau, und eine stimme in mir, dass ich dem Genius zulieb so kühn bin! – O das lebendige Feuer, und trotz den Stürmen halt ich die Palme hoch und eile dem leisen Schein des Morgenrots entgegen, weil das er selber ist. –
Gott sei die Poesie, hab ich in meinem letzten Brief gesagt, und die Weisheit, sagen die Kirchenväter, ich hab's geleugnet und gesagt, Gott sei die leidenschaft, die Weisheit, die kommt ihm zugut, das Leidenschaftsall zu bestehen, aber sie ist nicht er selber; meine Gründe: was sollte Gott mit aller Weisheit, wenn er sie nicht anbringen kann! Wenn aus allem, was geschaffen ist, sich Neues erzeugt, wenn keine Gewalt, keine Kraft überflüssig ist, sondern grad um ihrer höchsten entwicklung willen sich ewig selbst anregend steigern muss, so kann die Weisheit Gottes nicht selbst die Händ in den Schoss legen wollen. – Himmel und Erde regieren, wo Sonn und Mond und alle Stern schon für die Ewigkeit angepappt sind, das kann der Weisheit kein Reiz sein; sich in Menschenangelegenheit mischen, ihre Gebete erhören, die alle verkehrt sind, das muss bei himmlischer Hofhaltung doch wohl von selber gehen. Sollte Gott sich des Dings selber annehmen – es wäre unweise – denn der Hauch Gottes überwiegt alles geistige Wehen der Menschheit, so würde diese denn nimmer der eignen Weisheit Keim lösen können in sich. Unser Geist ist feuermächtig, er soll sich selbst anfachen; wir haben die leidenschaft, sie soll im Geistesfeuer gegen Himmel steigen zum ewigen Erzeuger, in seiner Leidenschaften Glut mit allem übergehen; nicht umsonst steigt in der leidenschaft der mächtige Geist der Unsterblichkeit auf, jeder Hauch, jeder blick soll ewig währen, das sagt eine innere stimme. Alles, was mich entzückt in der natur, dem schwör ich ewige Treue, der Lüfte Liebkosungen, wie könnt ich ihnen den heissen Atem weigern, der heiss nur ist, um in der Lüfte Liebe sich