es durch jene Glücksgüter in die Hand gegeben ist, uns über sie hinaus zu schwingen, das deucht mir göttliche Gabe, ach! ach! Die lassen wir aber fallen; wir lassen die Begeisterung, die im Göttertrank des Glücks unsre Sinne durchrauschen dürfte – und fürchten uns davor, und wenn wir schon lüstern wären, doch deucht es gefährlich wie ein Gott trunken den Becher in die Weite hinzuschleudern, wenn er ausgetrunken ist. – Merk's, zu unserer schwebenden Religion gehört das auch, dass wir den Wein den Göttern trinken und trunken die Neige mitsamt dem Becher in den Strom der zeiten schleudern. – So ist's, sonst weiss ich nichts, was glücklich wär zu preisen, als nur tatenfroh immer Neues schaffen und nimmer mit Argusaugen Altes bewachen. – Ausserdem wüsst ich nichts, was mich anfechte, was ich möchte sein oder haben als nur mit meinem Geist durchdringen. – Von mir soll niemand hören, ich sei unglücklich, mag's gehen wie's will, und was mir begegnet im Lebensweg, das nehm ich auf mich, als sei's von Gott mir auferlegt. Merk's wieder, das gehört auch noch zu unserer schwebenden Religion – und mein inneres Glück, das mach ich mit den Göttern ab. Diese Momente, wo ein Gefühl: Göttertriebe seien in uns wach, dem Stolz das Gefieder aufblättert, dass die Gedanken Respekt vor uns haben, die gemeinen, – und uns aus dem Weg gehen. Ach, das ist's – dann steigt man allein auf die Berggipfel und atmet die Lüfte ein im Nachtwind, in denen der Genius uns anhaucht vor Lust und Dank, dass er ohne Sünde, ohne Verleugnung wiedergeboren ward in uns; und dann weiht man aufs neue sich ihm und verschwistert sich mit sich selber, alles zu tragen, zu dulden. Nichts ist zu klein, was solche grosse Seelenkräfte in Anspruch nimmt, denn eben diese zu üben ist ja das Grosse; und versäumen kann man nicht das Höhere um das Geringere, denn eben dass an das Geringe alle Seelenkraft gewendet werde, mit Fürsorge gleich der des Lebenspenders, das ist das wahre Opfer, was uns göttlich macht. "Man muss alles dem lieben Gott überlassen", sagen die guten Christen – ja wohl, von ihm nehme ich an, was er mir zuerst entgegensendet, wozu die erste Regung meines Geistes mich mahnt, und lass' auf dem Zeitenstrom mich dahinschwimmen, den er mir geschenkt, und ob ich da Früheres versäume oder Grösseres, das kann ich nicht wissen, und wenn's ein Bienchen wär, das ohne meine Hilfe ertrinken müsste, so reich ich erst den Zweig ihm, sich zu retten, das ist das Fundament von meinem innerlichen Glück, überhaupt was sollt ich doch um irdisch Glück für Not haben, es ficht mich nicht an. Soll sich einer glücklich preisen, ich müsst ihn auslachen. – Sagt mir einer, dir geschieht nichts, die Tage gehen vorbei, und kannst dein Wirken nicht vereinen mit der Zeit, sie will nichts von dir, und läuft ihren Weg, sie hat taube Ohren im Gebrause aller, deren jeder einer für sich sorgend seine stimme will geltend machen und sich durchfechten, nun, das ist mir nichts. – Ob handelnd oder fühlend, tiefempfindend mit dem Genius umgehen, das ist dasselbe, was ist denn Handeln anders als fühlbar werden das Rechte und es tun. Handeln ist nur der Buchstabe des Geistes, es ist noch nicht so süsse als die heimliche himmlische Schule des Geistes. Wo ich auch hinaus denke, mir deucht nichts glücklicher als im Schatten liegen jener grossen Linde unter ihren fallenden Blüten und durch ihr rauschend Gezweig dem Geliebten entgegen lauschen, dem heiligen Geist. Der ist mein Geliebter, der kommt und besucht mich jetzt in der heissen Jahreszeit, wenn ich im Boskett lunze, und es regnet Lindenblüten auf mich mit jedem leisen Lüftchen. Ach, er macht kein Wesen von der Weisheit, von Gottesgelahrteit, von Tugend, von Religion. – Ich bin ihm recht, wie ich bin, er lacht mich aus, wenn ich belehrt sein will, und bläst mich an; – "da hast du Weisheit," sagt er. – Dann spring ich auf und glüh im Gesicht von seinem Hauch – ich lauf ins Haus, ich denke, wie bin ich doch glücklich! – Ich werf mich auf die Erd mit dem Angesicht und küss' die Erde. Das ist mein Gebet – wie soll ich ihn umfassen als bloss, wenn ich die Erde küss'? – Einsam – bin ich nicht – ist der Schatz überall, – die dritte person in der Gotteit überall; auch im Blumenstrauss vom Gärtner, der an meinem Bett steht, vom Mond beleuchtet in der Nacht, wenn's alles still ist und tief schläft alles und kein Licht mehr brennt in den Nachbarhäusern, da fangen diese bunten Farben das Mondlicht auf; – wenn ich den anseh, dann sag ich: "Gelt, das ist deine Rede zu mir, heiliger Geist, dies Farbenspiel in den Blumen?" – Das leugnet er nicht, dass ich ihn verstehe. Dir kann ich's alles sagen, denn durch Dich hab ich ihn fassen gelernt, wenn ich Dir gegenüber sass und Du lasest mir vor am Morgen, was Du am Abend gedichtet hattest, da sah ich mich immer nach dem um, der Dir's