Teresia nicht anerkennen, über den Krieg mit Friedrich II., mit England, Anträge um Hilfsgelder; Briefe an einen französischen General Belle-isle, dann ein Briefwechsel mit Karl von Lotringen, mit dem Kardinal Fleuri, mit dem östreichischen Feldherrn Fürsten Lobkowitz, dann endlich einen Briefwechsel mit der Marquise de Pompadour, immer im Interesse der Kaiserin, diese letzte Korrespondenz war erst ins Galante und endlich ganz ins Zärtliche übergegangen, es kamen Briefe mit Madrigalen als Antwort, worauf der Grosspapa im Namen Stadions wieder in französischer Poesie antworten musste, da habe der Grosspapa manche Feder zerkaut, und der Stadion habe ihm gelehrt, die Politik mit einfliessen zu lassen, und hat Anspielungen machen müssen auf Reize, auf blonde und braune Locken, – und dem Stadion ist's häufig nicht zärtlich genug gewesen. Die Antworten sind dann mit grosser Freude vom Stadion ihm mitgeteilt worden, besonders wenn sie Empfindlichkeit für des Grosspapas Galantrien hatten spüren lassen, da hat der Stadion so gelacht und ihn angewiesen, wie die feinste Delikatesse zu beobachten sei. – Und endlich einmal, als nach der Tronbesteigung der Maria Teresia und ihrer Krönung als Kaiserin die Gratulationen abgefertigt waren, an seinem einundzwanzigsten Geburtstage, da schenkte Stadion dem Laroche einen Schreibtisch, worin er alle seine Briefe in drei Jahren geschrieben, die er über Land und Meer gegangen wähnte, noch versiegelt wiedergefunden, und die Antworten, welche von Stadion selbst erfunden waren und von verschiedenen Sekretären abgeschrieben, dazu, und er sagte ihm, dass er ihn so habe zum Staatsmann bilden wollen. Dies hat den Grosspapa erst sehr bestürzt gemacht, dann aber ihn tief gerührt, und hat diese Briefe als ein heilig Merkmal von Stadions grossem liebevollem Geist sich aufbewahrt. Die Grossmama hat diese Briefe noch alle und will mir sie schenken. – Sie war gesprächig heute, sie wird alle Tage liebevoller zu mir, sie sagt, mir erzähle sie gern, obschon manches in die Erinnerung zu wecken ihr schwer werde; sie sprach viel von der Mama, von ihrer Anmut und feinem Herzen, sie sagte: "Alles, was ihr Kinder an Schönheit und Geist teilt, das hat eure Mutter in sich vereint"; und dann hat sie zu sehr geweint, um von ihr weiter zu sprechen, die Tränen erstickten ihre stimme. – Sie legte die Hand auf meinen Kopf, während sie sprach, und als der Mond hinter den Wolken hervorkam, da sagte sie: "Wie schön dich der Mond beleuchtet, das wär ein schönes Bild zum Malen." – Und ich hatte in demselben Augenblick auch den Gedanken von der Grossmama, es war gar wunderlich, wie sie unter einem grossen Kastanienbaum mir gegenüberstand, am Kanal, in dem der Mond sich spiegelte, mit ihren grossen silberweissen Locken ihr ums Gesicht spielend, in dem langen schwarzen Grosdetourkleid mit langer Schleppe, noch nach dem früheren Schnitt, der in ihrer Jugendzeit Mode war, lange Taille mit einem breiten Gurt. Ei, wie fein ist doch die Grossmama, alle Menschen sehen gemein aus ihr gegenüber, die Leute werfen ihr vor, sie sei empfindsam, das stört mich nicht, im Gegenteil findet es Anklang in mir, und obschon ich manchmal über gar zu Seltsames hab mit den andern lachen müssen, so fühl ich doch eine Wahrheit meistens in allem. – Wenn sie im Garten geht, da biegt sie alle Ranken, wo sie gerne hinmöchten, sie kann keine Unordnung leiden, kein verdorbenes Blatt, ich muss ihr alle Tage die absterbenden Blumen ausschneiden, gestern war sie lange bei der Geissblattlaube beschäftigt und sprach mit jedem Trieb: "Ei kleins Ästele, wo willst du hin", und da flocht sie alles zart ineinander und band's mit roten Seidenfaden ganz lose zusammen und da darf kein Blatt gedrückt sein, "alles muss fein schnaufen können", sagte sie – und da brachte ich ihr heute morgen weisse Bohnenblüten und rote, weil ich ihr gestern eine Szene aus ihrem Roman vorgelesen hatte, worin die eine Rolle spielen, sie fand sie auf ihrer Frühstückstasse. Sie liess sich aus über das frische Rubinrot der Blüte, hielt's gegen's Licht und war ergötzt über die Glut – mir ist's lieb, wenn sie so schwätzt – ich sagt ihr, sie komme mir vor wie ein Kind, das alles zum erstenmal sehe. – "Was soll ich anders als nur ein Kind werden, sind doch alle Lebenszerstreuungen jetzt entschwunden, die dem Kindersinn früher in den Weg traten, so beschreibt das Menschenleben einen Kreis und bezeichnet schon hier, dass es auf die Ewigkeit angewiesen ist," sagte sie, "jetzt wo mein Leben vollendet, so gut als mir's der Himmel hat werden lassen – so viel der schönen Blüten sind mir abgeblüht, so viel Früchte gereift, jetzt wo das Laub abfällt, da bereitet sich der Geist vor auf frische Triebe im nächsten Lebenskreislauf, und da magst du ganz recht ahnen." – Ach Günderode, ich will auch erst wieder ein Kind werden, eh ich sterb, ich will einen Kreis bilden, nicht wie Du willst, recht früh sterben, nein, das will ich nicht, wo ist's schöner als auf der schönen Erde, und dann als Kind, wo's am schönsten ist, wieder hinüber, wo die Sonne untergeht. Die Grossmama erzählte auch noch eine schöne geschichte, die ich Dir hierherschreiben will, weil ich sie nicht gern vergessen möchte, von dem