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, der das höchste Tun lehrt. Wer zum Beispiel Mut hat, das Geld zu verachten, der wird bald auch Weisheit haben zu erkennen, welch fürchterlicher Wahnsinn aus diesem grausamen Vorurteil hervorschiesst, und wie Reichtum und Macht so sehr arm sind. Weisheit und Tapferkeit müssen einander unterstützen. Ach, in unserer Religion soll die Tapferkeit obenan stehen, – denn wenn wir nur darüber wachen, dass wir kühn genug sind, das Grosse zu tun und die Vorurteile nicht zu achten, so wird aus jeder Tat immer eine höhere Erkenntnis steigen, die uns zur nächsten Tat vorbereitet, und wir werden bald Dinge beweisen, die kein Mensch noch glaubt. Zum Beispiel man kann nicht von der Luft leben! – Ei, das könnt doch sehr möglich sein, und es ist eine sehr dumme Behauptung, die der Teufel gemacht hat, um den Menschen an die Sklavenkette zu legen des Erwerbs, dass man nicht von der Luft leben könne, dass er nur recht viel habe. Wer viel hat, der kann vor lauter Arbeit nicht zur Hochzeit kommen; und von der Luft lebt man doch allein, denn alles, was uns nährt, ist durch die Luft genährt, und auch unsere erste Bedingung zum Leben ist das Atemholen. Und Gott sagt damit: Du teilst die Luft mit allen, so teile auch das Leben mit allen, und wer weiss denn, wie sehr die natur sich noch ändern kann und kann sich dem Geist anschmiegen, wenn der einmal die Seele mehr regiert, ob dann der Leib nicht auch mehr Luft bedarf und weniger andere Nahrung. Alle albernen Gedanken, Begierden und verkehrten Einbildungen, die machen so hungrig nach tierischer Nahrung, ich weiss an mir, dass, wenn mir etwas durch den Geist fährt, dem ich nachgehen muss aus Ahnung, dass es Lebensluft entalte, so hab ich gar keinen Hunger, und die Franzosen, wenn sie witzig sind, so haben sie immer auf was Petillantes oder Gewürztes Appetit, es käme also sehr auf den Geist an, dass wir am ende gern von der Luft leben. – Und unser Tischgebet soll heissen: Herr, ich esse im Vertrauen, dass es mich nähre, und die alten Küchenzettel und Bratspiess und Backgeschichten all dem Teufel in die Garküch geschmissen, dass er den Hals drüber bricht, wir haben keine Zeit, uns dabei aufzuhalten, geh zum Nachbar und nehm Brot von ihm und nehme die Frucht vom Baum dazu und vom Opfermahl ein weniges und dulde nicht, dass sich Bedürfnisse des Mahls bei Dir einnisten zu dieser oder jener Stunde; oder sonst Dinge, die den Leib abhängig machen. Da fällt mir noch etwas ein, mit dem verdammten Zugwind, oder mit der Nachtluft, alle Augenblick heisst's: "Hier zieht's!" – Und dann reissen die Leute aus, als ob ihnen der Tod im Nacken säss, oder der Nachtwind hindert sie, die nächtliche natur zu geniessen, oder der Abendtau ist ihnen gefährlich, und dochhat man je bei einem Gefecht in der Schlacht gesehen, dass ein Held vor dem Nachttau ausreisse? – Also auch über die Verkältung hinweg im Nachtwind wie im Sonnenschein sein eigner Herr bleiben, das muss ein Gesetz unserer schwebenden Religion sein. – Ich weiss nicht, es duftet mir ordentlich im Geist, als würden wir auf sehr wunderbare Entdeckungen kommen. Jetzt haben wir schon entdeckt, dass man nicht Aderlassen muss, damit der Stahl im Blute nicht abgelassen werde, der die Begeisterung der Tapferkeit erzeugt, – da könnte einer sagen, durch eine Wunde im Krieg könne denn auch dieser Geist des Stahls entfliehen, so dass ein Tapferer könne zu einem Feigen werden, – dem ist aber nicht so, denn bei einer Wunde, die in der Begeistrung selbst empfangen wird, da haucht das Blut selbst Unsterblichkeit aus. Wenn nämlich die Tugend (die Tapferkeit) wach ist in dem Menschen, das heisst: wenn der Genius in sein Blut gestiegen ist und kämpft, und er geht auf die Wunde los, die er empfangen soll, da ist die Kühnheit so Herr, dass keine sklavische Entweichung stattfinden könne, denn dann ist grad aller Stahl im Blut in den Geist übergegangen, – denn wie Gott immerdar in jedem Hauch erzeugt, weil er ganz Weisheit ist, so erzeugt auch das Genie, weil es mit Gottes elektrischer Kette verbunden ist, ewig seine Schläge empfängt und wieder einschlägt ins Blut. – Ich bitte Dich, wie willst Du denn die elektrische Kraft erklären, anders, als dass durch Gottes Geist die natur zuckt und bis ins Blut geht, wo sie im Menschen wieder den Weg in die Begeistrung findet, weil der Geist hat. – Und siehe da! – Die Kraft empfängt den Blitzstrahl, und so erzeugen Weisheit und Tapferkeit sich ineinander. – Was hab ich im vorigen Brief gesagt: – Gott sei die Poesie, und heute, dass er die Weisheit ist, – das ist schon eine alte geschichte, das haben, glaube ich, die Kirchenväter herausgestellt und haben deswegen grossen Respekt vor Gott, aber heute haben wir herausgekriegt, dass Gott die grosse elektrische Kraft ist, die durch die natur fährt und ins Blut des Menschen und von da sich als Genius in den Geist des Menschen hinüber bildet. Der Genius steigt aus dem Stahl auf im Blut, und dort dringt er auch wieder ein, wenn er wirkend ist in den Sinnen. Wer keinen Stahl im Blut hat, kann auf die