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, dass einer glaube, ich könne Zweifel in ihn setzen, ich lache lieber kindisch zu allem, was man mir entgegnet, ich mag nicht dulden, dass die, welche ich doch nicht eines Bessern überzeugen kann, noch den Wahn von mir hegen, ich sei gescheiter als sie. Wenn sich zwei verstehen sollen, dazu gehört lebenvolles Wirken von einem dritten Göttlichen. So nehm ich auch unser Sein an als ein Geschenk von den Göttern, in dem sie selber die vergnüglichste Rolle spielen; aber meine inneren Fühlungen, folgelosen Behauptungen ausstellen, dazu leiht mir weder die blauäugige Minerva, noch Areus der Streitbare5 Beistand. Ich gebe Dir aber recht, es wäre besser, ich könnte mich mannhafter betragen und dürfte diesen grossmächtigen Weltsinn in dem Sittenleben mit andern nicht mir untergehen lassen. Aber was willst Du mit einer so Zaghaften aufstellen, die sich immer noch fürchtet, im Stift das Tischgebet laut genug herzusagen. – Lasse mich und vertrage mich, wie ich bin, hab ich das Herz nicht, meine stimme zu erheben gegen allen Unsinn, so hab ich auch dafür an diesem harten Fels keine kleinste Welle Deiner brausenden Lebensfluten sich brechen lassen. Er steht trocken und unbeschäumt von Deinen heiligen Begeisterungen, so kannst Du auch unbekümmert darum Dein Leben dahin fliessen. – Ich weiss, dass es Dir weh tut, weil wir den Hölderlin nicht besuchten. St. Clair ist gestern abgereist, er war noch vorher bei mir, er sah Deinen dicken Brief, er war so sehnsüchtig, etwas daraus zu vernehmen, und die Zaghafte war kühn genug auf ihr richtiges Gefühl hin, ihm die Stelle zu lesen, wo die Bettine über den Ödipus spricht. – Er wollte es abschreiben, er musste es abschreiben, seine Seele wär sonst vergangen, und die Zaghafte war zu mutlos, es ihm abzuschlagen. Er sagte: "Ich lese es ihm vor, vielleicht wirkt es wie Balsam auf seine Seele, und wo nicht, so muss es doch so sein, dass die höchste Erregung, durch seine Dichternatur erzeugt, auch wieder an ihm verhalle, so wie er verhallte. Ich muss es ihm lesen, es wird doch zum wenigsten ihm ein Lächeln abgewinnen." – Nun sieh mich schon wieder voll Zagheit, dass Dir meine Kühnheit missfalle, aber dochbetrog mich mein Ohr nicht, so war jener Hymnus auf dem Taubenschlag dem armen Dichter gesungen, dass er solle dort mit in sein zerrissnes Saitenspiel eintönen.

Ich hab jetzt so viele Gesellschaftsnot, ich muss diese Woche schon zum zweitenmal in den schwarzen Stiftstalar kriechen, auch dahinein verfolgt mich meine närrische Feigheit, ich komme mir so fremd drin vor, es ist mir so ungewöhnlich, eine angelehnte Würde öffentlich zu behaupten, dass ich immer den Kopf hängen muss und muss auf die Seite sehen, wenn ich angeredet werde. Gestern haben wir in corpore beim Primas zu Mittag gespeist, da verlor ich mein Ordenskreuz, es lag unterm Stuhl, ich fühlte es mit der Fussspitze, das machte mich so konfus, und denke nur, der Primas selbst hat es aufgehoben und bat um Erlaubnis, es anzuheften auf die Schulter, dazu kam unsere Duenna und nahm die Mühe auf sich, Gott sei Dank, – ich konnte doch die ganze Nacht nicht vor der geschichte schlafen, ich muss rot werden, wenn ich dran denke, – dann war ich bei der Haidender Moritz im Kabriolett ist mir begegnet, von da in die Komödie in Eurer Loge, George führte mich hinein. "Die Geschwister". – Es war sehr leer wegen der Hitze, George war fortgegangen, die Frau Rat sass ganz allein auf meiner Seite, sie rief aufs Teater: "Herr Verdy, spielen Sie nur tüchtig, ich bin da", es machte mich recht verlegen, hätte er geantwortet, so wär ein Gespräch draus geworden, in dem ich am Ende noch eine Rolle hätte übernehmen müssen. – Im Parterre sassen keine fünfzig Menschen, Verdy spielte recht gut, und die Rat klatschte bei jeder Szene, dass es widerhallte, Verdy verbeugte sich tief gegen sie, es war gar wunderlich, das leere Haus und die offnen Logentüren wegen der Hitze, durch die der Tag hereinschien, dann kam Zugwind und spielte mit den lumpigten Dekorationen, da rief die Goete dem Verdy zu: "Ah, das Windchen ist herrlich", und fächelte sich, es war doch grad, als spiele sie mit, und die zwei auf dem Teater, so gut als wären sie allein in vertraulich häuslichem Gespräch, dabei musst ich an den grössten Dichter denken, der nicht verschmähte, so prunklos seine tiefe natur auszusprechen. – Ja, Du magst recht haben, es ist was Grosses darin, und es ist schauerlich, und daher tragisch gewesen diese Leere, diese Stille, die offnen Türen, die einzige Mutter voll Ergötzen, als habe ihr der Sohn den Tron gebaut, auf dem sie weit erhaben über den Erdenstaub sich die Huldigung der Kunst gefallen lässt. – Sie spielten auch recht brav, ja begeistert, bloss wegen der Fr. Rat, sie weiss einem in Respekt zu setzen. Sie schrie auch am Ende ganz laut, sie bedanke sich und wolle es ihrem Sohn schreiben. Darüber fing eine Unterhaltung an, wobei das Publikum ebenso aufmerksam war, die ich aber nicht mit anhörte, weil ich abgeholt wurde. Morgen wird sie wohl in der ganzen Stadt herumkommen.

Ich bin nicht wohl, sonst wär