in der Kehle mehr hatte zum Seufzen. Dort grünen die Saaten und blühen, die hier der Dummheit Pflug – die Wurzel umstürzend wie Unkraut der Luft preis gab, und die tauvolle Blüte, rein vom Staube, stürzt in der Erde Grab. – Denn irgendwie muss die Saat der Götter lebendig werden, sie können Ewiges nicht verdorren lassen. Seine Seele wächst, die hier unten schläft und verwirrte Träume hat, hinauf als himmlisches Grün, die schwebende Ferse der Götterjünglinge umspielend, wie der frische Rasen hier seine tanzenden Blumen an meinem flüchtigen Lauf hinbewegt. – Ach Poesie! heilig Grabmal, das still den Staub des Geistes sammelt und ihn birgt vor Verletzung. – O du lässt ihn auferstehen wieder, lass mich hinabsteigen zu ihm und die Hand ihm reichen im Traum, dass er mit heiligem Finger die goldnen Saatkörner mir auf die offne Lippe streue und mich anblase mit dem Odem, den er nach dem Willen der Götter aus ihrem Busen trinkt. Denn ich begehr sehnsüchtig, mit zu tragen gemeinsam Weh des tages, und gemeinsam Tröstung zu empfangen in den Träumen der Nacht. –
Was willst Du? Halte mir's zugut, Günderode, dass ich so spreche, verfolg den Faden meiner Gedanken, so wirst Du sehen, es geht nicht anders. Du trägst ja auch mit mir, dass sie Dich meiner Narrheit beschuldigen. Mangel an historischem Sinn – ist es doch, das Weh, was in der Fabelwelt begraben liegt, mit dem zu mischen des heutigen Tages. – Sie haben Recht, mir keine Logik zuzusprechen, da müsst ich ja den dort verlassen, der aufgegeben ist, da müsst ich mich aufgeben, was doch nichts fruchtet. – Sei nicht bang um mich, ich bin nicht alle Tage so, aber ich komm eben vom Taubenschlag, wo die Sonne mir die blauen Berge anglänzte, wo Hölderlin schläft über dem grab des Ödipus, und hab ihnen den Gesang gesungen, mit Tönen unzurechnungsfähig der Kunst, auffassend, was sie vermochten an scharfem Wehe, und es besänftigend mit dem Schmelz der Liebe, den ich durch die stimme hinzugoss aus dem Herzen, dass der durch die Wolken dringe – hinab am Horizont, hinauf – wo die gewaltigen Geschicke immer auch weilen – und sich mische mit ihren bitteren, salzigen Fluten. Was wären doch die Dichter, wären sie es nicht, die das Schauervolle ins Göttliche verwandeln. – Wo der Gesang doch allein aus meinen Sinnen hervordringt, nicht aus dem Bewusstsein, da spricht's nachher so aus mir, dass Stimmen aus mir reden, die mit keinem andern im Einklang sind, der Ton, der Rhytmus, den ich übe, ist es auch nicht; keiner würde zuhören wollen, aber jene, denen ich singe, die müssen's doch wohl hören, nicht wahr? –
Es ahnt mir schon, Du wirst wieder bange werden um mich wie vorm Jahr! – aber Du weisst ja, es ist nichts, ich rase nicht, wie die andern mich beschuldigen und mir die Hand auf den Mund legen, wenn ich sprechen will. Sei nicht dumm, lasse Dir nicht von den Philistern bange machen um meine Gesundheit, wo sie mir schon den Verstand absprechen; wer seinen Bruder einen Narren schilt, ist des Todes schuldig, sie sind unschuldig, ich bin ihr Bruder nicht, Du bist mein Bruder. Noch einmal, ich bin nicht krank, störe mich nicht damit, dass Du mir das geringste sagst, denn ich will Dir noch mehr sagen, wenn's möglich ist, was hättest Du an mir, wenn ich nicht lernte Dir meine Seele geben, nackt und bloss. Freundschaft! Das ist Umgang der Geister, nackt und bloss. –
An die Bettine
Liebe Bettine! – Du drückst mir die Schreibefinger zusammen, dass ich kaum atme, noch weniger aber es wage zu denken, denn aus Furcht, ich könne willkürliche Gedanken haben, denke ich lieber gar nicht, magst Du am Ende meines Briefes fühlen, ob ich in den engen Grenzen meiner geistigen Richtungen Dich nicht verletzte, so dass Dein Vertrauen ohne Hindernis hinabströme zu mir, ja hinab, denn ich bin nichts. So lasse mich denn gesund mit Dir sprechen, da nichts mir fremd ist in Dir, denn in Deine Töne eingehen, das wäre Deinen Lauf stören.
In Dein Lamento über Deine Geschichtsmisere stimme ich ein, sie macht mich mit kaputt, kauf in Gottes Namen ein paar Beinkleider als Sühnopfer und entlasse Deinen Arenswald in Gnaden. Clemens schreibt, dass ich ihm Antwort schuldig sei, ich wusste nicht, dass er in Marburg ist, wenn Du ihm schreibst, so gib ihm die Einlage, er ist mehr wie unendlich gut gegen Dich, und es ist ein eigen Schicksal, dass unser beider Bemühung, Dich zu einer inneren Bildung zu leiten oder vielmehr sie Dir zu erleichtern, nicht gelingen will, so schreibt er mir heute. Unter vielen Witzfaseleien, träumerischem Geseufze und Beteuerungen, dass er gar nicht mehr derselbe sei, ist es das einzige, was auf Dich Beziehung hat. Weil er Dich immer auffordert, Deine phantastischen Ahnungen zu sammeln, diese Fabelbruchstücke Deiner Vergleiche, Deiner Weltanschauung in irgendeiner Form niederzulegen, so meinte ich wie ein guter Bienenvater Deinen Gedankenschwärmen eine Blumenwiese umher zu bauen, wo Deine Gedanken nur hin und her summen dürfen, Honig zu sammeln. Ein glücklicher Schiffer muss guten Fahrwind haben; ich dachte, Deine Studien sollten wie frischer Morgenwind Dir