ich Visionen von ihm, so gut ward's der Psyche nicht, sie sah doch nicht seinen Widerschein; denn es war stockfinstre Nacht um sie, ich aber, wenn ich's im Herzen fühl, so sehe ich's auch, was mich entzückt, warum ich leben mag, himmlisch feucht Leben im Jugendstrahl, vortretend, ein bisschen auf die Seit geneigt, steht er immer vor mir, nicht den blick mir grade zuwendend, nein, bescheiden zeigt er sich in meiner Brust, der Gott, dem ich mich einschmeichle, mit süssen Tränen, der mich morgens vom Lager schüttelt, wo's kaum tagt, ich soll mich aufmachen, vielleicht begegne ich ihm bei Tagesanbruch, so eil ich flüchtig vorwärts, ich fühl mich schön im Herzen, ich fühl meine Schönheit, mein Geist ist ein Spiegel, der ist voll himmlischem Reiz – jeder Tautropfen am Weg sagt mir, ich gefalle meinem – ihm, was braucht's mehr, wem sollt ich noch gefallen wollen ausser ihm? – Nein, glaube's doch nur, er ist wirklich! Er schreitet so leicht, er entschwindet mit jedem Tritt, aber er ist gleich wieder da! Wie sich das Licht im Auge spiegelt, mich blendend deckt es sich im Schatten, dann fasst es wieder Licht, dann schwindelt's, es sieht den Strahl verschweben, doch leuchtet der fernerhin wieder auf, das Auge sucht ihn, es hat ihn schon gefunden, dann schliesst sich's und siehet innerlich, das ist ein still Geniessen. – O, ich weiss alles! – Ich weiss zu lieben, aber nur den Genius. – Keiner darf wissen das Geheimnis, was sich im Feuerkreis um mich schwingt. – Wenn ich so dasteh, still – mit geschlossenen Armen. – Und der blick, den nennt die Grossmama starr – "Mädele, was starrst – sollt man glauben, Du wärst ausser der Welt entrückt." – Ich fuhr auf – da lacht sie. – "Gutes Kind, wo bischt? – bischt beim Schutzengel?" – und zieht meine Hand an ihre Brust – "so sagen die Schwaben, wenn einer so in sich verstummt." – Ich wollt's bejahen und konnte doch nicht. – Der ruft mir: "Schweig!" – und sollt ich einen laut tun? –? Nein, er sagt: "Schweig!" Das schliesst mir den Mund auf ewig. – Ewig, Günderod. – Du bist der Widerhall nur, durch den mein irdisch Leben den Geist vernimmt, der in mir lebt, sonst hätt ich's nicht, sonst wüsst ich's nicht, wenn ich's vor Dir nicht ausspräch. – Dem Clemens sag nichts, als dass ich brav studier, wie's vom Himmel regnet, und dass nichts dabei herauskommt, das sage auch, aber von mir – von uns sag nichts. Er braucht's nicht zu wissen, dass wir so himmlische Kerle sind, heimlich miteinander, wo er nicht dabei ist und keiner. Schau auf, Günderod, gleich wird ein himmlischer Tänzer aus den Kulissen hervorschweben. Tanz ist der Schlüssel meiner Ahnungen von der andern Welt. Er weckt die Seel, sie rede't irr wie ein Kind, was in Blumenlabyrinten sich verliert, da schwankt's Kindchen, und die Ärmchen streckt's aus, nach blühenden Zweigen, weil's taumelt, weil's so lang im Kreise sich drehte – schaut's auf, da steht der Mond über ihm und sänftigt den Schwindel – mit angehaltenem, stillem blick, an dem erholt's sich wieder. – Was meinst Du, was ich Dir da vorschwindel und muss die Tränen verbeissen. – Ich mein als, ich könnt die ganz Welt auf die Welt bringen mit meinem Mund, wenn der nur sprechen wollt, wie's Gott ihm auf die Zung legt, aber wenn sie heraus damit soll, dann stockt sie. Aber dabei bleibt's, wir mögen stammeln oder lallen oder auch nur seufzen, wir wollen's einander alles still verborgen abhören, nicht wahr? – wie auf der grünen Burg im Abendrot, wo wir im Feldgraben lagen, da war ich freudig mit der Zung, da war's immer, als wär einer hinter mir, der mir's einflüstre, Du frugst, was ich mich denn umdreh so oft? – ich sagt: "Hinter mir tanzt's" – denn ich wollt nicht sagen: spricht's, denn es war mehr so getanzt und flüchtig geschwungen im Kreis, Nymphen, die sich bei der Hand hielten hinter den drei grossen Zypressen hervor, schmiegten sich anmutig, die Füsschen zusammen und die Köpfchen, Du guckst mich an und sagtest: "Sei kein Narr!" – haha, ich muss lachen – das war zu spät, freilich bin ich ein Narr! – denn was ich Dir da vorplaudre, das ist eine Weise, nach der wird getanzt hinter mir, und so war unser tiefer Philosophentext in die Luft gesprengt, was war's doch? – von der innerlichen Wahrnehmung und von der Anschauung im Geist, ob die verschieden wären, und wo sie herkämen, aus der Empfindung oder aus dem Gefühl, und wo diese Quellen sich herleiten, ob links ob rechts; das alles wolltest Du da im zunehmenden Dämmerlicht aus mir herauspumpen. Schwernot