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Luft, das nennst Du feige? – Ich bin nicht feige; seine Eingebungen fordern mich auf zum Denken, meinst Duund dass ich dann lieber schlafe, meinst DuAch Gott! – Denken, das hab ich verschworen, aber wach und feurig im Geist, das bin ich. – Was soll ich denken, wenn meine Augen schauen jene Vergangenheit hinter mir im Dunkeln, wie kann ich sie an den Morgen knüpfen, der mit mir vorwärts eilt? – Das ist die Gegenwart, die mich mit sich fortreisst ins ungewisse Blaue, ja ins Ungewisse; aber ins himmlische, blonde, goldstrahlende Antlitz des Sonnengotts schauen, der die Rosse gewaltig antreibt und weiter nichts. Der Abend fängt mich auf in seinem Schoss, sinnend lieg ich ein Weilchen, lausch in die Ferne! Grössere Helden deucht mir da auf der vollen Heerstrasse der geschichte, am heutigen Tag ihre mutigen Rosse tummeln zu hören; ja, ich will, ich möchte hin, das Banner vor ihnen hertragen, wie wollt ich mich des Lüftchens freun, das drin flattert, wie wollt ich mich der eignen Locken freun, die getragen im jauchzenden Galopp mich umspielen mit leisem Schlag auf meine Wangen, wie kühn ins Leben hineingejagt, wie rasch hinter ihm drein, über die Heid! – Wie lustig! Aufwärts, vorwärts, hinab durch den Dampf. – Der auf dem Berg winkt, sein auge ruht auf mir, seine Trommeln lenken, seine Trompete ruft! – Und dann in der Nachtvor seinem Zelt! – Und schlaf fest, denn er, der zeiten Genius, weckt zur rechten stunde, und im Schutze seines Gefieders schau ich die Gefilde ihn überwallen, die Völker wecken, sie anglühen mit seinem Feuerblick, dass sie freudig Hochzeit machen mit dem Tod, auf lorbeerumsprosstem Bettnun, Kamerad, willst Du mit?

Heute hat die Vergangenheit ausgespien, so kurz wie möglich, denn ich sass ihr auf dem Dach, das assyrische Reich, von Asser gleich nach dem babylonischen Reich gestiftet; das Wort "gestiftet" macht mir immer Zerstreuung, vom Kloster her noch, wo ich so oft hab vorlesen müssen, der heilige Bonifazius stiftete den heiligen Orden der Benediktiner, oder der Antonius von Padua oder Franziskus und so weiter, es gemahnt mich an jene Kämpfe, die diese heiligen Feldherrn mit der Legion Teufel zu bestehen hatten, und da denke ich mir gleich alle Völker, mit denen sie im Kampf waren, gehörnt mit Bocksfüssen, feuerspeiend und pestilenzialischen Gestank verbreitend, den mir die Vergangenheit herüberweht. – Die heiligen Assyrer aber in Kutten, die ihnen das Kämpfen erschweren. – Ich denke, ich denkealle Teufel, unterdes Ninus der Eroberer von Mittelasien herüberwitscht, Ninive die Hauptstadt von Assyrien, erbaut, mit Tod abgeht, seinem krieges- und baulustigen Weib Semiramis noch ein Stück Babylon zu bauen übrig lässt, worauf sie glänzende Feldzüge machtdas alles versäumt über dem Kloster und Waldteufel samt heiligen Ordensmännern. – Durch Winkelzüge und fragen kriegt ich's aus dem Lehrer noch heraus, dass weiter nichts passiert war. Über der geschichte der Semiramis hat Vergangenheit so dicken Schimmel wachsen lassen, dass sie noch eben mit dem blauen auge der Unsterblichkeit ihres Namens davonkommt, sonst wüssten wir gar nichts. In der Folge beherrschten die Meder Assyrien, es machte sich wieder frei, bis der Babyloner König Nabopolasar (unter welchem ich mir einen Centaur denke, der Silbenfall seines Namens hat etwas Ähnliches mit dem Galopp eines leichten arabischen Renners) es erobert und mit den Persern teilt. – Damit hat die Vergangenheit für heute noch nicht genug, sondern meldet ferner: Die älteste geschichte der Meder ist unbekannt, Arbazes, ihr Stattalter, befreit durch Überwindung des Sardanapal vom assyrischen Joch im Jahr der Welt 3108, genau gemessen, des Lehrers Phantasie erstreckt sich lediglich aufs Jahr der Welt. Dejozes erbaut Eckbatana (lies Tians Offenbarungen über diese herrliche Stadt). – Astyages (wo kommt der her?) vermählt seine Tochter dem Perserkönig Kambyses, dessen Sohn Cyrus seinen Grossvater vom Tron stiess (der also zu lang sitzen geblieben war) –, er vereinigt Medien, Assyrien und Persien und stiftet das grosse medopersische Reich, der Jud Hirsch vom Geschlecht Esau streckt seine rauhe Hand herein, es in Besitz zu nehmen, er wird's unterjocht halten in seinem alten Sack, bis Du's befreiest, schmeisst Du's ins Ofenloch mit dem alten Papier, so bringst Du mich um einige schwer eroberte Vergangenheit. –

schreibe vom Märchen. –

schreibe dem Clemens nichts von mir, sag ihm nur nichts von meiner Ausgelassenheit, er meint gleich, ich wär besessen, er tut mir tausend fragen, er ist ganz verwundert, dass ich so bin, er forscht, er sucht eine ursache und frägt andre leute, ob ich verliebt sei, wo ich doch nur im heiligen Orden meiner eignen natur lebe. Zum Beispiel wenn er wüsste, dass ich abends auf dem Dach vom Taubenschlag sitz und der untergehenden Sonne auf dem Flageolett vorblase, würde er's guteissen? – Mein arm jung Leben liegt mir am Herzen, ich kann ihm nichts versagen. – rede nichts von mir, lass die Leute bei ihrer herzlich schlechten Meinung von mir, es ist meine beste Freud, ich geh mit meinem Dämon um, der sagt: Du sollst dich nicht verteidigen. – Ich tu, was er will, alles andre ist mir einerlei; einmal hab