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, von dem wir wissen" – mir auch recht, wenn wir nur was Gescheites von ihm erfahren haben. – "Er erbaute Memphis und leitete den Nil in ein sicheres Bett. Möris grub den See Möris, die schädlichen Überschwemmungen des Nils zu hindern. – Dann folgt Sesotris der Eroberer, der sich selbst entleibte." – Warum? – War er schön? – Hat er geliebt? – War er jung? – War er melancholisch? – Auf all dies kung, er möge wohl eher alt zu denken sein. – Ich demonstrierte ihm vor, dass er jung war, bloss um das Rad der Zeit in Schwung zu bringen, das im Geschichtskot der Langenweil immer steckenbleibt. – Es rumpelte auch noch über den Busiris, der Tebä erbaute, Psamtichus, der die geteilten Staaten unter seine Flügel nahm, dann die Kriege mit Babylonien, Nebukadnezar, dem's der Kambyses, Cyrus' Sohn, wieder abnimmt. Die Ägypter vereinen sich mit Lybien, machen sich wieder frei, kriegen mit den Persern, bis Alexander dem Streit und zu meinem Vergnügen dieser geschichte ein ende macht. – Das ist der Inhalt der ersten Stunde, Du siehst, dass ich aufgepasst hab. Hätt ich aber den Sporn nicht gehabt, Jagd auf die Langeweile zu machen und Dir zu zeigen, wie unnütz es ist, die Asche, von der die natur nicht einmal das Salz verbrauchen kann, wieder anzufachen, es gibt doch keine Glut mehr; ich dächte, wir liessen einstweilen die alten Herrscher in ihren Pyramiden fortschimmeln. – Frühling schwellet die Erde, ringsum drängt er die Keimeund grünt in entfaltenen Blätterndrängt auch wohl meinen Sinn, berauschet mir schwellend die Lippe, dass in erneuerter Sonne die spröden Hüllen und Knospen meiner Gedanken zerbersten. – Ich war heute morgen im Wald, an der Chaussee schon mit der Morgenröt, die eine Saffranbinde um seine Wipfel legte, der feuchte Grund wechselte die blauen Vergissmeinnichtbeete mit den goldnen Butterblumen; es war so feucht, so warm, so moosig, es war so brennend im Gesicht und so kühlig am Boden.

Der Tau war so stark, ich war ganz nass geworden; als ich nach haus kam, da trat mir der Lehrer schon mit dem achtzehnhundertsten Jahr der Welt entgegen, wo Nimrod Babylonien gestiftet. Ich wollte nicht fragen, wer der Nimrod war, aus Furcht, er möchte mir's sagen, und es wär eben auch unnütz, es zu wissen. Wenn nun der Nimrod ein guter Kerl war, um den es schad wär, und der mir besser gefallen könnt, als die jetzigen Menschen, so wollt ich ihm wohl die Dauer der Unsterblichkeit gönnen, aber der Lehrer jagte gleich den Assyrer Ninus hinterdrein, der das Reich erobert, von wo er Mittelasien beherrscht, ich jagte also ohne Aufentalt mit, bis das Reich wieder befreit wird durch Nabopolasar, von dem ich auch nicht weiss, woher er geflogen kam. – Nebukadnezar erobert Ägypten; Babylonier, Assyrer, Meder führen Kriegbis Cyrus, der Perser, alle Reiche wieder erobert. – Babylonische geschichte umfasst sechzehnhundert Jahr, hat um elf Uhr angefangen und Glokkenschlag zwölf Uhr aus, ich spring in Garten.

Freitag

heute morgen war der Geschichtskerl nicht da, da hab ich Generalbass studiert, von dem könnte ich eher sagen, dass ich was gelernt hab, über den hab ich Gedanken, er spricht mich an wie Geheimnis, obschon der Hoffmann sagt: Alles ist klar wie der Tagich geb's zudeswegen ist der klare Tag mir auch ein Geheimnis, so gut wie der einfache Harmoniensprung, von dem Hoffmann heute sagte: "Betrachtet man die Tonika nicht allein als solche, sondern auch in bezug auf jede andre Tonika, als eine ihr verwandte Tonart, wo sie vermöge und in dem Grade ihrer Verwandtschaft wieder Beziehung hat auf alle Seitenverwandtschaften und daher immer wieder als solche sich geltend machen kann; so sieht man leicht, wie alle möglichen Gattungen von Dreiklängen vermittels einfacher Harmoniensprünge aufeinander folgen können." Ich glaube's, aber begreif's nichtbetrachten? – kann man denn alles betrachten, wie man will? – kann ich die Wolken da oben betrachten wie mein Daunenbett, so werden sie doch nicht herunterkommen, mich zudecken. Der kleine Hoffmann sieht mich an, erstaunt über meine Dummheit, und wird selbst ganz dumm, denn er verstummt. Endlich sagt er ganz freundlich, das nächste Mal werde er gewiss eine Form gefunden haben, um mir's begreiflich zu machen, er ging in die Musikprobe, wo er tausend Harmoniensprünge mitspringen wird. Käm doch bald die nächste stunde, am Tanz der Dreiklänge möchte ich erproben, ob mein Geist auch einen kühnen Sprung tun kann, oder ob ich geboren bin, kriechend zu lernen wie die Raupe. – Wahrlich, ich möchte gern wissennicht wie mit der alten raupenfrässigen geschichte. – Ach Gott! – ich hab keine Aussicht! – Gestern abend ging ich noch nach dem Nachtessen hier im Garten; da hört ich ordentlich das Gras wachsen, aber so was gilt nicht für Gescheiteit oder Verstand. Die grünen Äpfel am Spalier unterm grauen Laub, die bepelzten Pfirsich muss ich respektieren, die kommen vorwärts, aber ichda wollt ich mich besinnen, auf was ich von je an gelernt hab, da kann ich doch nicht die Gebetchen mehr, die ich vier Jahr lang jeden Tag hersagte. Das Vaterunser