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frischen Grashalme und Kräuter duftenso bin ich zufrieden und blüh all meine Gedanken heraus vor Dir.

20. Mai

Gestern war Sonntag, heute morgen war ich gar nicht ärgerlich, wie mich die Hühner aus dem besten Traum gegagst haben wie als in Frankfurt, wo die Liesbet als grad Holz in Ofen geworfen hat, wie eben ein goldner Vogel mir wollt auf die Hand fliegen. Die Akazien im Hof sind recht gewachsen, sie schneien im Sonnenschein ihr letztes Silber aufs Grün. Der Garten lag so morgentrunken vorm Fenster, ich ging hinab, meinen alten Weg nach der Bretterwand hinter den Pappeln und kletterte herüber ins Boskett, wo ich reissen, wenn ich recht jauchzend bin. Zank nur nicht, dass ich mein Gewand nicht geschont habe. Dornenröschen hat mir ein Fetzchen davon behalten, wie ich versucht hab, ob ich noch zwischen dem Eisengeländer vom Boskett durchwitschen kann; es geht noch, ich hab noch nicht zugenommen an Erdenballastda sitz ich auf der Terass' am Main, auf dem die Wasserspinnen lustig in der Frühsonne herumfahren. Käm der Genius doch daher gewandeltich könnt ihm mehr nicht sagen, als was die Bienen summen. – Ist mir doch, als gehör ich zu dem blühenden Zitronenbaum; ist so still alleswie am Feiertag, und der reinliche Kies mir unter den Füssen klirrt schüchternalles voll Schauer und Harren, dass er komme, der, auf den auch ich harre, oder war er schon hier? – und hat es früher so geordnet für mich, dass ich merke, er sei's gewesen, dem die sonnenbelasteten Äste sich gebeugt und die Welle nachmurmelt zu meinen Füssen. Ich wollt's besingen, aber's Lüftchen, das nach ihm sucht im Gebüsch, kehrt wieder und hat ihn nicht gefunden und schweigt und regt sich nicht mehr, so muss ich auch stumm sein.

An die Bettine

Dein Brief macht mir Freude, es ist ein gesundes, munteres Leben darin, das ich immer lieb in Dir gehabt habe. Du führst eine Sprache, die man Stil nennen könnte, wenn sie nicht gegen allen herkömmlichen Takt wär. Poesie ist immer echter Stil, da sie nur in harmonischen Wellen dem Geist entströmt, was dessen unwürdig ist, dürfte gar nicht gedacht werden, oder vielmehr darf alles Ereignis den Geist nur poetisch berühren, sonst leidet er Abbruch, wie ich das heute morgen habe erfahren müssen, wo mir von Hanau eine veraltete Familien-Schuhmacherrechnung von 17 Flr. zugeschickt wurde, die ich nicht bezahlen kann, meine Verlegenheit poetisch aufzulösen, schikke ich Dir den kleinen Apoll als Geisel samt Türkheims Lorbeerkranz, gib mir das Geld.

Wenn Du einige Stunden in der geschichte genommen hast, so schreibe doch darüber; besonders in welcher Art Dein Lehrmeister unterrichtet, und ob Du auch rechte Freude dran hast. – An dem Märchen hab ich die Zeit sehr fleissig geschrieben, aber etwas so Leichtes, Buntes, wie mein erster Plan war, kann ich wohl jetzt nicht hervorbringen; es ist mir oft schwer zumut, und ich habe nicht recht Gewalt über diese Stimmung. Grüsse den Clemens, wenn Du schreibst, ich denke daran ihm zu schreiben und warte nur den Moment ab, wo mir's wieder leichter ist, damit ich ihm mit gutem Gewissen seinen Unmut und seine Launen vorwerfen kann.

Karoline

An die Günderode

Geld liegt im Pult am grossen Spiegel, in der dritten Schublad links, in den andern Schubladen liegt aber auch vielleicht noch, zieh alle Schubladen ganz heraus, ob etwas dahinter gefallen ist. Der Schlüssel liegt unter dem Blumenkasten auf der Altan, wo die Kapuzinerblumen stehen, den Apoll halt rein vom Staub, und dass ihn die Fliegen nicht bedippeln mit samt dem Lorbeerkranz; und vom Stil weiss ich nichts als von Dir, nichts Überflüssiges, nur was zur sache gehört, sollt ich schreiben. Ich hab meinen Brief verputzt wie beim Apfelbaum, alle Raupennester und Zweige ohne Fruchtkeime ausgebrochen, bis er ganz kahl war. – Man soll von jedem unnützen Wort Rechenschaft geben, geschrieben kann man nicht ableugnen, so muss man sich zusammennehmen. Der Mensch empfängt den Geist mit Gedanken und Worten, es sind die Gemächer, in denen er ihn herbergt, die Ehrengewande, die er ihm umlegt, aber die müssen durchsichtig sein und knapp anliegen und die Räume einfach; denn was er nicht ausfüllt, das verbaut ihn. Ich merk als, dass die Menschen sehr dumm sind und fürchterliche Umwege machen ums Zentrum, ja, mir scheint jede Wahrheit ein Zentrum zu sein, das wir nur umkreisen, nie berühren. Gestern musst ich der Grossmutter aus dem Hemsterhuis vorlesen, sie sagte: "Das ist ein herrlicher Gedanke", und legte mir eine Pfeffernuss drauf, da kam mir dieser Gedanke.

Am Montag

Der Geschichtslehrer kommt dreimal die Woch, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, eingeklammert hinten und vorn in zwei Faulenzer, Freitag, Samstag am ende, Sonntag, Montag am Anfang. – Er unterrichtet mich so, dass ich wahrscheinlich der Zukunft ewig den rücken drehen werde und so auch um die liebe Gegenwart geprellt wär, wenn die unreifen Aprikosen in der Grossmutter Garten nicht meinen Diebssinn weckten, mit dem ich doch für meinen Verstand etwas Handgreiflicheres zu erbeuten gedenke, als: "Die geschichte Ägyptens ist in den ersten zeiten dunkel und ungewiss." Das ist ein Glück, sonst müssten wir uns auch noch darum bekümmern – "Menes ist der erste König