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doch, wenn er uns was tun will. So marschierte denn der Goliat vor uns her, ach, wie rauschten die Birken neben uns her und malten ihren Schatten uns unter die Füsse, wie quoll das Dunkel aus dem Wald dem Mondlicht entgegen, und die kleinen Wässer rauschten von den Bergen nieder und wallten zwischen Weiden fort, und an manchem schlafenden Dorf ging's vorüber und dann auf der Höh, noch einmal musst ich mich noch umsehen nach dem Silberstreifen des Rheins im Mondglanz, und Berge in der Ferne sanken und stiegen, aber am meisten war doch das Regen in der Luft, was umherschwirrte und flüsterte in den Zweigen, und Träume, kindische, die mir das Herz beben machten, und dunkle Bilder, die aus dem Wald nebenan hervortraten, das hielt mir die Seele wach, und doch war's, als schlummere ich sorglos und wandle nur im Traum, und die Himmelssterne erblassten allmählichund die einzelnen Hütten im Tal waren noch unbewusst des Tages, der sich ahnen liess, aber die Wachteln schlugen im Feld und kündeten ihn an, da sahen wir Schlangenbad. Wer war froher wie wir, ich aber über alles, mich freut die herrliche Nacht. Die Schatten am Weg, die unsern beleuchteten Weg still umstanden, und der Abschied der Nacht, wie sie noch einmal die Wipfel schüttelte, das alles ist mir lieb, es ist ein Geschenk von den Göttern, wie so manche andre Stunden, wo's war, als wollten sie mich beschenken mit süssem schwärmerischem Gefühl von innerlicher Kraft des Entzückens. – Das war's, was ich Dir erzählen wollt, und was viel schöner ist wie alles Denken und Urteilen: sich dem Leben der natur nahen und still und stumm ihre Vorbereitungen mit ansehen und wie sie weiht und reinigt in feierlicher Nachtstille.

An die Günderode

Offenbach, Mai 1805

Sorg nicht um meine Gesundheit; im Dachstübchen bin ich ganz fidel; ich muss mit meinem Schatten an der Wand lachen. drei Sätz die Trepp herauf, und die Flügel gespreizt und herunter hinter die Pappelwand, wo was Weisses flattert. – Da, wo wir vorm Jahr den Spitz begraben haben, spielte der Wind im Mondschein mit einem Papier; es flog aber gleich über die Gartenwand, wie ich's haschen wollt. Mit dem guten Spitz fürchtete ich mich nicht in der Nacht; er bellte mir als immer die Geister aus dem Weg. Der Klavierhofmann ist noch immer unser Nachbar; heute nacht, wie ich im Bett lag, da jagte er wieder wie sonst seine enharmonischen Läufe im gestreckten Galopp auf und ab; ich gab meinen Schlaf auf und meine Sinne freudig drein, die jagten mit. – Mit dem Verstand Musik fassen wie die musikalischen Philister, das geht nichtich muss empfinden. – Sinnegewiegt von der Musikmich hingeben wie schlummernd, dann hab ich Gedanken, schnellwie die Sterne dahinfahren, oftam Himmel. Ich bekümmre mich als, dass ich nicht denken kann, was ich will, und muss von allem mich irren lassen, wie auf dem Markt, wo man hin Bär, der tanzt, oder mit den Zigeunern mich ergötzen am Mainufer, wenn's Marktschiff Philister ausspeit und die betrunknen Musikanten schmettern sie hinaus. Allerlei geht mir im Kopf herum, aber wenn ich schreiben will, ist die Luft leer von Gedanken, und die meisten Worte sind überflüssig, ich muss sie wieder wegstreichen wie hier im Brief. Bei Musik bin ich gesammelt, die Gedanken fahren nicht herum, sie sind still und schauen innerlich Ding, was mich vergnügt. Die Seel wächst, die Knosp springt auf und saugt Mondlicht. – Eine Weil hört ich zu im Bett, wie's Gewitter kam, sprang ich heraus und setzte mich aufs Fenster. – Musik bringt alles in Einklang, sie donnert durch die hellsternige Nacht ihren gewaltigen Strom, dann tanzt sie hin und grüsst mit jeder Well die Blum, die da heimlich blüht am Ufer. Wenn dann die Wolken vom Windsturm daher gejagt kommen, dann werden sie als gleich, als von ihrem Hauch bezaubert; der Regen rollt Perlen unter ihren tanzenden Schritt, beim leuchtenden Blitz vom Donner durch die schwarze Nacht geschnellt, die er mit schallenden Schwingen durchrast, das ist alles ein Hymnus mit der Musiknichts widerspricht, noch stört's das stille Brüten der Sinne. So hab ich die halbe Nacht verlebt, ein Leben, wie's nicht besser ist, noch sein wird mit der Zeit. – Jetzt steh ich in der Blüt, Honig bis an Rand voll, alles aus dem inneren. Mit den andern hab ich kein Verstehen, ich schäm mich, vor ihnen anders zu sein wie sie. Du bist mir gut, und der Clemens, mit dem kann ich doch nicht sein, wie ich bin, er fürchtet sich und kann nicht vertragen, dass ich mich ausström, bald ist's zu feurig, bald zu wehmütig, wo ich doch gar nicht traurig bin, aber weil er schön ist wie ein Gedanke aus meiner Seel, so muss ich liebvoll zu ihm sein. – Das weiss er nicht, dass es Musik ist in mir, die ihn liebt, ich muss es so gehen lassen, alles muss reifen mit der Zeit. – Mit Dir ungestört sein, da fühl ich das junge Grün, wie das aus mir hervorkeimt, Du machst kein Wesen davon, dass im Frühjahr die