Ob ich je aus dem Licht heraustrete, was Dein lebendig auge auf mich strahlt? – Denn Du kommst mir vor wie ein ewig lebender blick – und als wenn von ihm mein Leben abhing. – Aber davon will ich auch nicht reden. – Von der Eselspartie gestern nach Rauhental, sie ist zu wasser geworden, aber erst am ende, es kam ein ungeheurer Platzregen, wie wir noch eine halbe Stunde von der Heimkehr entfernt waren, das zusammenlaufende wasser von den Bergen herab ins Tal gab ordentlich Seen, die der Wind wellig kräuselte. – Und wie die Esel mitten durchs wasser pfatschten mit uns, kam ein ungeheurer Donnerschlag, die meisten schrien auf, die Esel schrien nicht, aber sie warfen uns alle mit einemmal herunter in die Pfützen, und da konnte keiner sich halten, nur der Engländer wollte es zwingen mit seinen langen Beinen, der Esel warf sich nieder und bäumte sich, und so galoppierten alle Esel fort, dass sie im Nu aus den Augen waren, die Eseltreiber hinterdrein, denen nachgerufen wurde, uns Laternen zu schicken. Der ganze Haufe konsultierte in der Pfütze, setzte sich nach wieder erlangter Besinnung in Bewegung, auf das verwirrte Untereinanderschreien folgte bald Stille, der Weg war zu beschwerlich, als dass man auf etwas anders denken konnte als nur, wie man den Fuss mitsamt dem Schuh wieder aus dem Morast heben wolle, dies aber war nicht möglich, die meisten Schuhe blieben stecken, die Laternen kamen uns bald entgegen, die beschwichtigten Esel wurden wieder herangeführt, und so kamen wir zwar beritten an, aber in welchem Zustand? – Alle Strohhüte hatten im Morast gelegen. Die Schuhe fehlten, die Damengewande so nass, als sollten sie zu Statuen Modell stehen, und die Herren nicht minder; man verfügte sich in die Bäder und kam neugeboren und neugestrählt heraus, ein Gesamt-Abendtee, in Pantoffel und Schlafröcken und Pudermäntel eingenommen, machte den Beschluss, alles beschrie des Unfalls Jammer und lachte sich halbtot drüber. Mstr. Haise, dessen natürliche Haarfarbe jetzt zutag kam, war nicht mehr zu erkennen, aber seine Schönheit wurde allgemein bewundert, sein braunrotes Haar stand ihm so viel schöner als der Puder, womit er's hatte verbergen wollen, dass man schrie: jetzt könne er erst interessieren, was man vorher für unmöglich hielt. Wer war vergnügter wie er, der feierlich dem Puder abschwor und mit himmlischer Selbstzufriedenheit bei den Frauen herumspazierte, sich bewundern zu lassen. – Ich und die Lisett haben noch bis Mitternacht die Strohhüte renoviert, ich schlug sie alle auf der einen Seite mit einer Kokarde auf, wenn man nun im Schatten sein will, so setzt man die Schippe nach vornen, wo die Sonne nicht scheint, dreht man sie herum; die Verwandlung fand allgemeinen Beifall und sieht nach Voigt malerisch aus. heute morgen kamen die Eseltreiber mit den verlornen Schuhen auf ihren Stecken in Prozession angerückt; sie hofften ein Trinkgeld, es musste auch bezahlt werden, obschon die Schuhe besser wären geblieben, wo sie begraben waren; man war ärgerlich, dass sie die beschmutzten Schuhe so öffentlich zur Schau trugen. Das war die gestrige geschichte. Voigt hatte schon lange drum gebeten, die ganze Gesellschaft zu Esel in sein Skizzenbuch zeichnen zu dürfen, heute morgen war ein schöner heller Himmel, und doch war's abgekühlt vom Gewitter, wir machten uns so malerisch wie möglich, liessen Bänder flattern, Schleier wehen, die Herren steckten Sträucher auf den Hut, gaben sich nachlässige Posituren, schaukelten mit den Beinen, so ging's langsam vorwärts, Voigt war voran mit seinem Malkasten, hatte die Palette aufgesetzt, sass auf einem Zeltstuhl vor der Höhe, wo wir herabkamen, und beobachtete den Zug mit dem Fernglas, auf einmal rief er Halt, ich war voran mit einer grünseidenen Fahne, die ich mir gemacht hatte, die stemmt ich in die Seite und hielt recht feierlich still, die Gitarre hing auch am Sattel. Voigt malte eifrig auf ein Stück Wachsleinwand, das auf ein Brett genagelt war. Es dauerte ein Weilchen, die Esel hingen die Ohren und waren eingeschlafen, die Sonne brannte, die Mücken stachen, die Schleier und Bänder hingen schlaff, sie glaubten alle, sie könnten's nicht länger aushalten, ich hätte doch dem guten Voigt so gern das Pläsier gegönnt, dass seine Skizze fertig wurde; ich nahm meine Gitarre und stimmte den Kosiusko an, Crotwit begleitete mich auf dem Flageolett, mehrere Maultrommeln der Eseltreiberjungen fielen ein, es erhob die stimme Bass und Diskant, andere pfiffen, Haise neben mir an gab einen Ton von sich, mit dem er eine Pauke nachmachte, die mit einer Rute und einem Klöppel geschlagen wird, pfitsch pfitsch, bum bum. Die Esel wachten auf und spitzten die Ohren wieder, die Lüftchen regten sich wieder in den flatternden Bändern, alles war begeistert, und Voigt malte schneller als eine Windmühle, in die der Sturmwind bläst; die Eseljungen hatten sich auch in nachlässigen Stellungen postiert, bald war's so weit, dass wir umwenden konnten, Voigt bestieg seinen Esel, und wir zogen vergnügt und singend zurück. Die Skizze ist allerliebst kräftig, er will sie zu Frankfurt fertig malen, wärst Du doch auch dabei gewesen. – Im Nachhausereiten sah ich die Birke von fern, die so leise wehte, in der ich ohne daran zu denken, wie eine Vision Dein Bild gesehen hatte. Ich dachte daran, ob ich's doch versuchen wollte