. – Ich erriet, dass er ein diplomatischer Abgesandter sei von klugen Leuten, die viel von einem wissen, und von denen man nichts weiss; seine Zitationen von überspannten Reden und absurden Behauptungen, die hier unter den Philistern im Umlauf sind, ergötzten mich: Dein eigner Brief, der wie der junge Strauch das kränkelnde Laub abwirft und in frischen Trieben ergrünt, macht mich mit dem guten Hohenfeld einverstanden über Deine Unbedeutenheit, auch gefällt sie mir besser, als was ich an Gelahrteit Dir zuschanzen könnte, Du bist gefühlig für die Alltäglichkeit der natur, Morgendämmerung, Mittagschein und Abendwolken sind Deine lieben Gesellen, mit denen Du Dich verträgst, wenn kein Mensch mit Dir auskommt. – Wenn Du willst, so können wir umtauschen und ich Dein Jünger werden in der Unbedeutenheit, so wie Du Dich für meinen Schüler hieltest, als ich einen starken Geist aus Dir bilden wollte. Jetzt, wo es rückwärts geht, musst Du mein Lehrer sein, ein Zaghafter kann sicherer bergauf gehen, aber einen steilen Weg hinab, dazu gehört Entschlossenheit, die hast Du, Du schwindelst nicht und hast Dich noch nie besonnen, über Hecken und Gräben zu setzen. Es dämmern mir schon ganz glückliche Spekulationen über den Geist der Unbedeutenheit auf; ich hatte unsägliche Lust, dem Domdechant, der mich so hoch stellt, als Überläufer ein paar Dummheiten zu sagen, die ihm Zweifel in sein Urteil gäben, ich habe ihm auch eine gesagt, worüber er die hände zusammenschlug und meine Behauptung, dass ich viel von Dir empfange und Dein Umgang mich belehre, auf mein Unvermögen, mich selbst zu schätzen, schob, das mir da einen absurden Streich spiele, alle Welt wundere sich, dass ich meine Zeit mit dem Sausewind verbringe und ihm vor andern solche köstliche Minuten schenke. – Nun, es wird mir nicht fehlen, dass mir nächstens die ergötzliche Unbedeutenheit aus diesen meinen Verkehrteiten zuerkannt werde, um die mich keiner beneiden wird, weil man eben das Bedeutende nicht zu schätzen weiss. Ich ahne sehr hell, dass, wenn in dem bescheidenen Knospenzustand Unbedeutenheit verborgen, nicht der volle innere Lebenstrieb wirkte, das Bedeutende nie ans Licht blühen würde, am wenigsten, wenn diebischer Eigennutz sich der Zeit vordrängt, bloss um auf der Höhe zu stehen, wo die andern zu seinen schimmernden Phantomen aufsehen müssen. Wie die Titanen mit grossem Gepolter ihre Treppe zu der Götter Burgen auftürmten und die stillen Gipfel des Olympos als unbedeutend hinabstürzten. Eins empfinde ich in Dir, dass die natur das Ideal des Menschengeistes gleichwie das Pflanzenglück unter warmer, nährender Decke vorbereiten muss, sonst werden die Menschen davon nicht wachsen und reifen und im Sonnenglanze grünen.
Deine begebenheiten, Deine Bemerkungen, alles macht mir Freude, sorge, dass mir nichts verloren gehe, wenn's nur Deiner Gesundheit nicht schadet, so schreibe doch jeden Abend, darum bittet der Dämon, der mir's zuflüstert und gern alles von Dir bewahren will.
Wo soll ich mit Deinem Kanarienvogel hin? Ich nehme ihn mit in fremde land, es wird nicht viel Mühe machen, ich kann ihn niemand anvertrauen, so wenig wie Dich. – Apropos! Wenn ich nun auch eifersüchtig sein wollte auf die Prinzess, mit der Du immer Hand in Hand gehst! Hast Du Dich je von mir an der Hand führen lassen, wenn wir draussen waren? – Summtest umher wie eine wilde Hummel durch alle Gebüsche und liessest mich allein nachsteigen? Was vermag doch diese Fürstlichkeit über Dich, dass Du Dich so zahm an der Hand führen lässt im Freien? – Dein Vogel ist mir ebenso zahm geworden, dass er mir in den Mund pickt, das ist nichts anders als Liebe zu mir, ich weiss nicht, ob er mir jetzt nicht mehr zutunlich ist wie Dir, grad wie Du mit der Kurprinzess. – Ich war in Sorgen um ihn; denn wie ich einmal zur Gartentür hinausging, flog er mir nach in den Garten, aber wie er eine Weile unter den Bäumen herumgeflattert war, setzte er sich mir auf den Kopf und liess sich ruhig wieder hineintragen, ich war recht froh; denn ich hätte nicht gewusst, wie ich bestehen solle, wenn Du ihn nicht wiederfandst. – Der Feigen waren elf an Deinem Baum, ich habe am Montag Ernte gehalten, drei davon habe ich vom Baum verspeist, drei habe ich in Gesellschaft verzehrt mit dem Jemand, der mir in der Tür begegnete, er begleitete mich nach Haus und schien sich zu freuen, dass der Baum, der von ihm stammt, so süsse Früchte bringt. Nun liegen noch fünf Früchte, die noch etwas härtlich waren, unter der Glasglocke beim Apoll, die ich in die Sonne gestellt habe, sie haben auch schon nachgereift, ich werde sie vor meiner Abreise in Kompagnie verzehren, aber mit niemand, der sie allenfalls wie eine unbedeutende Frucht mit Stumpf und Stiel hinunterschluckte, sondern mit jemand, der Deiner Pflege für den Baum die Süssigkeit der Früchte zuschreibt und sie dankbar geniesst. –
Karoline
Eine Merkwürdigkeit muss ich Dir noch melden von Deiner Altan, die Spinnen haben eine grosse Brabanter Spitze gewoben von einem Ende zum andern, von der kleinen Edeltanne über den Orangenbaum, über die Bohnenlaube, in die man nicht hinein kann, wenn man dies Kunstwerk nicht durchbrechen will, dann über den Granatbaum zum Feigenbaum; ich habe alles geschont beim Brechen der Früchte. Dein Bruder Dominikus kam herunter und spritzte im Kreis sie alle an mit der kleinen Giesskanne,