zum Dämon ist, da antwortet er, der Lieb kann Geist nicht widerstehen, wie ich nicht und Du nicht. Solang ich vom Sokrates weiss, geh ich dem Gedanken nach, wie er einen Dämon zu haben; er hatte wohl ein inneres Heiligtum, ein Asyl, wo der Dämon zu ihm kommen mochte, ich hab in mir gesucht nach dieser tür zum Alleinsein, wo ich diesem Wahrheitsgeist ins Gesicht sehen könnt, flehend um Lieb. Aber Du hast recht, ein mutwilliger Wind jagt meine Gedanken wie Spreu auseinander, ich werde fortgerissen von einem zum andern von meiner Zerstreuteit, dann ist's so nüchtern in mir und so beschämend öde, wenn ich mich sammeln will, wie soll da der Geist sich einfinden, wo es so leer ist, der Sokrates hatte wohl grosse Taten getan vorher, und nie seinen Genius verleugnet, dann kam er zu ihm. – Ich sag als zu mir, lass nur ab, der Geist würde von selber kommen, könnt Deine natur ihn beherbergen. Ich denke als, der Geist muss entspringen aus vereinigten Naturkräften, und ich hab so keine Feuernatur, die sich so konzentrieren kann, dass der Geist aus ihr entspringe, aber ich wollt es doch, ich sehne mich nach ihm. Ich hab ihn nicht, ich denke mir ihn aber und trag ihm alles vor in meinen Nachtgedanken, und manchmal schreibe ich an Dich, als wärst Du sein Bote, und er würde durch Dich alles erfahren von mir. Manchmal, wenn wir zusammen schwätzten im Dunkel bei dem verglommenen Feuer in Deinem Öfchen, wo der Märzschnee vom Baum vor Deinem Fenster herunterfiel, da dachte ich, was schüttelt doch den Baum? – Und da war ich gleich so begeistert, als lausche was und reize mich an, und Du sagtest, es fülle sich unser Gespräch mit Gas, ein Gedanke nach dem andern stieg in die Wolken und verglichst sie mit romantischen Lichtern, die hoch über uns sich in sanften Leuchtkugeln ausbreiten. Das Rasseln im beschneiten Baum, an der Wand das neugierige Mondlicht, das aufflammende Feuerchen, Du und ich, die mit Deinen Fingern spielte beim Sprechen, das war als so, dass ich dachte, der Geist wär nah bei uns und trenne uns von allem Unsinn; und das Leben war auch so weit ab, auf der Strasse, wenn ich nach Haus ging, wenn mir da Menschen begegneten, so war's wie eine Scheidewand zwischen mir und ihnen und zwischen allem, was in der Welt vorgehe. – Ja, die Welt, die auch von Begeistrung leben sollte wie der Baum vom Tau, die strömt soviel Stickluft aus (Langeweile), dass der Geist nicht eratmen kann.
heute sind die Früchte angekommen und die Blumen all noch frisch, Dein Brief duftet mit dem Heliotrop und gelben Jasmin in meiner Brust, wo ich ihn hingesteckt hab. – Was Du mir sagst, scheint mir auch vom Dämon durch Dich gemeldet, Du kleidest seine Weisheit in Balsam hauchende Redeblüten – ich soll und muss Dir rechtgeben, nicht wahr? – Meinst Du, es wird den Dämon verdriessen, wenn ich ihm nicht nachgebe mit der Eifersucht? – Und dass meine leidenschaft in so stolzen Flammen aufsprüht und will ihn gefangen nehmen, wo er sich verborgen hat in Dir? – Eifersucht fährt heraus aus dem Geist der Liebe, als wär's der Dämon selber, sie ist eine starke bewegende Kraft, ich weiss, was ich ihr zu danken hab; – ja, vielleicht ist sie eine Gestalt, in die sich der Dämon kleidet; wenn ich eifersüchtig bin, ist mir's immer göttlich zumut, alles muss ich verachten, alles sehe ich unter mir, weil es so hell in mir leuchtet, und nichts scheint mir unerreichbar, ich fliege, wo andre mühselig kriechen; und während mir's im Herzen ängstlich pocht, da rauscht's im Geist so übermütig, ich biete Trotz, so arg Trotz, dass ich ohnmächtig werden muss, aber mein Mut sinkt nicht, der ist noch stärker, wenn ich mich erhole, nach was verlang ich denn? – Was will ich mir erzwingen? – Ja, es ist gewiss der Dämon, den ich wittere; als ich Dir in die Hand biss und an zu weinen fing, so war es doch der Dämon, der mich neckte, nicht Deine Geheimnisse, die Du mit andern hast, die mich nichts angehen, ich weiss, dass die nicht zwischen uns treten, und Du, wo willst Du hin? – Ich und Du, uns berührt nichts in unserer Eigentümlichkeit miteinander. Aber es schlägt Feuer aus mir, dass ich ihn fassen will und will mich an ihn klammern, denn er war gewiss oft zwischen uns beiden, meine Ahnung war nicht falsch, und ich wollt ihn gern an mich reissen, als ich von Dir ging, drum biss ich Dich und schrie. – Ja, es ist Eifersucht – wie soll ich aber nicht eifersüchtig sein, es ist ja die einzige Möglichkeit meines Gefühls, schmeichlen kann ich ihm nicht, ihm vertrauen, wie kann ich das, ich weiss ja nicht, ob er mir lauscht. Aber dass meine Eifersucht rege wird, wo ich ihn ahne, dass ich da mächtig mit den Flügeln schlage um ihn, der mich selber dazu reizt, das ist die stimme der Wahrheit heisser Liebe. Ja! ja! ja! – Da brauch ich mich nicht zu