Rosenstock mein ist, wär doch der Ephraim wieder gesund, denn Du hast mir ja geschrieben, ich soll mit ihm von Dir sprechen, das letztemal konnte ich nicht, weil ich zu bang war; – vielleicht aber ist's, dass er meint, ich wär zum Lernen nicht aufgelegt, warum er sich's verbietet, zu kommen, ich hab ihn aber bitten lassen, zu kommen, wenn er besser ist, ich hab ihm auch alten Madeira geschickt, er wird schon besser werden; es war sehr schön heute auf dem Turm, es ist Frühlingsluft, und die Abende sind heiter und rein, ich geh früher jetzt, schon immer, wenn die Sonne untergegangen ist, eh ich nach Haus geh, ist doch schon sternige Nacht, nun werde ich den Turm bald verlassen, die Lulu schreibt, am siebzehnten wird sie kommen, Du hast's gesagt, ich soll mit ihr gehen, und ich wollt ihr's auch nicht abschlagen, – es war schön hier und vielbedeutend, und was soll ich mich fragen, was in mir geworden ist? Mein Geist ist voll geheimer Anregung, das ist genug, die natur hab ich nicht beleidigt und meine innere stimme auch nicht verleugnet.
Was den Geist verleugnet, das versiegt eine Geistesquelle, – Busse ist ein Wiedersuchen, Wiederfinden dieser Quelle, denn echter Geist strömt Geist, – Grossmut verzeiht alles, aber duldet nicht, was gegen den Geist ist.
Grossmut ist Stammwurzel des Geistes, durch die der Geist einen Leib annimmt, Handlung wird. Was nicht aus ihr hervorgeht, ist nicht Tugend.
Grossmut dehnt sich willenlos aus über alles, wo sie sich konzentriert, da ist sie Liebe.
In der Liebe brennt Deine Seele in der Flamme der Grossmut, sonst ist's keine Liebe. – Nur in der Grossmut hat alles Wirklichkeit, weil in ihr allein der Geist lebt, – so also nur kann die Liebe selig machen. –
Jede Liebe ist Trieb, sich selbst zu verklären. Wenn nicht dem Liebenden die Gotteit, die Weisheit das Haupt salbet und die königliche Binde umlegt, da ist's nicht die wahre Liebe.
Ein Liebender ist Fürst, die Geister sind ihm untertan, wo er geht und steht, begleiten sie ihn, sie sind seine Boten und tragen seinen Geist auf den Geliebten über. –
Das war meine gestrige Sternenlektion, seit die Rosen in meinem Zimmer blühen, sprechen sie als mit mir von Liebe.
heute morgen hab ich den Rosenstock wieder ans Fenster gestellt, eh die Studenten kamen, und hab hinter dem Vorhang gelauscht, ob sie wieder heraufgukken, sie haben sich bemüht, die Rosen zu zählen, einer zählte siebzehn, der andere fünfzehn, soviel sind grade zu sehen, die andern sind noch zu klein, – könnt ich jedem eine hinunterwerfen, sie an seine Mütze zu stecken.
heute war der Ephraim bei mir, er wusste, dass ich die andre Woche geh, wir sprachen von meinem wiederkommen, denn ich bleib nur drei Wochen mit der Lulu aus. – Wir sprachen von Dir, er sagte soviel Gutes von Dir, er las auch meine letzten Blätter an Dich, er sagte, man müsse nicht fürchten, dass was man liebe, einem verloren gehen könne, weil er wohl erkannte, etwas in Deinem Brief mache mir bang um Dich; er sagte, Du seist einzig in Deiner Art, Du habest eine grosse Bahn, und wer nicht andre Wege gehe als die schon gebahnten und angewiesnen, der sei nicht Dichter. Es sind nicht tausend Dichter, es ist nur einer, die andern klingen ihm nur nach; – klingen mit. – Wenn eine stimme erschallt, so weckt sie Stimmen. Dichter ist nur, der über allen steht. Der Dichtergeist geht durch viele, und dann konzentriert er sich in einem. – Oft wird er nicht erkannt und doch steht er höher als alle. – –
Wer nicht andre Wege geht, als die schon gebahnten und angewiesenen, der ist nicht Dichter. Und wenn nicht auf eignem Herd das Feuer brennt, das ihn erleuchte und wärme, der wird kein anderes dazu beraten finden. Lodert aber auf Deinem Herd die Flamme, dann wird jede Dir leuchten und alle Dich wärmen. – Man kann ruhen im Geist, man kann tätig sein im Geist; aber alles was nicht im Geist geschieht, ist verlorne Zeit. – Es wird wohl selten dem Dichtergeist sein Recht getan, der kühne Adel jener Gedanken, die wir als Dichtung erfahren, sollte wie Helden uns ewig imponieren. – – – Und so schwätzten wir noch ein Weilchen, und nicht alles hab ich behalten, was sich da ergab, – aber der Ephraim war blass, und sein Enkel brachte ihm noch einen Mantel; einmal will ich ihn noch sehen. –
Auf dem Turm gewesen, aber nichts aufgeschrieben, es tut mir leid, dass ich mich vom Turm trenne; wo wird's wieder so schön sein und was hab ich den Sternen nicht alles zu verdanken. Sie haben mir Wort gehalten. Nicht wahr, sie haben uns beide zusammen gepflegt, und was sie mir sagten, das haben sie auch Dir gesagt, – und wir waren beide recht verschwistert in ihrer Hut. – Wie wird's sein, wenn ich wiederkehre? – Diese vier Monate meines Lebens, ich konnte sie nicht schöner zubringen. – Nicht wahr, natur und tiefer Geist,