am Himmel, als ich oben auf der freien Warte ankam, und dann will ich nie wieder unfrei atmen! Das ist nicht meine sache, unter der Last keuchen! – Setzest Du mir nicht einmal ums andre immer wieder neue Flügelpaare an, und die Sterne, wie lehren die mich doch die Flügel schwingen! Und trag ich nicht Dein Leben in meiner Brust und meines auch? – Und wenn ich so viel Flügel hab, was soll mir eine Last sein? – Alles schwing ich auf gegen Himmel, Schweiss wird mir's kosten, warum nicht Lasten tragen, wenn ich sie aufschwingen kann in die Himmel. – Was ist das, ein Atlet sein und nicht den Erdball auf den Fingern tanzen lassen? –
Haben wir's nicht ausgemacht, wir wollen das gemeine Leben unter uns sinken lassen, haben wir nicht zueinander gesagt, lass uns schweben und nicht an diesem oder jenem festalten? – Und war's nicht das erste, worauf wir unser Sein begründeten, dass wir alles wollten wagen zu denken? – Und ist der nicht unsinnig, der das Denken wollt vor die tür stossen, weist der nicht göttliche Botschaft ab, – und warum ist denn nur Geist, was frei schwebt, und was sich anlehnt, ist nicht Geist? – O ja! das begeistert mich, so zu denken, und der Nebel umflort Dich nicht mehr, und es ist hell, wie ich Dich denke – und wenn auch. – Wir können wohl über die Nebel hinaussteigen, – Deine Fittiche wolle Dir nicht brechen lassen, ich sag Dir gut, dass ich die Erde und ihren Frevel am Geist in Banden halten werde. – Was ist? – Was kannst Du gewinnen, was Du nicht wagst? – Und was Du verlieren kannst, lohnt es der Mühe es zu bewahren, Du verlierst nur, was Du nicht wagst. –
Ein Held sein und sich vor nichts fürchten, da kommt der Geist geströmt und macht Dich zum Weltmeer. – Die Wahrheit erfüllt Dich, der Mut umarmt die allumarmende Weisheit. – Die Wahrheit sagt zum Mut, brich deine Fesseln, – und dann fallen sie ab von ihm. – Der Schein ist Furcht, die Wahrheit fürchtet nicht, wer sich fürchtet, der ist nicht wirklich, der scheint nur. – Furcht ist Vergehen, Erlöschen des wahrhaften Seins. – Sein ist der kühnste Mut zu denken. Denken ist gottbewegende Schwinge. – Wie sollte das göttliche Denken sich an die Sklavenfessel legen? – Ist das, was Ihr für wahr ausgebt, Wahrheit, so schwing ich mich im Denken zu ihr auf. –
Wenn ich mich aufschwinge, so ist's in die Wahrheit, lieg ich an der Fessel, so bin ich nicht an die Wahrheit gekettet. Freisein macht allein, dass alles Wahrheit sei, von was ich mich fesseln lasse, das wird zum Aberglauben. Nur was geistentsprungen mir einleuchtet, das ist Wahrheit, – was aber den Geist fesselt, das wird Aberglaube. Geist und Wahrheit leben ineinander und erzeugen ewig neu. –
So hab ich mich freigemacht von meiner Furcht, weil Furcht Lüge ist. – Und Mut muss die Lüge überwinden. Und ich bin wieder eins mit Dir.
Ach, wieviel Strahlen brechen sich doch heute in meiner Seele!
Adieu und der Lulu hab ich versprochen, dass ich mit nach Kassel geh, sie schreibt: nur auf drei Wochen. –
An die Günderode
Ich bin heute auf mancherlei Weise beglückt, erstlich hab ich heute wirklich einen Rosenstock in meinem Zimmer stehen, den mir einer heimlich hereingestellt hat, mit siebenundzwanzig Knospen, das sind Deine Jahre, ich hab sie freudig gezählt und dass es grad Deine Jahre trifft, das freut mich so; ich sehe sie alle an, das kleinste Knöspchen noch in den grünen Windeln, das ist, wo Du eben geboren bist. Dann kommt das zweite, da lernst Du schon lächeln und dahlen mit dem kleinen grünen verschlossenen Visier Deines Geistes, und dann das dritte, da bist Du nicht mehr festgehalten, bewegst Dich schon allein, – und dann winkst Du schon mit den Rosenlippen, und dann sprechen die Knospen, und dann bieten sie sich dem Sonnenlicht, und dann sind fünf bis sechs Rosen, die duften und strömen ihre Geheimnisse in die Luft, und dieser Duft umwallt mich und ich bin glücklich. – Wer hat sie mir wohl ins Zimmer gestellt? – heute morgen kamen die Studenten herauf, und gleich war aller blick auf den Rosenstock am Fenster gerichtet, – denn es ist was seltnes um diese harte Winterzeit hier in Marburg, denn ich glaube wohl nicht, dass Treibhäuser hier sind.
Der Ephraim war nicht da heute, wo sein Tag ist, – den er sonst nicht versäumt, und als ich abends auf den Turm wollt, da kam sein Enkel mir zu sagen, dass er unwohl ist, – ich sag, was fehlt ihm? – Nur matt ist er, sagte der Enkel, sonst ist er ganz wohl, ich sag, sieh den schönen Rosenstock, er sagt, ich kenne ihn wohl, der Grossvater hat ihn heute morgen durch mich geschickt, und weil es noch früh war, so hab ich ihn vor die Tür gesetzt, – ich frag: "Habt Ihr ihn denn selbst gepflegt?" – "Ja, der Grossvater hat ihn schon zum zweitenmal zur Blüte gebracht." –
Es ist schön, dass der