so sonderbar vor, und die kleinen Reisen, die ich bis jetzt gemacht hab, – wie war mir alles so auffallend –, wenn wir im Dunkeln vor einem Postaus hielten, wie sah mich da der halberleuchtete gang so seltsam an, als könnt er sprechen und erzählte mir: Ja, hier gehen allerlei Geschichten vor! – Und so eine Nacht in unbekannte Gegend gefahren, oder im fremden Nachtquartier, wenn man da aus dem Traum aufwacht und hört die Glock schlagen, und noch eine, und dann wieder eine. Da dachte ich als: da sind also viel Kirchen, wie mögen die aussehen? Und dann der Nachtwächter, der ein ganz fremd Lied singt mit heiserer stimme, und die Schellen an den Häusern, die man noch läuten hört, und dann am Morgen sieht alles wieder anders aus, und ist wieder so neu und überraschend, als wär die ganze Welt wie ein Spielsachenladen und Häuser und der Markt vor der Tür und die Leute, die da wohnen und laufen, das sei lauter Spielzeug, und die Hunde, die herumspringen, die Brunnen, wo die leute wasser holen, das kommt einem alles vor bloss wie zum Vergnügen, lauter Bilder, man freut sich, dass alles so niedlich eingerichtet ist und gar nichts vergessen. So fremde Orte, sie sind wie Feenmärchen. – Das alles möchte ich mit Dir geniessen! Es ist ja nur der Eingang, aber Himmel und Erde, im Freien – in die Weite hinaus, – wo man stumm steht und sieht die Berge sich aufrichten und mit dem Morgenlicht sich küssen, und alles Unendliche, was da vorgeht, was stumm macht und alle Weisheit überflüssig, denn wie's Kindchen, wenn ihm die Milch zuströmt aus der Mutter Brust, genug damit zu tun hat, sie zu schlucken, mit der Fülle fertig zu werden, so ist's auch mit der natur, sie gibt so vollauf dem blick, dem Herzen, dass es nicht zu Atem kommen kann. – Aber der Ephraim liegt mir am Herzen, dass der jetzt, wo die natur schläft und nur aufrührische Träume hat, die eisige bergige Strasse wandert, wo es so früh Nacht ist, und wo er in schlechte Herbergen kommt; aber er sagt, er habe einen Tag schon versäumt wegen dem Wetter und seine Enkel warten alle auf ihn, die würden so schon in grossen Sorgen um ihn sein, und das Sturmwetter werde er schon ertragen, er habe es schon mehr mitgemacht, und sein Enkel trägt den Bündel. – Er muss die Kinder sehen; da muss man ihn nicht abwendig machen, er sah auch gar nicht sorglich aus. – Dürft ich nur, wie ich wollt, so hätt ich einen bequemen Wagen ihm vor die Tür fahren lassen; und ich hatte Lust dazu, hätt ich's nur heimlich tun können, aber ich fürcht, man hätt geschrien, ich wär extravagant, ich wollt die Sonderbare spielen, und gelitten wär's doch nicht worden, denn von Verkehrteiten muss ich abgehalten werden. – Ausser dem Clemens, der hätt das gewiss recht gern gewollt. – Nun hab ich doch diese acht Tage sorge um Dich und um den alten Mann. – Ich fürcht mich vor dem Turm. Ich will aber, oder ich muss hinauf. – Das ist zum drittenmal, dass mir so was begegnet; dass mich so was fesselt, nächtlich und geheim an einen Ort zu gehen, wo mich die Geister hin bestellen.
Wie ich ganz klein war; der Vater hatte mich am liebsten von allen Kindern, ich kann kaum zwei Jahr alt gewesen sein, wenn die Mutter was von ihm zu bitten hatte, da schickte sie mich mit einem Billett zu ihm, denn sie schrieben sich immer, sie sagte, wenn der Papa das Billett liest, so bitte, dass er Ja schreibt, und er richtete oft nach meinen Bitten seinen Beschluss. Er sagte: "Mein liebes Kind, weil Du bittest, so sag ich ja, ja." – Alle Kinder fürchteten sich vor dem Vater, denn so freundlich er war, so hatten alle eine Ehrfurcht, die sie hinderte, ihrer Lustigkeit nachzugeben, und ein ernstes Gesicht vom Vater machte, dass sie alle vor ihm wichen; ich hatte viel mehr Lust mit ihm zu spielen, und wenn ich wusst, dass er nachmittags allein auf dem Sofa schlief, wo niemand sich ins Zimmer getraute, da schlich ich auf den Zehen herbei und kroch in den Schlafrock auf der einen Seite herein und konnte mich so geschickt um seinen Leib schmiegen und auf der andern Seite wieder heraus, das konnte ich so geschickt, da gab er mir allerlei italienische Schmeichelnamen im Schlaf und schlief dann weiter fort. – Er war niemals verdriesslich. – Wie die Mutter starb, da fürchteten sich alle Kinder vor seinem Schmerz, keiner wagte sich in seine Nähe. Abends war er allein im Saal, wo ihr Bild hing, da lief ich hinein und hielt ihm den Mund zu, wenn er so sehr schmerzvoll seufzte. – Ich besinn mich, dass ich als gern in der Karmeliterkirch war, wo niemand mehr hineinging, sie war immer leer, weil sie so düster ist, und weil so viel Tote da begraben liegen; Vater und Mutter liegen auch da und viele Geschwister. Ich hab mich niemals gefürchtet vor traurigen Orten. – Wie manchmal, wenn die Sonn drauss schien, da ging ich da