Dir verbleiben wollt, dass alles Glück, was uns entgegenkomme, nur Dein sein solle, und dass ich's nur durch Dich geniessen wolle. Drum schieden wir auch am Morgen so leicht und heiter, ich stieg in den Wagen, der mich am Ufer erwartete, um nach Frankfurt zu fahren, und Du bliebst auf dem Schiff, und ich hatte Dir nicht einmal die Hand gereicht und rief nur hinüber: "Adieu Günderode!" und Du riefst meinen Namen. Und es war, als ob die Welt uns nicht trennen könne. – Aber wie ich eine Weile vorwärtsgefahren war und sah Dein Schiff mit seinem südlichen Garten noch von weitem, da fiel mir's auf einmal ein, dass ich Dir nicht die Hand gereicht hatte und Dich nicht geküsst hatte und Du mich auch nicht auf meine Stirn, was Du doch sonst immer tatst und jeden Abend, wenn ich von Dir ging. – Und es war mir so angst drum, dass ich gern umgekehrt wär, wenn ich gedurft hätte. – Und jetzt, wenn ich an Dich denke und Du schreibst nicht, so fällt mir's ein und ängstigt mich. Aber doch ist es ja ein gutes Zeichen, ein so sicheres Gefühl, dass wir nicht getrennt seien, und wenn doch diese schönste idealische Nacht unseres Lebens die letzte war, die wir miteinander zubrachten, so wird uns auch der Genius wieder so zusammenführen, – und hin durch heisse Länder, wo kein Sehnen ist, und wo wir am Morgen nicht um den Abschied sorgen, weil wir uns nicht trennen werden. – Nur, dass ich jetzt in die beschneiten Felder sehe, und dass mir der Winter so tot jetzt erscheint, wo mir eine italienische Sommerglut im Herzen wogt! –
Ja, wir wollen fort, Günderode, wir zusammen; – es war ein Schicksalsruf, jene himmlische Nacht unter südlichen Blüten, – sie rief uns zu dem Land, dort wohin mein Sehnen geht, um das ich schon mit der Mignon meine Nächte verweint habe. – Das erste, wenn wir uns wiedersehen, soll es sein, dass wir einen festen und reifen Plan machen. – Es ist am ende ganz lächerlich, wenn wir alles Schöne und herrliche, von dem gesprochen wird, im Geist berühren und geniessen, und wir sitzen in der Wirklichkeit wie eingefroren. Ich bin begierig, ob wir's nicht dazu bringen, in der pappendeckelnen Welt; das ist's eben, dass sie von Pappendeckel ist. – Da fällt mir wieder mein Kindertraum ein, wo ich auf einem backsteinernen Fluss auf der Reise war und die Ruderer vergeblich Wellen schlagen wollten, und nur mit den Stechstangen ging's langsam vorwärts, – und das krachte so unangenehm, es pfiff, dass es mir zwischen den Zähnchen weh tat. Ach und die Reisegefährten schnitten so fürchterliche Gesichter, – da hab ich recht in Natura gesehen und ohne Schleier, was ein Philister für eine fürchterliche Lebenslarve hat. – Der Trieb zur Schönheit ist doch wohl noch das einzige, was von einer höheren natur übrig ist. –
Am Feiertag wollt ich, der Ephraim sollt mich besuchen, es war mein Lerntag, aber weil's Feiertag war, so konnte ich einmal die stunde verplaudern mit ihm, wozu ich so grosse Lust hatte, und mit meinen Tannenbäumen eine Laube um seinen Sitz gebaut, das hat mir gross Vergnügen gemacht, ich schenkte ihm auch Wein ein, da kam der Professor Weiss dazu, der hatte mit ihm zu reden wegen zwei Schülern, der sprach auch mit grosser achtung mit ihm, dass er so grosse Kenntnisse habe. Sein Enkel holte ihn ab und blieb noch eine Weile da, aber er setzte sich nicht vor seinem Grossvater und blieb stehen, und von dem Wein nippte er nur – und ich will Dir gestehen, dass ich die ganze Zeit von Dir gesprochen hab, denn ich kann auch nicht gut von anderem sprechen, weil ich doch immer dran denke, ob ich bald einen Brief von Dir krieg. – Was soll ich noch von ihm erzählen, er hat eine eigne Art, es scheint nur Bescheidenheit, aber man fühlt, dass es Herablassung ist und Güte; ich möchte Dir auch gern noch manches von ihm sagen, aber weil ich gar nichts weiss von Dir, das bricht mir den Mut, ich weiss ja nicht einmal, ob Du es mit Anteil liest. – Er sagte mir, dass er bis nach den Feiertagen, bis nach Neujahr eine kleine Reise zu den Seinigen machen wolle, weil seine Schüler alle fort sind. Es ist eine Reise von acht Meilen – bei Butzbach, – den Weg macht er zu Fuss in dem Wetter, – es ist hier ein Sausen, davon hat man in der Stadt keinen Begriff; auf dem Turm kommt allerlei Gezweig vom Wald oder von unten aus der Allee angeflogen. Gestern setzte ich mich gleich an den Boden nieder, um nicht davongetragen zu werden. –
Ich fürchte mich für den Ephraim, oder ich wollt, ich könnt mit ihm gehen, – so, ein Stock in der Hand, und immer vorwärts geschritten, in neue land, wo andre Luft weht, andre Bäume blühen, – jetzt hat's aber noch eine Weile Zeit damit; – so – ruhig sprechend – mit einem Weisen aus Morgenland. – Ich bin von natur so neugierig, wenn ich nur in ein unbekannt Dorf komm, da kommt mir alles