witzigen Humor ergötzt, und es lag so viel Wahres und Richtiges, zum wenigsten mir Zusagendes in seinen Bemerkungen, dass ich immer meine, er würde das Beste gewirkt und geraten haben, er sagte aber damals zu mir: "Ach, ich bin ein Wickelkind, mir sind die hände mit dem Wickelband festgebunden, ich kann nur Gesichter schneiden, und da meinen die Leute, ich lach und weine im Traum, sie meinen gar nicht, dass ich mit meinen fünf Sinnen dabei bin, wenn ich was sag." – Wenn es Dir nicht störend ist, dass er Dich einmal besucht, so schicke ich ihm einen Brief an Dich. –
Vom Hölderlin hab ich auch erzählen hören, aber lauter Trauriges, was ich Dir jetzt nicht erzählen mag, denn wir beide würden nichts darüber erdenken können; und in meinem Herzen steht geschrieben: Streue die Saat der Tränen auf sein Andenken, vielleicht dass aus diesen die Unsterblichkeit einst ihm aufs neue erblüht! – Ach, auch er hat gesagt: Wer mit ganzer Seele wirkt, irrt nie! Ja, wer unzerstreut und mit ganzer Seele dabei wär, der könnte wohl Tote erwecken, drum will ich mich sammlen und an Dich denken, dass ich Dich mir wach erhalte, dass Du mir nicht stirbst. – Aber ich will meinen Brief nicht so traurig schliessen. – Ein Brief, den ich kürzlich von Goete gelesen habe, den er anno Achtzehnhundert an Jacobi schrieb, wird Dich auch freuen: "Seit wir uns nicht unmittelbar berührt haben", sagt er ihm, "habe ich manche Vorteile geistiger Bildung genossen, sonst machte mich mein entschiedner Hass gegen Schwärmerei, Heuchelei und Anmassung, oft auch gegen das wahre ideale Gute im Menschen, das sich in der Erfahrung nicht wohl zeigen kann, oft ungerecht. Auch hierüber, wie über manches andere belehrt uns die Zeit, und man lernt: dass wahre Schätzung nicht ohne Schonung sein kann; seit der Zeit ist mir jedes ideale Streben, wo ich es antreffe, wert und lieb." – So sehr ich sonst eine sehnsucht hatte, allein und heimlich ihn aufzusuchen, jetzt ist's nicht mehr so; – ich möchte gar nicht zu ihm, wenn ich nicht Dich an der Hand führte – nur als zeigte ich Dir den Weg, – und nur, dass ich mir den Dank von ihm und Dir verdienen will, denn was er im Brief sagt, berechtigt Euch, gegenseitig aufeinander Anspruch zu machen, denn wie freudig würde er erstaunen über das Ideal in Deiner Brust, so wie Du Dich aussprichst in jenem Brief, wo Dir auf einmal so hell dies Ideal erschien, als sähest Du voraus in Deine Unsterblichkeit. – Und mit was könnt ich ihm entgegenkommen? – Ich hab keine Vorrechte, ich hab nichts, als den geheimen Wert, von Dir nicht verlassen zu sein, sondern angesehen mit Deinen Geistesaugen, die Gedanken in mich hineinzaubern, welche ich nie geahnt haben würde, läse ich sie nicht in Deinem Geist.
Gestern abend haben sich jung und alt beschert, mir sind die leeren Weihnachtsbäume zuteil geworden, ich hab mir sie ausgebeten, ich hab sie vor die Tür gepflanzt, man geht durch eine Allee von der Treppe über den breiten Vorplatz bis zu meiner Tür, diese grünen Tannen, so dicht an meiner Tür, beglückken mich – und die Welt ist noch so gross! Ach es steigt mir die Lust im Herzen auf, dass ich reisen möchte – mit Dir – wär das denn nicht möglich? – Bin ich denn so ganz gefangen, kann ich mir hierin nicht willfahren? – Und willst Du auch nicht das Unglück meiden, jener die sterben, ohne den Jupiter Olymp gesehen zu haben? – Ich fühl, dass mir alle sehnsucht gestillt könnte werden, hoch auf dem höchsten Berg die land, die Weite zu überschauen, ich würde mich wahrlich erhaben und mächtig fühlen, denn wessen das auge sich bemeistert, dessen fühlt der Grossherzige sich Herr. Ach, Günderode, ich weiss nicht, ob Du's auch schon gefühlt hast, aber mir ist jetzt vor allem der Sinn des auge's gereizt, sehen möchte ich, nur sehen. – Wie gross und herrlich die Kraft, mit dem auge alles zu beherrschen, alles in sich zu haben, zu erzeugen, was herrlich ist, – wie würden da die Geister uns umflügeln auf einsamer Stelle? – Und dann kennen wir uns, wir würden ineinander so einheimisch sein, es bedürfte keiner Mitteilung, die Gedanken flögen aus und ein, in' einen wie in' andern, was Du siehst, das ist in Dir, denn ich auch, ich hab mich nicht vor Dir verschlossen; – ja, Du bist tiefer in meiner Brust und weisst mehr von meinem Seelenschicksal, als ich selber, denn ich brauch nur in Deinem Geist zu lesen, so find ich mich selbst. Und wie glücklich hab ich mich doch hingehen lassen in Deinem Kreis? – Als schütze Dein Geist mich, so hab ich alles Unmögliche gewagt zu denken und zu behaupten, und nichts war mir zu tollkühn, überall fühlt ich den Faden in Deinem klugen Verstehen, der mich durchs Labyrint führte. Ach, ich möchte alles haben, Macht und Reichtum an herrlichen Ideen und Wissenschaft und Kunst, um alles Dir wiederzugeben; und meinem Stolz, von Dir geliebt zu sein, meiner Liebe zu Dir genug zu tun. Denn diese Freundschaft,