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Ihr würdet gewaltig sein, wo es des Geistes bedürfte, weil böse Leidenschaften in Euch abwesend sind und Euren Geist nicht hindern, gegenwärtig zu sein, denn ich glaube, Gegenwart des Geistes hat man nur der Abwesenheit der Leidenschaften zu danken, die einem ins Handwerk pfuschen. Aber Ihr seid vollkommen ruhig und habt doch Euren Zweck im Auge und steht über den Vorurteilen des Lebens und habt Jahre und seid so fest, so ernst, so gar nicht ermüdet von den strengen Prüfungen, Ihr klagt nicht, Euch ist das Leben gerecht, wie es Gott Euch gab; das ist Weisheit, mein ich." – "Und doch ist der Ephraim nur ein Handelsjude," sagte er. – "Ja, aber Ihr habt Euer Leben zum Tempel gemacht und seid Hoherpriester darin." – Das Gespräch führte noch weiter und endlich dahinwas ich mir für Dich aufschrieb: –

"Dass der Leib in sich begeistigt isteinen Geist in sich habe, erkennen wir darin, dass er sich geheiligt empfindet im Denken. – Ein Denkender, ein geistig Erregter hat einen geheiligten Leib."

Dies war das letzte von unserem Gespräch, was dazwischen lag, weiss ich nicht mehr; – aber auf dem Turm, in der kalten Winternacht plauderten die Sterne weiter mit mir:

"In der Liebe ist das erste, was wir weihen, der Leibund dies ist die Wurzel und der Keim der Liebeund ohne diese Weihe wird keine Liebe bestehen, sie welkt wie eine Blume, die man bricht, aber durch diese Weihe, mit ihr, muss die Liebe bestehen, jede Erkenntnis des Höheren fängt mit dieser Weihe an; wenn der Geist göttlich empfindet, das heiligt den Leib."

"Jedes Annähern im Geist sucht den Sitz des Geistes im Innersten und das empfindest Du umgeben vom Leib, – wie Du die Tempelhalle geweiht achtest, von der Du weisst, dass inner ihren Mauern die Opferflamme lodert."

"Der Tempel stellt den eignen Leib dar und des Gottes Lehre den eignen Geist."

"Den Geist des andern empfinden, so wie der sich selber empfand, als er dachte, das befruchtet den Geist." –

"Verstehen ist unmittelbares Berühren der Geister, und dies ist Lebendigsein, erzeugt selbständig Leben, und alles andre ist nicht Verstehen, – und der geringste Keim selbständig in der Brust ist Offenbarung."

"Drum befruchtet das wahre Verstehen den Geist."

"Fürchte nicht, dass Deine Liebe verloren sei, die Geister tragen sie hin, wo sie wirkt, wo sie erzeugt, wo sie ins Leben eindringt des Geistes. – Und das ist ja der Liebe einziger Bedarf, aufgenommen zu sein; und was nicht ihrer Empfängnis fähig ist, das ist auch nicht der Liebe Gegenstand, drum fürchte nicht, dass die Liebe ihr Ziel nicht fände, alles wahrhafte Leben hat ein Ziel."

"Also hast Du eine lebendige, aus der Grossmut entsprungne Liebe, so verfehlt sie nicht ihr Ziel, denn es liegt in ihr selber, wie der Atem in der Brust liegt."

"Alle Handlung, die nicht Grossmut ist, ist Lüge, ist Scheinleben; alles was nicht Geist ist, ist LügeGrossmut muss Scheinleben in wahres Leben verwandeln."

"Was ist Grossmut? – Geist? – Denken, Handeln und Fühlen zugleich. – Grossmut muss aus dem tiefsten Geist sich entwickelnGeist umfasst alles, jede Regung fliesst aus ihm. Je mehr Du Geist ausströmst, je mehr strömt er Dir zu."

"Grossmut ist recht eigentlich sinnlicher Geistesstrom, alles was die Grossmut hemmt, ist geistlos."

Das waren so die Nachzügler von meinem Gespräch mit dem Juden. Bin ich nicht glücklich, Günderode, dass mir Gott einen solchen an die Tür geschickt hat in so verachteter Gestalt, und dass seine Hoheit um so mehr drunter hervorleuchtet? – Und der mir zu trinken gibt, wo mein Herz lechzt und nicht die Quelle finden konnte, denn gewiss, dieser Mann beschenkt mich fürstlich, und ich kann ihm nicht vergelten, und er hat mich gewiss auch so lieb wie seine Enkel, für die er mit Herz und Seele sorgt. Er gefiel mir gleich so wohl, wie ich ihn zum erstenmal sah, er zog mich an, und ich scherzte freundlich mit ihm, weil ich ihm wohltun wollte, da ich weiss, dass niemand freundlich mit solchen Leuten ist und nur ihrer spottetjetzt aber denke ich jedesmal, wenn ich ihn sehe, wie hoch er über mir steht, und wie gütevoll und herablassend er gegen mich ist, er auch behandelt mich wie der Meister seinen Zögling, ich fühl jeden Augenblick seine Übermacht. – Während ich mit ihm rede, schreibt er immer kleine Sätze ins matematische Heft, die er mir noch zuletzt anweist, wie ich sie herausfinden soll, das macht, dass unser Gespräch sich in Pausen einteilt und feierlich und langsam ist, das macht mir auch so viel Freud. –

Wenn ich zu Savigny hinunterkomm, da bin ich immer ganz ausgelassen lustig vor heimlicher Freud, dass ich so einen liebenswürdigen Meister hab, dem ich so von Herzen zugetan bin, ich würde für ihn durchs Feuer laufen, – für Dich auchich hab immer die Studenten drum beneidet, wenn ich mir dachte, dass sie so ein Verhältnis zu ihrem Professor haben, dass sie so stolz drauf sind, seine Schüler zu sein, und ihm die