Leben in ihre Hut geb, das muss mich mit ihnen vertraut machen. Ich weiss wohl, was Menschen denken würden von mir, wenn die so was wüssten, ich sag Dir aber, es ist eine Saat, die sie mir ins Herz säen, das hält so still und ist so hingebend wie das Erdreich, und es sammelt seine Kräfte, diese Saat zu nähren. Meinst Du, ich würde je zagen vor dem Geschick, wenn ein guter Geist mich heisst vorwärts gehen? – Gewiss nicht! Die Sterne haben's in mich gesäet, dies Vertrauen in das Rechte, ins Grosse, was so oft unterbleibt aus Mangel an kühnem Mut. Das ist die Blume dieser Saat, die blüht hervor: und meiner Brust prägt sich ein, dass ich nicht mehr nach der Menschen Rat frag, oder auf ihre Meinung, ihren Willen mich berufe und mich so meiner inneren stimme entziehe, die mir vielleicht befiehlt, was mich gefährdet, aber mir das Reine, Echte, Grosse, was auf kein Gerüste der Falschheit sich stützt, sondern rein aus der Brust mit Gottes stimme einklingt, als heiligen Gegensatz aller menschlichen Vorsicht darstellt. Ein Inneres sagt mir: Wie du den Sternen zusagst, – so sage der inneren stimme auch zu, der nicht umsonst ein so dringender laut eingeboren, die fühlbar macht das Unversöhnliche einer fremden Handlung mit diesem heiteren Umgang der natur. Nie könnte ich etwas tun, wo nicht mein eigner Geist ja dazu sagte, und nie sollten mich Folgen kränken, schienen sie auch noch so herbe, wären sie diesem Vertrauen in die innere stimme entsprungen. – Denn Erdenschicksal! – Was ist Erdenschicksal? – Erhaben kann der Menschengeist nie genug handlen! – Alles kleinliche Denken und Treiben ist weit grösseres Elend, vergeudet viel edleres Gut, als mir je könnt aus Schicksalstücke geraubt werden. Aber gross handlen heisst nichts als die reine Gewissensstimme mit der Harmonie der Geister, der Sterne, der natur einklingen lassen; klingt sie nicht ein mit ihr, so kann ich nimmermehr mich zu ihr wenden, nicht den Mond mehr zur Rede stellen, nicht die Sterne, nicht die Nebel, nicht die Finsternisse mehr durchwandlen und mit Geistern flüchtig durch Wies' und Fluren schweifen wie mit bekannten und vertrauten Mächten; ich hab kein lebendig Gefühl mehr zu ihr, zur natur. Bescheint mich die Sonne, so ist's nicht, weil sie ihren Geist auf mich richtet und meinem Durst den Kelch der Wahrheit von ihren Strahlen erfüllt darbietet, und überschau ich wie heute die frisch gefallne Schneedecke über die Weite hingebreitet, so kann sie mich nur traurig anglänzen, die das Licht der Sterne so rein in ihren diamantnen Flächen spiegelt; und in meinem Geist, der von Gott gebildet ist, sein Bild aufzunehmen, ist dann dies Licht erblindet.
Was soll's, ob Jugend oder Alter mein Leben genannt werde, wenn die natur ihre Sprache mir lehrt, die Geduld nicht mit ihrem Jünger verliert, wenn alles von Tag zu Tag feuriger mich begeistert bis zum letzten Tag! Welcher von denen, die mir Jugend absprechen, wird so elektrisch aufblühen, auf welchem Herd werden so hohe Flammen lodern, und wo wird des Lebens Fülle in hohen Wellen dahin sich ergiessen als in meinem Lebensstrom? – Lasse sie doch, die was wissen von Jugend, lasse die kalte Welt, die dich berechnet, kleinlich nach Jahren sagen, Du seist alt oder jung, – wer der natur vertraut, der lässt von ihr sich umschmelzen, sooft und wie sie will.
"Willst du was," sagen die Sterne, "komm zu uns." – Das gelobe ich ihnen. – Wo sollt ich mich auch sonst noch hinwenden? – Wo sollt ich suchen? – Keines Menschen Arm ist so zärtlich umfassend als der Sterne Geist, er umfasst mich und Dich, denn wenn ich mich sammle innerlich, so hab ich Dich im Sinn. Was ich mit ihnen spreche, das hör ich nicht, ich les es auch nicht, es ist ihr Geflimmer, das wirkt mir's ein, und mit meinem Zutrauen verstehe ich's; – und wer könnt mir meinen Glauben nehmen? – Und wenn einer balsamtrunken ist und fühlt's in den Adern, wie könnt der zweifeln? – Es ist auch nicht, dass sie mir treffende Wahrheiten mitteilen, oder dass ich was vernehm im Geist, was mir wie Weisheit dünkt. – Sie nicken nur meinen geheimen Wünschen Gewährung, – Du weisst wohl, was das ist. – Innerlich siegend wegfliegen über alles; äusserlich nicht erkannt, nicht verstanden; ja lieber verachtet als nur ahnen lassen, wie es ist. Diese göttliche Dreieinigkeit zwischen mir und Dir und den Sternen. – Wenn ich für Dich mit ihnen was vorhab – ich streck die hände aus zu ihnen, sie wissen's. –
Dein Brief hat heute einen Geisterring um mich gezogen, Du hast mich in einen tieferen Kreis eingelassen, das macht mich wehmütig und doch macht es mich eifersüchtig auch, ich empfind, dass Du mich hinter Dir lässt, wenn Du mit Deinen grossen weiten Flügeln Dich aufschwingen wolltest. –
Du hast recht in allem, was Du sagst. Das heisst, ich verstehe Dich, – aber es drängt sich mir ein Gefühl auf, ein schmerzliches, das überwiegt alles Grosse, was Du mir über Dich sagst, allen heiligen Rat, den Du mir über mich gibst. – Der