und unmöglich kann diese im finstern Turm mit dem Aufschwung ins Freie fortdauern, denn sie war Einbildung. – Man könnt vielleicht das, was ich vom Sterben sag, gering achten, weil's so einfältig ist und so fabelmässig und vielleicht schon oft gesagt, ja es war mir selbst nichts Neues, aber doch ist's was anders, weil ich's erlebt hab und nicht bloss mit den äusseren Sinnen erfasst, der freie Sternenhimmel hat mich's gelehrt, und ich war so vergnügt da bei der Sterbelektion, und ich werde noch mehr lernen da oben.
Am Dienstag
heute hab ich Dir was Lustiges zu erzählen, es war Studentenkomödie, und wir waren drin, unter dem Schutz von einer grossen Begleitung; das Stück war eine Selbsterfindung der Studenten, worin drei Duelle vorkamen von Schuss, Stich und Hieb; wie der Schuss vorkam, war der Meline schon nicht wohl zumut, wie der Stich vorkam, ward uns grün und blau vor den Augen, wie aber der Hieb kam, gab's ein Lärm und Gepolter, und man sprang übers Orchester hinüber, über die Öllampen weg hinauf aufs Teater, die Öllampen gingen zum teil aus, und aus der bisherigen Dämmerung entwickelte sich Finsternis, unsre Begleitung umstellte uns auf den Bänken und hielt uns in ihrer Mitte, um uns vor jedem Unfall zu schützen, bis wir wagen konnten, aus dieser Konfusion und dem Ölqualm herauszukommen, und auf freier Strasse wieder Luft schöpften, die Verwirrung war daher entstanden, dass der Pedell dem Rektor, der inmitten des Saals auf einem Ehrensessel zusah, steckte, das Duell mit dem Hieber sei ein wirkliches, er wollte es erlauscht haben, auch sah es sehr gefährlich aus in ihrer Studentenarmatur; der Rektor hielt für seine Pflicht, in grader Linie auf dies Wagnis loszuschreiten, er bahnte sich einen Weg durch die Mitte des Orchesters, wo die Bassgeige angelehnt war, vor dem Rektor Gesellschaft schreckte auf, der Dekan und wie die hohen Universitätschargen alle heissen, drängten sich über alle Hindernisse weg ihrem Rektor nach, wo denn den Pauken und Bass noch mancher unwillkürliche Ton entlockt wurde. – Viel lautes Hin- und Herreden unter den Damen, die bald das Unglück verhüten, bald es nicht mit ansehen wollten, viel Gelächter unter den Studenten, die ihre Freude an der Verwirrung hatten, am interessantesten war die Szene auf dem Teater; der Rektor mit Beistand uns en face ganz feierlich; ein Student, der eine Dame vorgestellt mit langer Schleppe und schon früher beim Stichduell die Hälfte davon verloren hatte, wendete jetzt, wahrscheinlich aus Mutwill, dem Publikum den rücken, man sah grosse Kanonenstiefel, einen Hieber an der Seite, der die halbe Schleppe trug, und einen grossen Florschleier, der den rücken hinabwallte und mit jeder Bewegung bald die paar Lampen zu erlöschen, bald sich zu entzünden drohte, so dass mehrere Stimmen riefen, der Schleier brennt. – Es war bald ausgemacht, alles sei nur blinder Lärm gewesen, indessen konnte das Stück nicht weiter spielen, die Lampen waren aus und die Honoratioren fort, eine Masse Strassengesindel hatte sich der Bänke bemächtigt, um zu sehen, was es gab. Am andern Tag hörten wir von unserm Professor Weiss den Ausgang der Tragikomödie; es sei in dubio geblieben, ob wirklich ein ernstlich Duell habe sein sollen, die Studenten haben es geleugnet, der Pedell aber beschworen, dass er ihre Unterredung auf dem gang mit angehört habe, und dass der eine, der die Dame vorstellte, der eine Sekundant und mein getreuer Hauptmann der andre sein sollen, und dass sie vor der Tür ihre Klingen gemessen, und dass er gehört habe, auf wieviel Gänge und wie sie ihre Halsbinden, ihre Stürmer und ihre Faustbinden besichtigt hätten. Die Studenten blieben dabei, sie hätten nur ihre Rollen repetiert und das habe alles sollen auf dem Teater vorgestellt werden; es war nichts zu machen, man musste sie laufen lassen, sie gaben dem Rektor ihr Ehrenwort, keine Händel anzufangen, hielten noch einen Kommers und jubelten bis spät in die Nacht. – Der gang des Stücks hatte noch kein Licht auf seinen Inhalt geworfen, die eigentliche Pointe des Ereignisses war, dass sie die mangelnde Katastrophe desselben ersetzen wollten, und daher in Gegenwart des Pedells, den sie nicht zu bemerken schienen und der sich hinter einen Schrank versteckt hatte, die ganze geschichte ihm weismachten; sie hatten ihm schon früher Argwohn beigebracht und liessen so die ganze Versammlung mitspielen, die sich dabei auch höchlich amüsiert hatte, und gewiss hat sich jung und alt noch eine Weile von allem Komischen zu erzählen, was dabei vorfiel. Der Professor Weiss war entzückt über seine lieben Studenten, er sagte, man muss selbst Student gewesen sein, um ihnen nachzufühlen, welch Gaudium es ist, wenn so was gelingt, er blieb bei uns sitzen, wir erlaubten ihm sein Pfeifchen zu rauchen, und er erzählte uns aus seinen Studentenjahren nichts wie dummes Zeug, was uns die Zeit sehr anmutig vertrieb. – heute morgen, als die Studenten ins Kolleg kamen, konnten wir deutlich bemerken, dass sie noch ganz entzückt davon waren, das lachen war heute ihr einzig Exerzitium, und wir beiden wie zwei unsichtbare Schutzgöttinnen hinter den gefrornen Fenstern freuten uns der heiteren Laune unserer Lieblinge.
Bettine
An die Bettine
Wenn Du recht behalten willst, so hast Du gewiss recht, ich will auch nicht noch einmal wiederholen, dass ich scherzte, denn dies ist ja grade doppelte Sünde, weil