Herzens zusammenbrennt; wie oft hatte ich Momente, deren feierliche Mahnung mich auf etwas Ernstes, Tiefes vorbereiteten, die Poesie schien mir dann ein reifer Schmetterling, der mit dem leisesten Regen die leichte Hülle sprengte und auf in die Lüfte steigend in den mannigfaltigsten Blüten meiner Seele schwelgend. Dann fühlt ich wie ein göttlich Unsichtbares, dem ich geboren, ich war stolz, und wenn die natur rings mich mit feurigem blick anglühte, dann war ich spröde und verschlossen gegen die Feuerkraft, und doch hätt ich mein Herz dargereicht dem ersten kühnen Augenblick, der mir die Sprache gelöst hätt, in der meine Lieder geflossen wären. Doch all dies Leben, dies innere Beben und Aufrauschen ging vorüber, ohne etwas festzuhalten oder zu erzeugen, und wird vielleicht noch tausendfach in mir erscheinen – und keine Spuren zurücklassen."
Das hab ich Dir abgeschrieben aus meinem Brief an ihn, weil's etwas Erlebtes ist, was sich mit unendlichen Modulationen mir im Geist wiederholt, ich hab Visionen, wenn ich die Augen zumache, ich sehe nicht allein, ich hör auch entzückende Töne, wie wenn himmlische Empfindung zu Ton könnt werden; nun fehlt ja nur die eine Stufe, dass der Ton sich in Geist der Sprache übersetzte; aber in dies Inselland will's keine brücke schlagen, im Gegenteil, alle Erscheinung zerfliesst vor der Sprache. – Ich hab wohl einen dunkeln Begriff, warum ich nicht dichte, weil eben das Tiefe, was mich gewaltig ergreift, so dass es elektrische Kraft auf die Sprache hätte, etwas ist, was sich in der Empfindungswelt nicht legitimiert, oder um schneller und ohne Umweg mich auszudrücken, weil's Unsinn ist, was mir in der Seele wogt, weil's Unsinn ist, was meine Gedanken mir vorbeten, weil's Unsinn ist, der mich ahnend als höchstes Gesetz der Weisheit ergreift. – Wo ich hinsehe, wo ich hinspüre, darf ich nicht ankommen mit meinen Wahrnehmungen, ich weiss, dass, wenn der Dichterschwung mich ergriff, sich das Unendliche, das Ungeborne vor mir auftun würde, mich durchzulassen. – Ich sehe! – Und wenn ich was Wahres schaue, sei der Keim so klein noch, so in sich gedrängt, mich begeistert der ihm selbst bewusstlose Lichtweg, den er wandelt. – Du begeisterst mich, weil Dein einfaches Streben mir so deutliche Lehre gibt, Du seist der eignen Seele ewiger Wohllaut, der sie wiegt und schlummernd ihr die gesetz der Harmonie einflösst. Ahnungen sollen dem Geistesblick Wahrheiten werden, soll eine Ahnung wirklich Dasein werden, so muss sich der Geist erst vermählen mit einem andern Geist – mit dem Genius – die Ahnung verwirklicht den Genius in uns. – Alles ist wirkliches Leben durch die Feier der Liebe mit dem Genius. – Alles verwirklicht sich durch Vermählung des höheren Lichts mit dem Geist – es strömt dem Geist herab, er darf's nur liebend wollen, es erfüllt ihn in tiefer Nacht gestaltlos, es strömt ihn an, es umschweift ihn ganz, o es ist kein zahmer Liebhaber, das Licht. – Und ist es ein Wunder, dass wer ohne Grenze sich ihm ergibt, dass der dann sehe, wo andre nicht sehen? Und sollt ich mich schämen vor Dir, die in manchen heiligen Augenblicken mir erschien, wie das Licht zärtlich mit Strahlenkränzen sie umflocht und krönte Dein Haupt mit doppelter Krone? – Dass ich Dir sage, nicht die Sprache ist zwischen mir und dem Licht, nein, es ist das Licht unmittelbar, es nimmt meine Sinne auf – nicht durch die Sprache meinen Geist! – Drum kann ich nicht dichten. Dichten ist nicht nah genug, es besinnt sich zu sehr auf sich selber. – Ach, da rede ich so, wo wir ausgemacht haben, dass Du niemals drauf eingehest, damit ich nicht vor der Zeit unsinnig werde – schweig und ich will auch schweigen, der Dämon möchte mich sonst durch die Lüfte davontragen. –
Dem Clemente hab ich geschrieben, dass ich hier sehr vergnügt bin, nicht sowohl um Savignys willen, dessen Gegenwart freilich einem Aufentalt alle Reize verleiht, sondern um der reinen Einsamkeit halben, in der ich von aller Kleinheit entfernt lebe, die mich in Frankfurt immer bedrängte und meine Freiheit schmälerte, wenn ich so sagen darf. Hier kann ich doch leichtsinnig sein, ohne dass die Inkonsequenzen davon mich gleich erschrecken, und ruhig und ernstaft, ohne dass man glaubt, ich sei verliebt oder krank, und verliebt in Himmel und Erd, die einzig und allein schön hier sind, ohne dass man mich der Koketterie beschuldigt. Da kommt Dein Brief, Du gibst ihn der Claudine, dass die ihn beischliesse, und die hat grad noch zwei Tage ihn liegen lassen, denn so lang hat sie an ihrem Brief geschrieben – und nun schliess ich diesen, in dem keine Antwort steht, aber gleich würde ich antworten, wenn nicht es so in mir rumorte, was Du schreibst, ich mein, dieser Brief von Dir ist nicht an Deinem Schreibtisch, der ist an fremdem Tisch geschrieben, gewiss bei der Claudine. – Ich muss die Sonn untergehen lassen und mich besinnen auf morgen früh.
Bettine
Marburg. Dezember
heute morgen bin ich aus dem Bett gesprungen, um das Eis mit meinem Hauch zu schmelzen. Um halb acht kamen die Studenten den Berg herauf gejubelt, es war noch dämmerig und der Nebel so dicht, dass sie wie Schatten bloss durchschimmerten. Die Meline und ich sehen