müsse Dich einschliessen und Wächter vor Dir sein, und dass ich nächtlich möchte an Dein Lager treten und gesammelten Tau auf Deine Stirne tröpfeln – ich weiss nicht, was Du bist, es schwankt in mir, aber wo ich einsam gehe in der natur, da ist es immer, als suche ich Dich, und wo ich ausruhe, da gedenk ich Deiner. – Es ist eine alte Warte hier am Ende des Berggartens, eine zerbrochne Leiter inwendig, die keiner zu ersteigen wagt, führt da hinauf, ich kann mich aber hinaufschwingen mit einigen Kunstsprüngen, da bin ich also ganz allein und sehe wie weit? – Aber ich sehe nicht, ich trage mich hin, wo's in der Ferne nur nebelt und schwimmt, und fordere nicht Rechenschaft vom Auge, froh, dass ich allein bin, und dass mein gehört, soweit ich mich fühle, da oben bin ich mit Dir, da segne ich die Erde in Deinem Namen. Und lebe wohl, bald schreibe ich mehr und deutlicher, ich fühl in diesem Brief ein elektrisch Beben, wie wenn ein Gewitter sich unter den Wogen hebt, und doch weiss Jupiter Tonans noch nicht, ob er seinen Konsens dazu geben soll.
Bettine
An die Bettine
Meine Abwesenheit von Frankfurt hat gedauert bis im Anfang dieser Woche, ich dachte sicher Briefe von Dir zu finden und bin etwas besorgt, doch sagt mir ein geheimer Geist, Du wirst nächstens in Fluten angeströmt kommen und mich wegschwemmen. Mein Aufentalt in Heidelberg war angenehm und lehrreich, welches letztere Du nicht wirst gelten lassen, wenn ich Dir aber sag, es waren die alten Mauern und nicht die Menschen, die ihren Geist über mich ergehen liessen, da wirst Du gleich gläubig sein. Du hast bei Deiner Abreise Ostertags schlechte Übersetzung des Suetonius in meine Behausung geschickt, vermutlich soll sie auf die Bibliotek zurück, noch in keinem Buch fand ich so viel Spuren Deines fleissigen Studiums als in diesem; vier bis fünf Blätter mit Auszügen, wo Du alle Missetaten der zwölf Kaiser auf eine Rechnung gebracht hast. Was bewegt Dich zu solchen Dir sonst ganz fremden Forschungen? Ich such mir's zu erläutern, denkst Du in Ansehung jener, die als grosse Männer nicht frei ausgingen von der Tyrannei Sünde, Deinen grossen Mann zu absolvieren? – Ich scherze, aber ich möchte doch dabei in Dein Gesicht sehen, ob Du ganz frei von jener Begeistrung bist, die aus aufgeregtem Gefühl entsteht bei dem ewigen Gelingen aller Schicksalslösungen, und die ich lieber Schwindel nennen möchte, und den andre Weltpatriotismus nennen und sich leicht verführen lassen eine Rolle zu spielen, wenn sie ihnen geboten würde, weil es heisst, er hat einen Glücksstern, und da fühlt man sich gedrungen dem zu frönen, aus astralischem Emanationsgefühl, und da tritt man bald von der reinen Einfalt zum Götzendienst über. – Aber ich will Deinen Zorn nicht auf mich laden, sondern Dir offenherzig sagen, woher mir die bösen Gedanken kommen. Sie kommen nicht aus mir, die Leute sagen nämlich, Dich habe alles so aufgeregt, als der Kaiser durchkam, und Du habest geweint, und seist ganz ausser Dir gewesen, als Du ihn gesehen hattest, das hat die Claudine mir gesagt, ist's wahr, so braucht doch das nicht wahr zu sein, dass Du von ihm hingerissen bist, denn man kann erschüttert werden ohne Begeistrung für das, was uns erschüttert, mehr will ich Dich nicht mit diesen misslichen Worten peinigen, die nur Scherz sein sollen und auch Dich ein wenig strafen, dass Deine Briefe sich verspäten.
Von Offenbach ist mir ein Pack Schriften zugekommen für Dich, die Novelle wahrscheinlich – soll ich sie Dir aufbewahren oder zurückschicken? – Von Clemens hab ich Dir auch noch viel zu sagen, Gutes und Vergnügliches, heisse anhänglichkeit an Dein Wohl; – es ist sein tiefer Ernst, wenn er sagt, Du gehest durch Deinen Leichtsinn der Zukunft verloren, und dieser Ernst gehet so weit, dass er im Eifer meint, ich sei mit dran schuld. Einen Brief hast Du ihm geschrieben, wo Du meine Ansicht über Dich als Zeugnis zitierst, dass es nicht in Deinem Charakter liege, zu dichten oder vielmehr etwas hervorzubringen. Dies hab ich büssen müssen, denn er zeigte mir Deinen Brief und meinte, wer so schreibe, der dichte auch, ich hab schweigsam und bejahend alles über mich ergehn lassen; tue, wie Du kannst. Dort in Marburg hast Du wahrscheinlich wenig Zerstreuung, wer weiss, was Dir gelingt oder vielmehr einfällt, denn fiel es Dir ein, so fiel es Dir auch vom Himmel, aber dies schon so lang erharrte Phänomen will immer nicht sich ereignen. – Ich bitte Dich, schreibe bald, dass ich wieder ins Geleis Deiner Ereignisse und Erfahrungen komme; es ist mir ganz tot hier, meine Augen hindern mich sehr am Schreiben.
Caroline
An die Günderode
Lieber Widerhall, ich hab Dir was zu sagen von meiner schmerzlichen Langenweil, die ich bei allem empfinde, weil ich immer noch nichts von Dir weiss, ich mein, wann ich nicht rufe, so musst Du rufen, aber nein, Du bist der Widerhall, und ich darf nun nicht eher hoffen, als bis mein Rufen bei Dir angeschlagen hat. Gestern hab ich meinen Brief zugemacht dem Bedienten mit auf die Post gegeben, und siehe, er brachte ihn mit einem grossen Paket angekommener Briefe wieder zurück, in der Meinung, ihn dort für mich empfangen zu