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den guterzigen Scherzen des Weiss eine feine Wendung gab, dass sie mich nicht verletzen sollten, dass ich ganz eingenommen von ihm war und mich wirklich sehr in acht nahm, ihm solche Antworten zu geben, die ihm Interesse sollten für mich geben; zwei stunde hab ich so mit ihm geplaudert, und ich dachte schon drauf, wie ich's machen wollt, dass ich ihn öfter sehen könnt, so sagt ich, wie er wegging an unserer Tür vorbei, dass ich da eine Schwester noch habe, und ich wünschte gar sehr, dass sie auch seine Bekanntschaft machen möchte, er versprach mir, dass, wenn er wieder käme, so wolle er bei mir anklopfen. Ich freu mich recht drauf.

Von Frankfurt hab ich Abschied genommen wie ein Has übers beschneite Feld jagt, man sieht kaum seine Pfötchen im Schnee, und es war auch kein Jäger da, der mich gern geschossen hätt. Beim Primas war ich sehr lustig auf der Fastenmahlzeit, wie ich Abschied nahm, sagte er: "Ich freu mich auf Ihre Wiederkunft," und nahm mich bei der Hand und begleitete mich durchs. Vorzimmer. In Offenbach hab ich alles mit der Grossmutter besprochen, aber in den Garten, der nicht mehr rauscht, konnte ich nicht gehen, um Abschied zu nehmen, so gern ich gewollt hätt und lieber als von allen andern, denn ich war vertrauter mit ihm; dann war ich auch beim Gärtner und fragte, ob er meine Bäume ins Winterquartier wollt nehmen, und wenn Du aus dem Rheingau kämst, so würdest Du den Kanarienvogel abholen, er fragte, ob ich den nicht bei ihm wollt lassen, ich versprach ihm, dass wenn Du einwilligst, so darf er ihn behalten, und einer kleinen Koketterie machte ich mich aufs pläsierlichste schuldig, ich nahm den Vogel aus dem Käfig, küsst ihn auf sein klein Schnäbelchen und sagt: "Adieu, lieber Gärtner." Als ich zur Grossmutter zurückkam, war's schon bald Nacht, die Meline und Tonie wollten zurückfahren, ich bat sie, noch eine Viertelstund zu bleiben, und wie es schon ganz Nacht war, da hab ich mich doch in den Garten geschlichen und hab die Augen zugemacht, bis ich an den Pappeln war, und hab sie alle getröst mit Worten, denn ich dachte, wer weiss, wie mir's geht, ob ich nicht auch einmal so trostlos dasteh, sollt sich da mein Freund vor mir scheuen, weil's ihm zu traurig ist? – Und das Herz war mir viel leichter, ich würde auch jetzt wieder hingehen, wenn ich noch dablieb, denn wie könnt ich ihnen alles vergelten, wenn ich jetzt nicht wollt mit ihnen sein wie früher, und das wär doch das schönste Geheimnis dieses Umgangs mit ihnen, wenn ich sie jetzt verleugnen wollt, es wär grad wie eine ewige Liebe zum Helden, die wie Spreu auseinander fliegt, weil der zum Krüppel geschossen worden. – Es ist mir da im Garten recht deutlich geworden und viel empfundner in der Seele, dass das Beleben Genie isteine Seele, die aus meiner Seele aufsteigt und das, was mich erregt, bewohnt, so zärtlich, so edel ich empfinden kann. Die rauschenden Bäume haben mich bewegt, davon ist meine Seele wach geworden und ist aufgestiegen und hat jene Bäume belebt und sollte diese Seele ihnen jetzt absterben, weil sie irdisch elend sind? – Da würde ich mich ja selbst töten in ihnen. Nein, in jedem Unglücklichen soll man doppelt lebendig werden. –

Eh wir abreisten, hatte ich noch manchen Kampf mit den andern, man war nicht einig, ob ich dem Savigny nicht lästig sein würde, weil man glaubt und gewiss weiss, dass er nichts auf mich hält. Ich halte nun auch eben nichts Besondres von mir; ich hab ihn immer noch wie sonst lieb, und so scheu ich mich gar nicht mit ihm zu leben, obschon er einen Widerwillen gegen meine natur zu haben scheint, um so glanzvoller erscheint mir Deine Nachsicht mit mir; und er behauptet, ich sei hochmütigmanchmal glaube ich's gar, weil er doch gescheiter ist als wir alleund kann also einen Charakter besser beurteilen. – Und dann kann ich Dir sagen, freu ich mich ordentlichermassen über diesen Hochmut und denke, es muss doch wohl auch was hinter mir sein; denn ohne Ursache dazu würde er nicht drauf kommen; was glaubt er wohl, dass mich so hochmütig macht? – Ha ha ha! – Das heisst: ich lach! – Über was? – Dass der Savigny nichts weiss von meiner zärtlichen Neigung für den Judund wie ich alle vornehme leute nicht leiden kann, weil sie mir zu gemein sind, und weil kein Mensch im Haus weiss, warum ich als übermütig bin, und das ist heute einmal wieder, weil ich ein besonders angenehm Abenteuer hatte; ich war im Garten, der am Berg liegt, und guckte über die Mauer und sah den Ephraim den Weg heraufkommen. Ich lehnt mich über die Mauer und liess mein Sacktuch im Wind fliegen, dass er mich sehen sollt; und wie er herankam, sprach ich mit ihm ein ganz Weilchenaber nicht wie gewöhnlich die Menschen sprechen. Ich sagte ihm, dass es mir Freude mache, ihn wieder zu sehen und auch darum, weil mir sein Wesen einen Naturmoment vergegenwärtige, mit dem sich mein Gesicht und mein Gemüt näher verwandt fühle