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, aber ich tu es, weil Du es sagst, weil ich Dich als meinen Genius anerkennenein, nicht Duaber er nimmt Deine stimme an, ich freu mich, wenn meine Empfindungen diesen Winter ein bisschen hart frierenich freu mich auf alles. –

Dem Arenswald hab ich, ohne mich im geringsten arm zu machen, Geld geschickt, ich hab beim Durchsuchen meiner Papiere allerlei verloren Geld zusammengefunden, von dem ich gar nicht wusst, dass es da war, ich hab alles in einem kleinen Beutel ihm geschickt und dem Gärtner den Kanarienvogel. Eh wir abreisen, geh ich noch mit der Meline hinaus zur Grossmama, dann will ich sie bitten, dass ich, wie Du meinst, Briefe mit ihr wechsle. Adieu, vielleicht schreibe ich Dir nicht mehr von hier. – Ich bin so lustig, dass ich fortgeh, ich freu mich so drauf, auf die schöne Winterlandschaft, die Du mir beschrieben hast, die mir ins Fenster hereinsehen wirdich weiss es schon, ich werde selig sein. – Ich hab keine Ruh zum Schreiben, das Reisen steckt mir in den Gliedern, ich spring treppauf, treppab, die arme Claudine, wer wird sie pflegen? Sie hat mir aber versprochen, sie wollt, solang ich fort bin, nicht krank werden; denn ich bin eifersüchtig drauf, wie manche Nacht hab ich da gewacht und simuliert und hübsche Bücher gelesen, aber wenn sie krank wird, so gehst Du wohl als zu ihr. – Drauss auf dem Wall war ich auch, um noch von unserm Lieblingsspaziergang Abschied zu nehmen, die meisten Blätter sind schon gefallen, ich ging in einem Rauschen durch, alle Bäum regneten noch Blätter auf mich. – Der Moritz bleibt also mit seiner "Delphine" hier sitzen, das macht mich auch ganz vergnügt, dass ich das auch nicht mehr anzuhören brauch.

Bettine

Marburg

Weisst Du denn, wer meine erste Bekanntschaft ist, die ich hier gemacht hab? – Ein Jud! – aber was für einer? – Der schönste Mann! – Ein weisser Bart von einer halben Elle, grosse braune Augen, so schöne einfache Gestalt, die ruhigste Stirn, prächtige, majestätische Nase, Rednerlippen, aber von denen die Weisheit süss hervortönen muss. Unser Hauswirt, der Professor Weiss, rief mich und sagte: "Wollen Sie einen schönen Juden sehen, so kommen Sie in meiner Frau ihr Zimmer, sie verhandelt ihm eben ihr Hochzeitkleid." Die Meline wollte nicht mitgehen und war verwundert, dass Weiss uns einlud, einem Handelsjud die Aufwartung zu machen, ich hab's aber nicht bereut, es war ein Bild zum Malen, er sass in einem sehr reinen Rabbiner- oder Gelehrtengewand am Tisch, seine Hand guckte aus dem schwarzen weiten Ärmel, und das Abendrot leuchtete durch die Scheiben; die Frau Professorin stand vor ihm und hielt ihren Hochzeitkontusch oder war's der von ihrer Mutter, denn es schien sehr altertümlicher Stoff, an beiden Ärmeln ausgebreitet, ihre Kinder standen zu beiden Seiten und hielten die Schleppe auseinander, es war ein orangenfarbner Stoff mit silbernen Sträussen und granatfarbnen Blumen durchwirkt, was sehr schön mit dem starken Abendrot kontrastierte, es war das schönanzusehen, wenn nicht eine Scheu, um nicht zu sagen Ehrfurcht, mich auf dem Platz gehalten hätt, ich hätte diesen Mann nicht mögen als Gegenstand der Neugierde behandeln. – Es hatte mir auch was ganz Rätselhaftes, die Leute mit so grosser Ehrfurcht vor ihm stehen zu sehen und ruhig seinen Ausspruch bei einem Handel abzuwarten. – Sie sprachen über eine Summe, wozu noch mehrere andre altertümliche Stoffe gehörten, die auf dem Tisch lagen. – Ich tat, als sei ich begierig, sie zu sehen, bloss um mit Anstand noch bleiben zu können; denn je länger ich ihn ansah, je mehr fühlte ich mich angezogen und doch schüchtern, und der Weiss hätt mich gewiss nicht der Tür hinausgebracht, solang er da war, der Jude liess mir von seinem Enkelsohn, der hinter ihm stand, die Stoffe ausbreiten, ich tat, als wär ich höchlich erfreut über das Vert de pomme-Kleid mit Apfelblüte, und mein Alter sah mich unterdes von der Seite an, das merkt ich, das machte mir heimlich Freud. – Der Professor Weiss sagte: "Nun, Ephraim, müssen wir erst ein Glas Wein zusammen trinken, und Sie trinken auch mit," sagte er zu mir, er schenkte dem Juden zuerst ein, der aber reichte mir sein Glas, ich sagte, dass ich keinen Wein trinke. "Aber nippen können Sie doch wohl," sagte erich nahm's ihm ab und schluckte ein wenig davon, er dankte mir und trank es auf der Stelle aus, dann sah er mich lächelnd an, als wollt er sagen: "Freut's Dich, dass ich Dir so viel achtung bezeige?" – Ich lächelte mit ihm, und ich war ganz rot geworden vor Vergnügen. Weiss sprach noch allerlei mit ihm, was bewies, dass er ihn sehr in achtung hält. – Weiss sagte von mir: "Was meint Ihr, Ephraim, dass wir jetzt so allerliebste Studenten haben, hier wird das erste Semester gehalten, und ich werde Euch bei so feinen Studenten empfehlen, das wär Euch wohl ein gross Vergnügen, diesem kleinen Studenten Unterricht zu geben?" – Es war ein so liebenswürdiger Adel in allem, was er sagte und wie er