der Seele sich euer dämmernd Grün, und von euern Wipfeln sehe ich sehnend in die Weite.
Dortin fliesst der Strom und hebt nicht zum Ufer fröhlichen Schiffe der Wind.
Der hellere Tag flieht und mein Gedanke lauscht, ob Antwort vielleicht ein sausender Bote von dir ihm bringe, natur!
O du! – du, der ich rufe, warum antwortest du nicht? – Immer gleich herrliche! Allebendige!
Schauder über Schauder flösst mir, Herr! Herr! deine natur ein.
Da senkt sich der Wagen des Donnerers, die Berge hallen, es braust und duftet und weht! – Wohin ihr Nebel? – Ihr Rauchsäulen? – Wohin wandelt ihr alle? – Warum bin ich! – Warum mich an deinen Busen natur, wenn nicht erquickend mir's quillt aus deinen Tiefen, wie aus den Bergen quellen die rauschenden wasser.
Ich hör dich Donnerer, langsam ziehen am windstillen Tag übers Gebirg, in meiner Seele saiten tönt's nach, sie bebt, die Seele, und kann nicht seufzen.
Lust und Hoffnung, ihr habt oft mich gewiegt wie die rauschenden Wipfel, ihr schienet endlos mir einst wie jetzt mein düsterer Tag.
Da brechen die Wolken und strömen unter dir, Befreier! – Und rings trinkt die Erde – und deine Donner – wohin? – Und ihr atmet wieder, Wiegengesang flüstert, wogt in eurem Laub, das mich umfängt.
Und ich will gern wieder leben mit euch allen, ihr Bäume, die ihr trinkt segnende Ströme vom Himmel und fröhlich wieder säuselt im Wind.
An die Günderode
heute morgen wach ich auf vom Rufen der Italiener, die Parapluies feiltragen, die wahre Lockstimme für mich, – unwiderstehlich, ich denke gleich, der Italiener mag Regen wittern; denn sonst gehen sie nicht so früh herum, ich lass' die Liesbet den Mann heraufholen und lauf zur Meline – die liegt noch im Bett, – ob wir nicht einen Parapluie wollen kaufen, mitzunehmen nach Marburg? Die Meline kriegt einen Schrecken – sie glaubt, ich hab's Fieber, dass ich nach einem Parapluie frag, unterdessen war il signor Pagliaruggi vor der Tür, und ein grünseidner Regenschirm gekauft, den ich auch gleich probieren wollt, so ging ich vors Tor in die Mess am Main, und so blieb ich bei den Klickerfässern stehen und kauft an dreissig Klicker, einer schöner wie der andre, von Achat und Marmor und Kristall, damit ging ich hinunter am Main, wo die Steinergeschirrleut halten, und besuchte die in ihren strohernen Hütten und die Esel, die mit herzlichem Geschrei mich begrüssten, und die kleinen Hemdlosen, die da herumlaufen und klettern – und teilt ihnen meine Klicker aus, sie hatten keine Taschen, weil sie nackend laufen, so musst ich ihnen meine Handschuh geben, dass sie die Klicker konnten aufheben, die banden sie sich mit Bindfaden um den Leib fest, das war kaum geschehen, so rief mich ein Schiffer an, ob ich nicht wollt überfahren. – Ich frag: "Es wird wohl regnen?" – "Nun, was schad's, Sie haben ja ein Wetterdach bei sich." Wie ich drüben war, so denke ich, ich will nach Oberrat gehen zur Grossmama ihrer Milchfrau und da Milch trinken, wie ich an der Milchfrau ihr Haus komm, so sagen die leute, alleweil ist die Annemarie fort mit der Milch nach der Gerbermühl, wie ich auf die Gerbermühl komm, so läuft mir die Annemarie schon fort nach Offenbach mit der Milch, ich sag, ich will mit ihr gehen, sie hat ihre zwanzig Gemüskörb auf dem Kopf und ihre Milchkann am Arm, und so schlendert der gross Gemüsturm und ich als hintereinander durch die Hecken, sagt die Annemarie: "Es fängt schon an zu trepele, es werde gleich e dichtiger Schitel komme, warte Se, ich will Ihne ans von dene klene Körbercher gebe, des könne Se uf den Kop setze, do kommt ihne ken Rege an." – Nun fällt mir ein, dass ich doch das Wetterdach, den Parapluie mitgenommen hab, wo ist der geblieben? Entweder ich muss ihn haben bei den nackigen Büberchen lassen stehen, oder ich hab ihn im Schiff liegen lassen, beides ist gleich möglich, ich konnte ihn also die Wasserprob nicht halten lassen; so setzt ich der Milchfrau ihr rundes Gemüskörbchen mit Blumenkohl auf den Kopf. Sie sagt: "Sie sehen so schön drunter aus wie die schönst Pariser Madam." – Es war recht lustig, es begegneten mir allerlei leute, die dachten, ich wollt balancieren lernen, der Regen hatte bald wieder aufgehört, so war ich ohne dran zu denken bis Offenbach gelaufen, an der Kastanienallee nahm ich den Korb ab. In der Stadt war recht Sonntagswetter, alles voll Sonnenschein, und in der Domstrass lag auf jeder Haustrepp vor der Tür ein Jolie mit dem blauseidnen Halsband, alle Jolies kennen mich, sie kamen an mich herangebellt, und da kamen die Spitze auch, und Bommer, und endlich auch dem Anton Andree seine englische Dogge mit siebzehn Jungen, die schon ziemlich herzhaft bellen. Die Milchfrau blieb ein paarmal stehen, um das Springen und Toben der Hunde zu sehen und auch aus Furcht, sie möchten ihr den Gemüsturm aus der Balance bringen. "Ei", sagte sie, "der türkisch Kaiser kann nicht schöner begrüsst werden, die bleiben ja in einem Vivatrufen." – So klingelten wir an der Haustür, die Cousine