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, sagte er: "Häng dich doch jetzt an den linken Arm; denn der andre ist mir schon eine Viertelelle länger gereckt, damit der doch auch so lang wird."

Am Montag

Die Meline geht mit Savigny nach Marburg und sagt, ich soll auch mit, ich sag nicht ja, aber die Meline sagt: "Wer soll für dich sorgen, wenn ich's nicht tu, du wirst hier alles verschlampen, alles vergessen, alles verreissen, alles verschenken, alles verderben, Du musst mit." – Kommst Du früher, als die gehen, so bleib ich hier; denn da hab ich einen Altar, an den ich mich festalte, kommst Du aber nicht, so weiss ich, dass ich auf dem Glatteis, wie mir's unter den Fuss kommt, dahinfliege ohne Widerstand, es führt mich ja auch ebenso schnell zurück zu Dir, aber der Savigny schreibt, ich soll Dir sagen, dass er in den Sternen gelesen habe, Du werdest nach Marburg kommen. – Da leg ich Dir noch ein Blatt aus meiner Pappelbaumkorrespondenz bei, ich hab doch alle Pfingsten, der ich mich erinnere, unter diesen Pappeln zugebracht, – dies schrieb ich ihnen am letzten Pfingstfest, die feiert gekrönt seinen Sieg. Wie war ich so seelenzufrieden an jenen Tagen, alles ging aus ins weite Feld spazieren, alles fuhr über Land in schönen Kleidern, ich war auch weiss geputzt, und die Haare schön gelockt und mit flatterndem Band und gelben Schuhen besucht ich schon früh den Baum; heute konnte ich nicht hinaufklettern, ich hätte Schuhe und Kleid verdorben, darum dauerte mich der Baum, so fuhr ich lieber nicht mit spazieren und hielt ihm Gesellschaft, und weisst Du, was mich der natur so anhängig macht? – Dass sie manchmal so traurig ist, – andre nennen das Langeweile, was einem zuweilen so mitten im Sonnenschein wie ein Stein aufs Herz fällt, ich aber leg es so aus: plötzlich steht man, ohne es zu wollen, ihr, der Allgöttin gegenüber, ein geheim Gefühl der unendlich zärteren sorge, die sie auf uns verwendet, als auf alle anderen Geschöpfe, macht uns schüchtern; alles umher gedeiht, jed Stäudchen, jed klein Käferchen zeigt von so tiefer feingegliederter Bildung, aber wo ist auch nur ein Knöspchen in unserm Geist, was nicht vom Wurm angenagt wär, sind wir nicht von Staub befleckt und zeigt sich ein Blättchen unserer Seele in seinem glänzenden Grün? – Wenn ich einem Baum begegne, der vom Meltau oder vom Raupenfrass erkrankt ist, oder eine Staude, die verkeimt, dann mein ich, das ist Sprache der natur, die uns das Bild einer ungrossmütigen Seele zeigt. – Und wären alle Fehler des Geistes überwunden, wären seine Kräfte in voller Blüte, wer weiss, ob dann in der natur noch solcher Misswachs oder schädlich Unkraut wär, ob der Brand noch ins Kornfeld käm, ob noch giftige Dolden wüchsen, wer weiss, ob noch solche traurige Augenblicke in ihr wären, die einem das Herz spalten; und man wendet sich ab, weil man nicht ahnen will, was tief im Herzen schmerzlich mit wehklagt. Nein, sie findet kein Gehör, die Mutter, obschon ihre Vorwürfe so zärtlich sind, dass sie einem gleich in ihren Schleier hüllen möchte, und das Gift der Krankheit möchte sie mit ihren Lippen aussaugen und aus ihrem Blut Balsam mischen, uns zu heilen.

"Beweislos denken ist frei denken!" Dies eine nur lass mich Dir mit einem Beweis noch bekräftigen zum Beweis, dass ich Dich verstehe! – Denken selbst ist ja von der Wahrheit sich nähren, sonst wär's Faseln und nicht Denken, Denken ist, jenen Balsam trinken, den die Mutter aus ihrem Blute mischt, der uns von Schwächen heilt, ist ja Gehör geben ihren zärtlichen Vorwürfen; und durch Beweis dem eignen Herzen die Liebe darlegen wollen, die so ohne Rückhalt sich uns ergibt, ist Beweis genug, dass sie das Herz nicht rührte. – Die Wahrheit rührt das Herz, ist Geist, der augenblicklich höher steigt im Empfangen der Wahrheit selbst und sich nach Höherem umsieht. Du bist höher gestiegen in dieser Erkenntnis der reineren Geistesform, Du hast seine Krücken weggeworfen. – Sie sagen: wie will der Geist fortkommen ohne Krükken? – Er hat ja keine Füsse! – Er wirft des Anstands enges Wams auch noch ab. – "Seht, ich habe Flügel!" Und Deine Verteidigung, wie willst Du die führen, wenn Du keine Waffen hast, fragen die Philister. – "Ich bin Gottatlete, wer mit mir ringen wird, der mag meinen Triumph ohne Waffen um so tiefer fühlen, ich bin dann, und sie sind nicht mehr, die mit mir ringen; und wen ich nicht überwinde, der reicht auch nicht an mich heran, mich zu bekämpfen." – Ja, ich fühl's deutlich, wie tief recht Du hast, es ist einzig reine und heilige Sprachquelle, die Wahrheit ohne Beweis führen. Sprach und Geist müssen sich lieben, und da braucht's keiner Beweise füreinander, ihr gegenseitiges Erfassen ist Liebe, die sich in ewigen Gefühlen zu den Sternen hebt, – Du bist überwunden, Du bist ein Gefangner des Geisteser besitzt Dich und tritt vor und spricht Dich aus. – Gute Nacht! Schon sehr spät. –

Vor zwei Jahren geschrieben am Pfingstmontag

Bäume, die ihr mich bergt, mir spiegelt in