gegangen, wie es dunkel war; denn am Tag hingehen schien mir beleidigend für die edlen Bäume; – ich hab Abschied genommen vom Garten, ich mag nicht wieder hineingehen. – Ich hab auch den Gärtner besucht im Boskett, der sagte mir, es habe ihn sehr betrübt, dass diese Bäume abgehauen wären, er habe so manches sich immer gedacht dabei, jetzt könne er nichts mehr von ihnen sehen und hätt auch die Lust verloren, die Rosenhecke zu pflegen. – "Nun!" – sagte ich, "aber in Gedanken können wir immer alles sehen, was wir lieb haben?" – Das gab er zu. – "So gebt doch auch die Rosenhecke nicht auf, je höher sie wächst, je mehr könnt Ihr Euch dabei denken, dass im Gedächtnis alles Schöne fortblüht." – Das bewilligte er mir, und er meinte, ich solle gewiss nicht klagen, dass er sie versäumt hätte, wenn ich wieder käm. – Im Gärtner liegt wahres Genie zu einem solchen Umgang mit seiner Umgebung in der natur. –
Noch kurz, eh ich mit Dir bekannt war, hab ich manchmal oben in dem Baumwipfel meine Stimmungen über die Naturerscheinungen aufgezeichnet; so kindisch und unvermögend mich auszusprechen, ich hab sie in einer Mappe aufgehoben, da schreibe ich Dir eines auf zur Gedächtnisfeier.
Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag
O himmlisch Grün, das unter Eis und Schnee in brauner Hülle sich barg und jetzt dein glühend Haupt im Antlitz der Sonne krönt.
Geliebter Baum! Könnt ich umwandeln doch in dein sanft rauschend Laub jene flüsternde Sprossen, die mit glänzendem Finger die Muse bricht, himmlischer Glorie voll, die Stirn zu umflechten dem Liebling, der mit Helm und Speer oder bogengerüstet, wo viel goldne Pfeile dahinfliegen, oder Rosse jagend oder mit leichtem Fuss zwölfmal umrennend das Ziel oder aufleuchtend mit der Flamme des Lieds, um sie wirbt.
O Baum, dich umdrängt heute der Bienen Schar, sie ziehen dem Duft nach der honigregnenden Blüte, men die Tagesglut in deiner Krone kühlem Rauschen. Aber dann würde in deinem Schatten ruhn, der König ist am Mahle des Geists, und nähren würde deine Wurzel die Flut, die den eignen Gott im Busen ihm begeistert, zu alleroberndem Triumph.
Begegne dir nichts, was dich beleidigt, o Baum! Den keiner der Unsterblichen umwandelt. Ich zwar träume den Frühling in deinem Schatten, und mir deucht von Unnennbarem widerhallen zu hören rings die Wälder und die Hügel.
An die Günderode
Ich lese Deinen Brief und schäme mich vor Dir, wie Du so edel und einfach mein verwirrtes Denken zurechtrichtest, und ich kann nicht ans Antworten denken, weil ich so voll Unruh bin. Die Bäume kränken mich; ich kann's nicht begreifen, wie die Grossmama sich nicht besser gewehrt hat, das ist ihre zu tiefe Empfindlichkeit, unterdessen hat man ihren Lieblingen den Hals abgeschnitten, man muss sich wehren für die Seinigen und dem Schlechten in den Arm greifen, der es antastet. Alles Erhabne und Schöne ist Eigentum der Seele, die es erkennt, und durch die Erkenntnis ist sie schutzverpflichtet. Alles ist der Teufel, es sei denn reine freie Gewissenswahrheit, und ich weiss keine höhere Anweisung an den Geist als: frag dich selber! Und wenn da einer nicht das Rechte findet, so ist er ein Esel, und alles, was sich Schreckendes dem inneren Willen entgegenwirft, das muss bekämpft und verachtet werden, er ist der Ritter, der das wasser des Lebens zwischen feuerspeienden Drachen und eisernen Riesen schöpft, vor seiner Verachtung und seinem Mut werden sie ohnmächtig. In Feenmärchen ist die heiligste Politik und auch die mächtigste; ich wollt der grösste Staatsmann werden und die ganz Welt unter meinen Fuss bringen, bloss dass die blaue Bibliotek mein geheimer Kabinettsrat wär; und die leute würden sich erstaunen, was ich als für Weisheit besäss. – Der Grossmama möchte ich's sagen, sie wird es ganz gut aufnehmen; und ich brauch sie auch nicht zu schonen. – Was ist? – Die Grossmama hat eine tiefe Seele, – andre nennen's Empfindsamkeit, Tiefe ist allemal Gewalt, aber sie ist gebunden und die Gewalt weiss nicht, wie leicht sie die Fessel abwerfen kann, hab ich mir doch manchmal den Atem fast ausgeblasen, wenn wir morgens im Wald uns ein Feuerchen wollten machen zu unserm Pläsier, und es ist immer wieder ausgegangen, und ich hab's immer am kleinsten Köhlchen wieder angezünd't, ich will auch blasen in der Grossmutter ihr Judizium, warum ist sie betrübt, wenn es nicht ist, dass sie dadurch begreifen lernt, was sie den Bäumen schuldig war, alle Kraft ist man der Welt schuldig und dem der uns am nächsten steht, am ersten. Alle Anregung ist ein Aufwühlen des inneren Herzgrund, und das Unkraut muss untergepflügt werden, dass es die Wahrheit muss düngen, ich weiss nicht, was ich sagen wollt; ich bin unruhig, verzeih mir's, ich kann Dir nicht auf Deinen Brief antworten, ich wär so gern heute wieder nach Offenbach, aber alles fuhr nach Rödelheim, und wir haben im grossen Himmelspurpurmantel mit eingehüllt, auf der Wiese uns amüsiert, bis es Nacht war, ich ging mit dem Franz zu Fuss nach Haus, die andern fuhren, der Franz hat mir allerlei Schönes und Gutes gesagt unterwegs, ich hing mich mit beiden Händen an seinen Arm und verhopste alles, wie wir an die Bockenheimer Wart kamen