, und erinnere mich zu rechter Zeit an Deine leichte Reizbarkeit.
lebe wohl! An meinem Fenster gibt's heute zu viel Einladendes, als dass ich widerstehen könnt der Muse, die mich dahin ruft. – lebe wohl! Ich habe Dich recht lieb.
Caroline
Mit Dir kann ich so sprechen, Du verstehst es, kein andrer wahrscheinlich. – Oder wer müsste das sein? –
An die Günderode
Ich war heute drauss bei der Grossmama, sie war allein, den ganzen Nachmittag, und wir sprachen erst von Dir, die Grossmama war einen Augenblick beschäftigt, so lief ich in den Garten, um ihn nach langer Zeit wiederzusehen, aber wie war ich da erschrocken, wie ich auf die Hoftreppe kam, ich erkannte den Garten nicht wieder; denke! – Die hohe schwankende Pappelwand, die himmelansteigenden Treppen, die ich alle wie oft hinangestiegen bin, um der Sonne nachzusehen, um die Gewitter zu begrüssen, durchgeschnitten! – Zwei Drittel davon in grader Linie abgesägt! – Ich wusste nicht, wie mir geschah, und alles will ich gern begreifen und lernen, was soll mir das schaden, aber diese Pappeln, die Zeugen meiner frühsten Spielstunden, die mich als Kind von drei Jahren mit ihren Blüten beregneten, in die ich hinaufstaunte, als ob ihre Höhe in den Himmel reiche. Ach was soll ich dazu sagen, dass die als Stumpfe mit wenig Ästen noch versehen nebeneinander stehen, gemeinsamen Schimpf und Leid tragend. Ach ihr Baumseelen, wer konnte euch das tun? – Nun ziehen alle frühen Kindheitsmorgen an mir vorüber, wo ich ihre Wipfel von weitem im Gold glänzen sah, und dass sie mir winkten, ich soll mich eilen und kommen, und wie hab ich oft ihre jungen Blättchen betrachtet und keins abgebrochen je! – Ach, es schneidet mir ins Herz – es war, als könnten sie nicht mehr sprechen, als sei ihnen die Zunge genommen; denn sie können ja nicht mehr rauschen. So war ihr Stummsein eine bittere, bittere Klage zu mir, die ich ewig mit mir herumtragen werde und keinem sagen als nur Dir. Du weisst, wie Du oft sagtest, wenn wir da gingen, dass ihr Rauschen mitspreche, und wie sie uns absonderten von der ganzen Welt, und wie sie einen Dom über uns bauten, und gegenüber die hohe Rosenhecke, die über die Wand vom Boskett hereinschwankte, die steht jetzt auch ohne Schutz, und die Nachtigallen, die das heilige Dunkel gewohnt waren, wie wird's da sein, wenn die im Frühjahr wiederkommen! – Ach, ich bin betrübt darüber. – Die Kindertage, wo ich dort mit dem reinlichen Kies spielte und mit rosenfarbnen Steinchen und schwarzen und gelben bunte Reihen um ihre Stämme legte! – Und konnte so versteckt hinüberklettern ins Boskett, wie kann einem doch das Paradies, wo die Seele all ihren Zauber einpflanzt, so jämmerlich zerstört werden? – Aber bedaure Du mich nur nicht; denn hör nur, – als ich zurückkam zur Grossmutter – sah ich blass und zerstört aus, und sie sah wohl die Spuren von meinen Tränen. – Sie sah mich an ein Weilchen – und sagte: "Du warst im Garten?" – Da reichte sie mir die Hand. – Was sollt ich sagen? – Ich schwieg und sie auch. – Sie sagte: "Ich werde wohl nicht mehr lang leben!" – Ich wagte nichts zu sagen – aber bald darauf machte sie das Nebenzimmer auf, von wo man nach dem Garten sieht, und sagte: "Das Rauschen im Abendwind war meine Freude, ich werde's nicht mehr wieder hören, ich hätt mir's lassen gefallen, wenn ich unter ihrem Rauschen am letzten Abend wär eingeschlafen! Sie hätten mir diesen feierlichen Dienst geleistet, die lieben Freunde, die ich jeden Tag besuchte, die ich mit grosser Freude hoch über mir sah; – du hast sie auch geliebt, es war dein liebster Aufentalt – ich hab dich oft vom Fenster sehen in ihrem Wipfel abends steigen, und glaubtest, es säh es niemand – nimm meinen Segen, liebes Kind, ich hab an Dich gedacht, wie man sie trotz der schmerzlichen Verletzung meiner Gefühle verstümmelte." – Ich wagte nicht zu fragen, wer die Schuld trüge; denn das wär zu kränkend für die Grossmama gewesen, und ich wusste auch gleich, dass nur aus grausenhaftem Philistersinn solche Untat geschehen konnte; denn der ahnt nicht die tiefsten Wunden, der hält alles für Empfindelei, was mit den geheimsten geistigen Bedürfnissen zusammenhängt; – wie könnte der eine wahrhafte Liebe denken zu einem leblosen Ding; denn so nennt der Philister die Pflanzen, die Bäume, die ganze natur, – wie könnte der ahnen, dass ein höchst geistiger Umgang mit ihren schönen untadeligen Erzeugnissen stattfinden könne? – Ein Wechseltausch von Empfindungen, der eine reine leidenschaft zu ihr nährt und beglückt, – wie könnte dem je begreiflich werden, dass ein innerliches Dasein sich in sie überträgt, und dass, während die ganze Welt vergeblich unter Mitgeschöpfen herumschwärmt, von Liebe, von Freundschaft faselt, der beglückte Besitzer eines Baumes, der vor seiner Tür steht, in ihm den Freund gefunden hat. –
Die alte hundertjährige Bas kam mir vor der Tür auch damit entgegen: "Ist's nicht barbarisch? – Und dass die Grossmama stillschweigt dazu, – wärst du nur hier gewesen, es wär nicht geschehen." –
Ich bin noch einmal in den Garten