der nicht ein Paar dumme Streiche auf der Rechnung mit nach haus brächte. Aber dann auch quittirt, mein Junge, und das sein, was von Gottes Gnaden den Crecy's obliegt!"
Er hatte Leonin wieder bei den Schultern und schüttelte ihn nach seiner derben Liebesweise, indem er sein Auge suchte; aber dies lag noch trübe gesenkt, und die Lippen waren so trocken, dass er ihnen kein Wort zumuten konnte.
"Sieh' mal, wie der Junge heute blass und matt aussieht! – Ja, ja, Madame," fuhr er etwas erzürnt fort, indem er die Augen umherwarf, "das ist der Parfum Eurer sybaritischen Gemächer; die entnerven den Sinn des Mannes und machen ihn zum Schwächling. Hier würde ich auch zum Narren!" –
"Mässigen Sie sich, Marschall, und schätzen Sie es wenigstens, dass ich Ihnen diese Räume nie zu Ihrem Gebrauche aufnötige. Das Hotel Soubise hat Waffensäle genug, denke ich, in denen Sie Ihren Geschmack befriedigen können; schlecht würde es zu unserem Ansehn passen, darin die Gemächer zu vermissen, welche im geist des glänzenden Hofes eingerichtet sind, den zu behaupten, auch uns zukommt."
"Sie haben immer Recht, Madame!" sagte der Marschall spöttisch; denn er fühlte sich stets von ihrem verstand überboten. Aber er grollte um so mehr der unliebenswürdigen Form, in der sie ihn zurecht zu weisen, nie unterliess. "Auch," fuhr er fort, "kam ich nicht her, mich an Ihren Bedürfnissen zu ergötzen, sondern, um meinem Sohne anzukündigen, dass ich ihn selbst seinem Könige und Herrn vorzustellen entschlossen bin."
Nach Dank aussehend, richtete er liebevoll seine Augen auf Leonin, und dieser eilte auch, ganz seine Güte fühlend, ihm zu danken.
"Könnte ich nur diesen Beweis Ihrer Liebe ohne Furcht für Ihre Gesundheit annehmen, mein teurer Vater – was könnte mir dann Ehrenvolleres, Lieberes geschehen, als meinem angebeteten Könige an der Seite meines Vaters zuerst nahen zu dürfen?"
"Lass das Geschwätz von meiner Krankheit, Junge!" entgegnete der Vater mürrisch; "bin ich krank? – Sieht so ein Kranker aus? – Ich erwarte den Ceremonienmeister, Herrn von Dreux, und werde das Nötige mit ihm verabreden; denn Du sollst mir, je eher je lieber, die grosse Taufe der ersten Kniebeugung erhalten. Dann sind Sie daran, Madame, dann mögen Sie ihm ein fräulein aussuchen, auf deren Schultern ein Wappenschild ruht, neben dem das der CrecyChabanne sich zeigen mag – das überlasse ich Ihnen; denn mit dem Weiberzeuge weiss ich nicht Bescheid!"
Die Marschallin hatte diese ganze Rede ohne Unterbrechung sich entwickeln lassen, da Vieles ihr darin zu hülfe kam, und das, was ihr nicht behagte, mit einem Worte von ihr widerlegt werden konnte. Sie sass daher so ruhig in ihrem Armstuhle, als wäre sie völlig allein, und spielte gleichgültig mit den Frangen ihrer Morgen-Mantille.
"Haben Madame noch etwas zu erinnern?" rief der Marschall, ungeduldig über ihr beleidigendes Schweigen.
"Sie sind, wie immer, zu rasch, mein Herr!" erwiderte sie mit höflichem Lächeln, "und werden Herrn von Dreux in Verlegenheit setzen; denn, was soll er Ihren Anfragen entgegnen, da s e i n e erste Erkundigung sein müsste, ob der junge Graf schon majorenn, und von seiner Familie in den Rang eingesetzt ist, der ihm allein den grossen Anspruch der Präsentation sichert."
Der Marschall drehte sich so wild ab, als hätte er einen Stich erhalten – seine Gemahlin fuhr mit der höchsten Ruhe fort: "doch ist Ihre Genesung um so willkommener, da jetzt kein Hinderniss mehr vorhanden scheint, diese Familien-Angelegenheit dem Ansehn unseres Hauses gemäss auszurüsten. Unsere Vettern, die Herzöge von Lesdiguères und Tremouille, sind mit ihrer Gegenwart bereit, und der Prinz von Courtenaye, wie der Marschall von Tessé wünschen zu unterschreiben. Ich zweifle nicht, dass die Majestäten Jemanden beordern werden, den Tag zu ehren, und ich habe, in Voraussetzung Ihrer Genehmigung, diesen Tag auf morgen festgesetzt." – Der Marschall hörte diese wohl geordnete Entgegnung seiner Gemahlin unter so wilden Grimassen seines alten, vernarbten Gesichtes an, dass, wer ihn kannte, genau wusste, er war geneigt, mit seiner kalt überlegten Gemahlin in die Esse des Kamins zu fahren; obwol er zur Erhöhung seines Zornes einsah, dass ihm keine Stelle blieb, die er angreifen, an der er seine Wut kühlen konnte, sondern, dass ihm, wie immer, die Rolle eines Schulknaben zufiel, der sich seiner Unzulänglichkeit überführt sieht und schweigend den Verweis hinnehmen muss.
"Nun," brummte er, dumpf und zornig blickend, "Madame sind, denke ich, nicht minder rasch, als mir so eben vorgeworfen ward; ich habe, wie immer, mich nur in Ihre Anordnungen zu fügen – doch später, Madame, später werde ich meine Pflicht bei Seiner Majestät erfüllen!"
"Herr von Vieuville," fuhr die unerschütterliche Marschallin fort, "hat mir gesagt, dass Seine Majestät unseren Sohn zuerst in den Apartements der Madame Henriette von England im kleinen Zirkel sehen will, um ihn dann später bei der Königin als schon bekannt zu finden. Die Auszeichnung, ihn ohne weitere Ceremonien als unseren Sohn anzuerkennen, findet so am besten ihren Platz. Gewiss wird sich Madame freuen, bei dieser gelegenheit den Marschall von Crecy