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schnell in die abführenden, nur matt erleuchteten Corridore, die nach dem Gartenflügel führten, in welchem sein Vater in unabänderlicher Form und Weise seine Zimmer eingerichtet hatte. Welch' ein Wechsel drängte sich in diesen hohen, alten Rüstkammern dem Beobachter auf! Es schienen nur Zelte und Wachtfeuer zu fehlen, um hier ein Lager zu vergegenwärtigen, und das Feuer fehlte auch nicht in den weiten Kaminen; denn diese hohen Marmor-Säle, mit eisernen und stählernen Rüstungen bedeckt, von marmornen Heldengestalten unterbrochen, atmeten eine so erstarrende Kälte aus, dass die Flamme in den Kaminen niemals fehlen durfte. Eben so war das Schlafgemach; nur kleiner, aber von jedem verweichlichenden Luxus der Zeit entfernt, mit kahlen Wänden, ohne Vorhänge, nur mit dem eisernen Feldbette des Marschalls möblirt, zu welchem die hölzernen Stühle und Tische, die einst sein Zelt bedient hatten, hinzu kamen, und mit einem über dem Bette befestigten Bündel Fahnen, welche weit überhangend, es zu schirmen schienen und dem Gemache das unverkennbare Ansehen eines Zeltes gaben.

Auf diesem Ehrenbette, von harten Kissen gestützt, ruhte der Marschall von Crecy, bloss mit einem ungeheuern Reitermantel bedeckt, und hörte den Gesprächen zu, die der Kaplan des Hauses mit dem arzt des Grafen zu seiner Unterhaltung zu führen suchtenals die hastigen Schritte, welche Allen vernehmbar den Vorsaal durchmassen, schnell die Tür des Schlafgemaches erreicht hatten, und in demselben Augenblicke der Sohn mit kaum verständlichen Lauten des Entzückens zu den Füssen des Vaters lag.

"Holla, das ist mein Sohn!" rief der alte Marschall, und das eiserne Feldbett fuhr rasselnd ineinander von der heftigen Bewegung, womit der riesige Greis den müden Körper aufraffte, das Kind seines Herzens, den einzigen noch warmen und lebendigen Punkt desselben zu ergreifen.

Er hielt ihn jetzt an beiden Schultern wie ein Kind in die Höhe, und das alte braune und benarbte Gesicht, das weder vom Alter, noch von der Krankheit sich seine Energie hatte rauben lassen, lachte dem Liebling in die Augen mit dem vollen Sonnenglanze unverkümmerter Zärtlichkeit.

"Ha," fuhr er fort mit kurzem lachen, indem ein Paar dicke Tränen ihren Weg über sein Gesicht nahmen – "ha, mein Junge, bist Du da, hast Du Dein altes GesichtDein altes Herz mitgebracht?"

Aber die Antwort erdrückte er, indem er ihn fest an seine Brust schloss und ihn dann von sich stiess, bloss um ihn anzublicken.

"Seht, Ihr Herren," fuhr er fort, "da hab' ich einen Sohn! Nun könnt Ihr nur gehen, Doktor, mit Euren Pillen und Pflastern, jetzt hat der alte Marschall Anderes zu tun, als krank zu sein! – Nicht, mein Junge? hab' ich nicht Recht?" –

"Gewiss habt Ihr das, teurer Vater! Und immer habt Ihr mir gelobt, dass Ihr mich erwarten wollet, mir selbst die Sporen zu schenken bei meiner Rückkehr!"

"Ja, ja, der Junge hat ein gut Gedächtniss!" lachte der alte Marschall. "Seht Ihr wohlDer braucht mich noch! Dem bin ich noch nötig! Dem muss ich noch die Leine halten, damit das junge Kampfross den freien Lauf lernt!"

"So ist es, lieber, lieber Vater!" rief Leonin mit überströmender Zärtlichkeit – "Aber sagt mir auch, wie es Euch geht, ob ich gewiss an Eure Genesung glauben darf. – Welche Angst hat mich auf meinem Wege verfolgt!"

"Was das für ein Sohn ist!" rief der erschütterte Greis. – "Doch lass das, mein Kind, und glaube' mir, es waren unnütze Schwätzereien von Deiner Frau Mutter und dem Herrn Doktor daDein Vater war gar nicht krank; und hätten sie mich nicht all das Zeug verschlucken lassen, was d e r dort zusammen gehext, und meinen armen Körper in Ruhe gelassen, der ehrenvollere Wunden trägt, als ihre elenden Pflaster zogenich wäre längst gesund!"

"Gemach, Euer Gnaden!" rief der angegriffene Arzt – "Die Genesung täuscht uns leicht über die überstandene Gefahr und macht uns ungerecht gegen die empfangene Hilfe. Es war dies Mal nicht in die Willkür Euer Gnaden gestellt, zu genesen. Verdächtigen der Herr Marschall unsere Kunst nicht bei dem jungen Herrn!"

"Du siehst, Leonin," lachte der Marschall, dem Gekränkten versöhnend die Hand reichend, "er muss immer Recht behalten; aber ich werde es ihm jetzt zeigen, wer Herr ist!" – Und schnell warf er den Mantel zurück und stand völlig gekleidet, wie er fortwährend blieb, vor den Zurückweichenden.

"Jetzt sagt mir, dass ich krank bin!" rief er und richtete sich mit einer Kraft empor, die wirklich jede Befürchtung niederschlagen musste.

Leonin begrüsste nun den würdigen Kaplan, der zugleich sein religiöser Führer und Beichtvater war, während der Marschall, noch immer im Streite mit dem Alles verweigernden arzt, Alles durchsetzte, was er beabsichtigte; da sein natürlicher Starrsinn dies Mal von einem jubel des Herzens unterstützt ward, der zu rührend und verständlich für alle seine ihn herzlich liebenden Diener war, um nicht jeden ausgesprochenen Befehl, trotz aller Gegenreden des eben so halb erweichten Arztes, aufs schnellste in Erfüllung zu bringen.

"Dennmein Junge," schloss er den kurzen, raschen Befehl an seine Diener, die Abendtafel in seinem Zimmer anzurichten – "Du lässt wohl heute Deine Frau