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die Erziehung der jungen Kostgängerin vollendet zu erklären, und Mademoiselle Louise begleitete ihre Mutter nach Paris zurück.

Mit eben so sicherer Hand ward hier die Präsentation des jungen Fräuleins bei der königlichen Familie bewirkt; und jetzt war Mademoiselle Louise ein Mittelpunkt, um den sich der gesellige Glanz des Hauses Crecy-Chabanne sammeln konnteGrund genug, das Interesse und die Gedanken der Marschallin in den Zerstreuungen von ihrem Sohne abgezogen erscheinen zu lassen.

Sie hatte genau seine Ankunft berechnet. Denn, dass sich die Gesinnungen des Sohnes nicht verläugnen würden, dessen war sie gewiss; und wenn sie auch nicht ahnte, durch welche Ueberredung er so schnell herbei geführt wurde, so war sie doch ausser Zweifel, er müsse kommen, und ein fest müsse ihn empfangen. Darauf waren alle folgenden Tage angewiesen; und das Befinden des Marschalls legte ihr kein Gebot des Anstandes mehr in den Weg.

So empfing sie heute die vornehme Welt von Paris, um die Glückwünsche anzunehmen, die ihr über die Präsentation ihrer Tochter bei hof zukamen.

Das Palais Soubise, welches so als Eigentum der Marschallin genannt ward, glänzte in der vollen Pracht aller aristokratischen Vorrechte, welche diese so wohl zu erhalten und hervor zu heben wusste; ein Talent, das sie zu der ausgezeichnetsten person des Hofes und Adels erhob und ihren Ansichten und Entscheidungen die Huldigung der Untrüglichkeit verschaffte.

Sie war das vollkommenste Muster der unzähligen Abstufungen der Etikette, die einer Frau von stand damals so hoch angerechnet wurden; und wer sie beobachtete, konnte nie über den Rang der Personen in Zweifel sein, die sich ihr nahten.

Nie verwechselte sie eine Anrede oder Erwiederung mit der anderen, und die Kürze oder Länge derselben, der leisere oder stärkere Ton ihrer stimme, ob sie dem gegenstand gerade gegenüber oder seitwärts gewendet blieb, mit halbem oder ganzem Blicke begegnete, das waren Nüancen einer damals hochgeschätzten Feinheit und ein sicheres Zeichen über die Ansprüche der Personen. Die Marschallin war über fünfzig Jahr alt und eine konservirte Frau. Das gleichmässige Embonpoint ihrer Gestalt gab dem Teint ohne künstliche Mittel eine grosse Frische, die besonders Personen von rötlichem Haare lange behaupten. Die unsinnige Mode, dicke Lagen von Schminke zu tragen und diese Sitte als ein Vorrecht des Standes mit der Verläugnung aller natur- und Schönheitsregeln auszuüben, gab der ältesten wie der jüngsten Dame ein gleiches Ansehn. Nur Unverheiratete genossen diesen Vorzug nicht; und so erschien oft die frischeste Jugend mit der Farbe der Gesundheit wie bleiches Siechtum, wenn sie in eine Reihe mit den verheirateten Damen geriet.

Die Marschallin gehörte sowohl durch Geburt, wie durch Vermählung zu den Familien, welche die Ehren des Louvre genossen; und so sehen wir in ihrem Audienz-saal einen Tronhimmel, unter welchem die Marschallin in einem breiten, vergoldeten Fauteuil sass und sich erhob, oder sich bloss neigte, oder die Stufe, welche ihn erhöhte, hinab steigen zu wollen schienAlles in untrüglicher Ordnung, dem Range der nahenden Gäste gemäss. Die Stickereien ihrer Robe waren so kostbar und breit, dass man die Farbe des Sammets nur bei einer Wendung in den hinteren Falten sehen konnte. Das Unterkleid dagegen zeigte auf Drapd'or den ganzen Wahnsinn des damaligen Geschmackes, indem mit bunter Folie, Perlen und Juwelen eine Landschaft darauf gestickt war, der es weder an Türmen, noch Bäumen, noch an der gehörigen Staffage von Menschen, Hunden und den verschiedensten Tieren des Waldes fehlte.

Der Aufwand einer solchen Kleidung, zu welcher noch die reichsten Aufsätze und die kostbarsten Geschmeide gehörten, überstieg allen flüchtigen Modewechsel späterer zeiten; und es fanden sich nur wenige Damen unter dem reichsten Adel, welchen es gestattet war, mehr wie zwei oder drei Galla-Anzüge ihr Lebenlang zu besitzen. Doch auch in dieser Beziehung war die Marschallin eine von den Begünstigten, welche ihre Toilette bei jeder sich zeigenden Veranlassung in eine neue Form zu bringen wusste, und zwar mit der vollkommen gleichgültigen Miene, welche diese Angelegenheit bloss zu einem Geschäfte ihrer Kammerfrauen herab wies, das ihre Beachtung wenig verdiene.

Doch sah man bei den Festen der Marschallin jedenfalls ein unverkennbares Streben der erscheinenden Damen, der Frau vom haus ihr Uebergewicht bestreiten zu wollen; und es war eine wohl aufgenommene Artigkeit, wenn man versicherte, dass sich nirgends eine höhere Eleganz der Damen zeigte, als in ihren Salons.

Wir beschränken uns jedoch auf die gegebenen Andeutungen. Der Glanz einzelner Personen, das Zusammenwirken einer solchen bunten, strahlenden Masse wird sich uns von selbst aufnötigen, und wir bezeichnen nur noch eine junge, heiter lächelnde Mädchengestalt, die, sich an dem stuhl der Marschallin lehnend und den leicht gegebenen Winken derselben folgend, jeden Ankommenden mit den respektueusen Verbeugungen der Jugend begrüsst. Es ist Mademoiselle Louise, die Tochter der Marschallin, welche der bequeme Vorwand für die Absichten ihrer Mutter ward; da allerdings nach einer Präsentation bei hof, die Etikette eine Reihe von Festen verlangte, welche die Freude über einen solchen Vorzug sowohl dem Adel, als vor Allem dem Könige darlegen musste.

Am heutigen Tage nahm die Marschallin indessen noch ausserdem mit besonderem süssem Lächeln und einer Bewegung des Fächers, die allgemein bewundert ward, da sie einen sanften Schmerz ausdrücken sollte, die Gratulationen über die Genesung des Marschalls an, und sie erwähnte gegen einzelne Auserwählte, dass selbst ihr Majestäten sich ihrer liebsten Umgebungen beraubt hätten, um ihr Glück wünschen zu lassen.

Auch konnte gewiss nur die finstere Herzogin von Bellefond, welche selbst ausser den Zimmern der Königin nie ohne ihren kleinen Elfenbeinstab erschien, der ihr