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und es entstand eine ungefällige Pause unter den Dreien, weil Zwei sich im vollkommen gleichen Rechte des Zürnens wähnten, und der Dritte sich die listige Zurückhaltung zu sichern trachtete, die nur, was jene veranlassten, ohne Nachteil benutzen wollte. Dessen ungeachtet musste dieser Dritte mit der Sprache zuerst heraus, denn hochrot vor Zorn blickte der Lord finster zur Erde, und ihm gegenüber hatte Crecy die kalte Haltung des Beleidigten angenommen, der das Entgegenkommen des Andern glaubt erwarten zu müssen.

"Ihr seht, Herr Graf," wandte er sich gegen Crecy, "wie ich nicht der einzige bin, der in abweichender Meinung von der Eurigen diese Sache ansieht, und Ihr dürft es nicht zurückweisen, einen alten Freund Eurer Frau Mutter darüber zu hören."

"Dies zu tun, kam ich hieher", erwiderte Crecy – "und wahrlich, mit aller achtung, die ich Sr. Herrlichkeit schuldig bin, war ich gesonnen, sowohl meine Verhältnisse offen darzulegen, als den Rat des Verständigen zu hören; dies hat mir aber die augenblickliche Heftigkeit des Lords abgeschnitten, und ich muss jetzt erwarten, ob mir dies überhaupt noch möglich gemacht wird, und welche Form Mylord dazu einzuleiten gedenkt."

"Mein junger Herr," rief hier Lord Gersei, noch immer mit dem rauhen Tone des Zorns, "es kann, denke ich, hier von vielen Einrichtungen unter uns gar nicht die Rede sein; wie unleidlich meine Stellung durch Euer unbesonnenes Betragen gegen Eure Mutter geworden, müsst Ihr übersehen, wenn Euch auch die leidenschaft noch so toll gemacht hat. Mir waret Ihr anvertraut von Eurer Mutterich sollte Euch vor Missgriffen und Torheiten bewahren, bis Ihr unter den Schutz Eurer älteren zurückkehrtet, – und ich durfte diese Verpflichtung übernehmen und sie angeloben, denn Ihr lebtet hier nur in den ehrbarsten und würdigsten Verhältnissen. Aber der Neigung zur Torheit ist überall der Ausweg eröffnet, so musst' ich an Euch lernenmein Vertrauen habt Ihr betrogen; mit dem alterschwachen Greise, dessen Kenntniss der Welt von jedem kind überboten werden konnte, habt Ihr Freundschaft geschlossen, um Euch von der Törin, seiner Tochter, verführen zu lassen." –

"Haltet ein, Mylord!" rief hier Crecy, indem er mit Heftigkeit aufsprang, – "wenn Ihr es wagt, mit dieser Bezeichnung die Tochter des ehrwürdigen Sir Reginald zu meinen, so vergesst nicht, dass sie Gräfin von Crecy und meine Gemahlin ist, gegen die jede Beleidigung zur meinigen wird!"

"Gräfin von Crecy!" höhnte der Lord – "die Tochter eines Kaplans von Stirlings-Bai! ein Mädchen ohne Rang, ohne Vermögen, die sich darum nicht einmal zur Gesellschafterin meiner Töchter eignete, Gräfin von Crecy! die Schwiegertochter der Fürstin Soubise! und des ersten Marschalls von Frankreich, des ältesten Geschlechtes dieses Landes! – Junger Mann," fügte er mit heiserem lachen hinzu, "wem wollt Ihr das weiss machen? Wer, denkt Ihr, dass Euch dies glauben wird? Dankt dem Himmel, dass die Komödie Eurer Heirat so in allen Formen kindisch, lächerlich, formlos gewesen ist, und dass Eure Minderjährigkeit selbst die anscheinend gesetzlicheren Bande so gänzlich annullirt hätte, dass diese Torheit wenigstens nur dem Mädchen zur Last fallen wird, die so unberufen den reichen Erben zu gewinnen dachte."

"Es ist genug!" rief Crecy hier und erhob sich mit Ungestüm – "ich werde Euch verlassen, Mylord, um durch so unerhörte Beleidigungen nicht dahin gebracht zu werden, dass ich ganz vergesse, wie viel Dank ich Euch für Euer früheres Bezeigen schuldig bin. Die Beleidigungen, die Ihr gegen mich und meine Gemahlin ausstosst, widerlegen zu wollen, hiesse mich und diese Verhältnisse wirklich erniedrigenich werde sie zu rechtfertigen wissen in den Augen meiner Familie und der ganzen Welt."

"Ich gratulire zu diesen Vorsätzen, junger Herr!" entgegnete der Lord mit verbissenem Zorne. "Wahrlich, Ihr habt nicht umsonst meine Bibliotek in der kurzen Zeit ausgelesenIhr führt eine vollkommen romantische Rittersprache, zum Weinen rührend. O, junger Mann, junger Mann, hättet Ihr lieber das unschuldige, fröhliche Waidmannsvergnügen mit den ehrlichen unerschrockenen gefährten durchgemacht, als Euch in dürres, wüstes Büchergeschwätz versenkt, um Stoff zu sammeln für das Schäferspiel, das Ihr zu spielen dachtet!"

"Wir sind zu Ende, Mylord!" sagte Crecy empört – "erlaubt, dass ich mich bei Euch und diesem haus auf immer beurlaube; ich eile zurück, um sogleich die Anstalten zu meiner Abreise zu treffen, und bitte Euch nur um so viel Zeit noch in den Mauern der Abteidie jetzt allerdings zu Eurer Bestimmung stehtbis meine Gemahlin zur Abreise gerüstet sein wird. Nehmt meinen Dank für Eure frühere Güte; es schmerzt mich tiefer, als Ihr glaubt, dass die Gefühle, die Ihr mir einzuflössen wusstet, eine so grausame Störung erfahren mussten."

"So lasset auch uns von einander Abschied nehmen!" sprach jetzt der Marquis de Souvré zu Crecy. "Ich reise noch am heutigen Tage nach Paris ab, denn ich kann durch meine Gegenwart hier nicht länger Euren Handlungen einen Schein von Billigung geben, den ich aufs Bestimmteste verweigern muss. Dessen ungeachtet frage ich Euch, ob Ihr mir irgend eine Weisung für Eure Frau Mutter zu geben habt, aus der sie Trost zu schöpfen vermöchte, wenn ihre fragen mich drängen werden?"

"Ich überlasse das Euch selbst; ich hatte