den begeisterten Forscher belächeln lässt, der in dem Leben, das sie so bequem handhaben, noch einen Geist entdecken will, dessen Flügelschlag er hört, und dessen Gemeinschaft er aufzufinden trachtet in demselben Leben, das sie in ihrer Auffassung schon ausgebeutet glauben.
Wenn wir mit dem Verlangen, verstanden zu werden, in die Kreise dieser Frühfertigen geraten, wird unsere fromme Unsicherheit verspottet, und wir haben Mühe, unser Selbstgefühl zu retten, welches wir oftmals nicht durch Beweise vertreten können, da Geister sich nur citiren lassen, wo die Zauberformel verstanden wird. Rette sich, wer kann, bei zeiten! denn der dornenvolle Weg zwischen Ergreifen und Verwerfen, zwischen erkennen und Erblinden, zwischen Hoffen und Verzweifeln, den der sehnsüchtige Forscher wandelt, hat als Ziel, als Ideal aussöhnende Ruhe in allen Erscheinungen der Erde, vor Augen; den grossen Zwecken gegenüber, vom Selbstgefühle verlassen, imponirt ihm die materielle Ruhe, die ihm so sicher von jener Seite entgegentritt, und er wird ihre sich unterordnende Beute, oder er gerät in Zweifel, die sein höheres Bedürfniss anfeinden oder es langsam zerstören.
Leonin rettete sich nicht, obwol er die Hand fühlte, die sich nach ihm ausstreckte, bereit, gleich einem Wachsbilde sein neu begonnenes Leben zu erdrücken; ein Schauer beschlich ihn, aber er war nicht geboren, das wogende Innere durch kräftige Gedanken zur Ruhe und klarheit zu bringen; er liess unheimliche Anregungen sich mehren, ohne sie zur Rechenschaft zu ziehen, und wartete stets auf die Hand, die von Aussen kommen möchte, in ihm aufzuräumen. Und noch wachte ja sein guter Engel über ihm und hielt ihn fest auf dem heil'gegen Boden, wo ihm ein so reiches, tief gehendes Verständniss geworden war.
Aber zuerst liess Fennimor seine Hand los, um allein nach dem schon sichtbaren haus zu gehen; ihre ahnende Seele fühlte die Gemeinschaft mit dem Geliebten verkümmert durch den Fremden, der sich von ihren Vorstellungen nicht bezwingen liess.
Leonin genoss ihren Anblick, wie sie vor ihnen herschritt, und der Marquis prüfte mit eifersüchtiger Schärfe ihren Anstand. Wie schwer ward es ihm, über sie einig zu werden. – Dieser kindliche, spielende Schritt, dieser gleitende Fuss, der noch nie fehl trat, oder die leichte Gestalt im unebenmässigen Takte bewegte, wo hatte sie es gelernt unter ihren hohen Bäumen? Sollte er der natur ein Recht zugestehen müssen, was hier nicht einmal vertreten ward durch den Ursprung hohen Blutes? – Er zog sich zusammen vor jeder Combination, die ihn seinem festgeschlossenen Ideenkreise entführte; aber dies Wesen streifte ihn wie ein geheimnis, das sich nicht von selbst entüllen wollte, und er grollte ihr um so mehr.
Beide Männer folgten so, beherrscht von demselben gegenstand, ihrem leichten Schritte – Beide wussten sich aber nichts zu sagen, Jeder von der abweichenden Meinung des Andern überzeugt und dennoch sicher, in der nächsten Zeit sich demselben noch nicht entziehn zu dürfen.
So war Fennimor schon länger hinter den Türen verschwunden, die von dem Wohnzimmer in den Wald führten, ehe die langsam Folgenden diesen näher kamen, und schon kehrte Fennimor zurück und öffnete leis und mit Vorsicht die doppelten Flügel, zurückschauend, ob die Strahlen der Sonne den Lehnstuhl erreichen würden, auf dem jetzt der Greis sitzend zu sehen war, der, wie es schien, vom Schlummer gebeugt, das Haupt auf die Brust gesenkt hatte. Fennimor bemerkte die Nahenden nicht; in anderer Art angeregt, gab sie sich dieser Richtung ohne Teilung hin. Die Männer sahen sie vor dem Greise niederknieen und seine hände fassen; sie schien sie erwärmen zu wollen und legte dann ihre flache Hand auf seine Stirn – sie schauderte. "Du bist so kalt, mein Vater – wache auf!" sagte sie leise – und als er, der sonst von dem schwächsten Hauche ihrer stimme erwachte, unbeweglich blieb – da wiederholte sie den Ruf mit einem Tone, der von der Ahnung eines unermesslichen Weh's geschwellt war.
Leonin stürzte diesem Rufe nach in den Saal. Fennimor war aufgestanden, sie lehnte das schwere, widerstandslose Haupt des Vaters mit Mühe zurück, und bestrebte sich, die beschattenden weissen Locken von der Stirn zurück zu legen. Der Ausdruck von Eifer, von Sorgfalt und Liebe in ihren Zügen, war von einem Entsetzen beschlichen, welches sie starr blikken liess, und erbleichen; sie wusste noch den Namen nicht für die Ursache, denn sie kannte den Tod nicht. Aber Leonin war fast ausser Zweifel. So prägt nur der letzte Bote an das Leben die Züge der Menschen um; widerstandslos, in heitere Träume versunken, hatte er den Greis gefunden, und ihn leis hinüber geführt, wohin seine kindliche Seele schon längst reichte, ohne durch irgend einen Kampf die Trennung zu verraten, die schöne Hülle selbst noch ehrend und ihr einen Abglanz der Verklärung des Geistes schenkend, der sie verlassen.
Fennimor sah ihren Vater so schön, so lächelnd, als schwebe der Segen noch für sie auf den erblassten Lippen; sie fasste nicht, was geschehen war, und schauderte doch vor der verständlichen Veränderung und der nie gefühlten Kälte.
"Der Vater, der Vater!" sagte sie immer wieder – "Leonin, der Vater!" Weiter fand sie kein Wort, die Ahnung stand dazwischen und hinderte jeden Versuch, ihr Gefühl zu bezeichnen. Endlich liess sie die hände ab von ihm und blickte Leonin an – und dieser blick führte sie ihrem Schicksale näher, denn in seinen Zügen fand sie