vergessend, schlug sie freudig die hände in einander, und dem gegenstand ihrer Furcht näher tretend, als sehe sie in ihm nicht mehr denselben, rief sie freudig aus: "O, sagt, sagt – von unserer lieben Mutter, von der schönen, herrlichen Fürstin Soubise? kommt Ihr darum hieher? Soll ich gleich mitkommen? Nicht wahr, es ist ganz gleich, ob er majorenn ist oder nicht? Ihr wird das auch gleich sein. – Leonin! Leonin!" rief sie, in ihren feurigen Combinationen jetzt an den Punkt gekommen, der alle überbot – "das – das ist der Ausweg, Leonin! Dein Freund, den die Mutter schickt, der schon Alles weiss – das ist der Ausweg, den Gott sendet!"
Leonin versuchte sie an seine Brust zu ziehen. Er wollte ihr den Ausdruck verbergen, der sein Gesicht einnahm, und der ihre Hoffnungen widerlegte, aber sie hielt ihn von sich und suchte mit leuchtenden Blikken die Antwort ihm abzufragen.
"So weit ist es zwar noch nicht, mein geliebtes Kind," sprach er sanft und traurig, "doch soll uns ein redlicher Freund, wie dieser, Trost und Rat erteilen, und wir werden durch seinen Beistand leichter das Rechte finden."
"O tut das," sagte sie innig und tief bewegt, "o tut das! Seid uns ein redlicher Freund und lehrt uns, wie wir es machen müssen, um uns nicht zu trennen, denn das tut weher – weher, als der Tod!" –
Der Marquis konnte kaum das Zucken der Achseln hindern, womit er dies ihm so jämmerlich erscheinende Schäferspiel vor seinen Augen gern begleitet hätte, und er verzeichnete nur zwei Dinge in seinem Gedächtnisse, ihre romantische Schönheit und Crecy's unverkennbar grosse leidenschaft für sie – Hoffnung genug, ihm durch die Ansprüche, die feindlich dieser Richtung entgegen traten, die Sicherheit des Glücks zu entreissen. –
"Der Graf Crecy weiss, dass ich erst hier von dem Vorgefallenen unterrichtet ward – die Frau Gräfin hat keine Ahnung von dem Vorgefallenen, und ich kann nicht verhehlen, dass ihr vielleicht diese Nachricht mehr unerfreulich scheinen möchte, da sie bisher an das treue und vollständige Vertrauen ihres Sohnes gewöhnt war."
"Ach," sagte Fennimor tief seufzend, "da sprecht Ihr ein wahres, verständiges Wort! Das hat mir immer vorgeschwebt – aber ich wusste es nicht zu sagen, und muss mich jetzt recht wundern, dass es Dir und dem Vater nicht eingefallen ist. Die arme Mutter! Das hat gewiss keine Mutter verdient, und Deine Mutter am wenigsten." – Sie hatte sich während dessen in das Moos gesetzt, und unwillkürlich taten es beide Männer ihr nach. Wie tief bekümmert sah sie aus, und der Marquis war zu guter Menschenkenner, um nicht zu wissen, sie war die Betrügerin nicht; also der Vater – schloss er sicher weiter.
"Die Umstände," erwiderte der Graf ernst, "haben Schritte nötig gemacht, die, wenn sie auch der Abweichung von einer ehrwürdigen Pflicht sich scheinbar schuldig gemacht haben, doch ihre innere Rechtfertigung nicht entbehren. Ich hoffe meine Mutter hievon zu überzeugen, um so mehr, da sie einsehen wird, dass ich mir ein so seltenes Glück, als Gott mir in Deinem Besitze zuführte, nur sichern konnte, wenn ich die ehrenvollsten und sichersten Mittel zu Deinem Schutze aufrief. Als meine Gattin kann ich Dich selbst allein stehen lassen, wenn meine nächsten Pflichten dies vorerst nötig machen, und dieser Rang wird D i r Freiheit geben, mir überall zu folgen, und m i r das süsse Recht, überall Dein Beschützer zu sein."
"Ach," sagte Fennimor, erquickt durch diese Worte – "das wird gewiss Deine liebe, herrliche Mutter eben so einsehen; denn, wenn Du sprichst, dann fühle ich immer, dass Du Recht hast, und bin um Alles ruhig. Nur das Eine, nur, dass wir uns trennen sollen, das, hoffe ich immer, wird nicht geschehen, weil es so sehr unnatürlich ist. Glaubt Ihr das nicht auch, Herr Marquis, und wollt Ihr uns nicht Rat geben, wie wir Alles tun können, was nötig ist, um dies Unglück zu vermeiden?" –
"Es stimmt vollkommen mit Eurer Unschuld und mit der völligen Unkenntniss der Verhältnisse der Welt, wie mit den besonderen des Grafen Crecy zusammen, dass es Euch so schwer fällt, einzusehen, in welche Schwierigkeiten derselbe sich durch sein verhältnis zu Euch gestürzt hat. – Seiner Liebe zu Euch, scheint es, ist es zu schwer gefallen, sie Euch aufzudecken, und vielleicht ist darum meine Ankunft eine rettende Auskunft zu nennen, wenn ich Euch Eure wahre Lage entülle, deren geringe Zugeständnisse Ihr dann bald einsehen werdet – oder doch unfehlbar Euer Vater, der wohl schwerlich aus Unkenntniss der damit herbeigeführten Schwierigkeiten die rasche Handlungsweise meines Freundes zulassen konnte."
"Ich muss Euch bitten, Marquis," hob hier der Graf mit beleidigtem Stolz an, "meine Gemahlin nicht unnütz mit den Torheiten der Welt bekannt zu machen und ihre reine Seele durch die Ansichten zu trüben, die dort als wichtig hervortreten; sie s o l l von ihnen nicht getrübt werden, und ich werde das Glück meiner Verbindung nicht eher aussprechen, bis ich ihr dort die Wege geebnet und sie sicher gestellt habe gegen die abweichenden Anforderungen, von deren dort geltender Wichtigkeit sie, Gottlob, eben