Antlitz angstvoll verbergend – "der Böse ist doch da!"
Fortgerissen von der phantastischen Erregung seines kindlichen Weibes, wandte er sich schnell um und sah noch, wie der Marquis de Souvré, der auf Crecy's Bitte nicht zugleich mit ihm hervorgetreten war, um Fennimor's Vorbereitung abzuwarten, den Kopf zwischen den an diesem jüngern Baume noch niedrig hängenden Zweigen zurückzog. Leonin konnte leicht denken, dass Fennimor, die in ihrer Bibel die Abbildung der Schlange hatte, die mit einem Menschenkopfe durch die Zweige des Baumes der erkenntnis blickt, das bleiche, aschfarbene Gesicht des Marquis dafür angesehen hatte. Aber so natürlich die Erklärung war, so nah' es ihm lag, dem armen bebenden kind diese Auslegung zu geben – ein unaussprechliches Gefühl hatte seit Ankunft des eben so wunderlich verwechselten Mannes allen Lebensmut in ihm niedergedrückt. Ein betäubendes Sinnen erfasste ihn, das Wesen noch schützend in seinen Armen haltend, das von ihm allein das ganze Leben hoffte, und mit so leiser Ahnung die Berührung empfunden hatte, die er aus seiner alten, ihr so gefährlichen Welt erlitten. – So geschah es, dass er unentschlossen schwieg, sie sanft aufrichtend durch das Gefühl seiner Nähe, seiner Liebe, seines Schutzes.
Fennimor vertiefte sich auch bald gänzlich in dieses ihr am verständlichsten gewordene Gefühl, und sagte bloss, ängstlich aus ihren Händen mit den tränenschweren Augen zu ihm aufblickend: "Was war es denn?"
"Was ich versäumt habe, Dir gleich zu sagen, teure Fennimor! Ein Freund aus Paris, den ich im schloss auf mich warten fand, ein Freund, dem ich entdeckt, dass Du mein liebes Weib bist, und der nun kommt, Dich als solches zu begrüssen." –
"Ach nein, ach nein!" sagte Fennimor – "das soll er lieber lassen, denn – denn ich wollte lieber, ich brauchte ihn nicht zu sehen, da er der Schlange gleicht, vor der ich mich immer so gefürchtet habe."
"Das wirst Du nicht finden, wenn Du ihn näher kennst, gute Fennimor; denn davon behält er nichts, wenn Du mit ihm reden wirst – und ich möchte gern, dass Du zu ihm freundlich wärst."
Fennimor schauderte leis zusammen, aber wie ein gutes gehorsames Kind strich sie die Locken von der Stirn und sagte mit unsicherem Tone: "Wenn Du es denn gern haben willst, da will ich mich nicht mehr fürchten und will ihn geschwind sehen, damit es vorbei ist."
Dieser zärtliche Gehorsam war so von der Angst beflügelt, dass Leonin mit innigem Mitleiden zu ihr nieder sah – ach, und wie viel hätte er darum gegeben, sie den Blicken entziehen zu dürfen, die sie so ängstlich fürchtete! Es war ihm, als könnte er sie nicht aus seinen schützenden Armen lassen, als gehörte sie ihm nur so lange sicher, als jene Welt sie noch mit keinem Hauche berührte.
Aber sie selbst machte sich los, richtete sich auf und schaute den Baum an, der nichts zeigte; dann tat sie einen Seufzer, an dem sie sich erholte, und entdeckte nun selbst den Marquis, indem sie in den Wald zeigte, wohin er, ihnen den rücken zuwendend, zurückgekehrt war. Beide gingen ihm nach – Leonin eilte voran – und als er ihn erreicht, blieb Fennimor stehen – und sah ihn daher kommen neben ihrem Liebling – und die Angst stieg in ihrem Herzen auf – und sie sah, wie unähnlich sie sich waren – und es wollte ihr unmöglich scheinen, dass sie zusammen gehören könnten.
Aber Leonin lächelte ihr freundlich entgegen, das bezwang Alles in ihr, das weinerliche Gesichtchen hellte sich auf, und sie ging jetzt auch vorwärts. "Sie sind Leonin's Freund – das ist recht schön und macht Ihnen gewiss viel Vergnügen;" sagte sie, leis grüssend und das Haupt beugend, zum Marquis – "wir wollen Sie zum Vater bringen, und Sie sollen von uns allen sehr freundlich gegrüsst sein!" Jetzt atmete sie tief auf und suchte nach Luft, die mit einem Mal weg war – und blickte auf Leonin, ob er mit ihr zufrieden sei.
Ach, wie hätte er nicht, da er wusste und in jedem schwerfälligen Worte fühlte, wie gepresst ihr Herz war, und wie sehr sie sich bemühte, ihm gehorsam zu sein. Ein blick, der dies Alles entielt, stärkte mehr, als jedes Andere, ihr wunderlich gelähmtes Innere.
Der Marquis konnte wohl nicht eigentlich in Verlegenheit kommen, nur verweilte er sich lange bei dem Anblicke der nunmehrigen Gräfin Crecy, und sie schien ihm unergründlich schön, das heisst eine Schönheit, der es nicht gleich nachzuweisen, warum sie es war.
"Sie sind sehr gnädig," sagte er, sich tief verneigend, – "Jemand willkommen zu heissen, der Sie, fürchte ich, unangenehm erschreckt und das Gespräch mit Ihrem Freunde unterbrach. Lassen Sie mich hoffen, dass es mir später gelingen wird, Sie mit diesem Eindrucke zu versöhnen." –
"Nicht wahr, Fennimor, Du bist schon wieder ganz ruhig?" rief Leonin, verlegen über das Schweigen, womit sie die Worte des Marquis anhörte – "hier in unserer Einsamkeit treffen wir fast nie auf einen Fremden. – Sieh', liebes Kind, der Herr Marquis Souvré kommt von Paris von meiner Mutter."
Augenblicklich änderte sich Fennimor's ganzes Wesen. Aus ihrer Erstarrung erwachend und Alles über diese Nachricht