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die Gräfin: "wie rührt mich so viel Liebe, wenn sie, auch unverdient, nur den Geber ziert. Wie rührt es mich, dass Deine Mutter so das Herz Deines Vaters bestimmte, ihm für die nie Gesehene, Ungekannte, eine so warme Teilnahme einzuflössen!"

"Mein Vater kannte Euch nicht?" rief hier Elmerice überrascht, – "wie ist dies möglich? Er muss Euch gekannt haben, denn von ihm erbat ich es oft mir, Euch und Ardoise zu schildern."

"Und tat er das?" fragte lächelnd und überrascht die Gräfin.

"O hättet Ihr es gehört! Wie ich die Treppe hinauf stieg, erkannte ich Ardoise nach dieser Beschreibung sogleich wiederund je länger ich Euch betrachte, jemehr erkenne ich das Bild, das er von Euch entwarf, tragt Ihr freilich auch nicht mehr Eure Lieblingsfarbe, das schöne Himmelblau, die weissen Rosen im Haare, worin Ihr den Engeln glichet."

"Seltsam!" sagte die Gräfin, leicht errötend vor sich niederblickend – "doch glaube mir, ich sah ihn nie, aus den Erzählungen Deiner Mutter kannte er dies; sie schmückte mich zuerst bei ihrem Aufentalte in Ardoise an dem Namenstage meiner Mutter, so wie Dir gesagt ward. Viele Jahre trug ich so am liebsten mich, schwere verhängnissvolle Erinnerungen sind an dies Kleid geknüpft, und da man es oft als zu meinem Leben gehörend erwähnt hat, wird es auch so Dein Vater erfahren haben."

Elmerice schwieg, aber das gesenkte Angesicht zeigte, wie unbegreiflich ihr diese Annahme schien. – "Mein Vater war aber in Frankreich, er ist in Paris erzogen," fuhr sie endlich fort, fragend in das Antlitz der Gräfin blickend, denn ihr schien jetzt nichts mehr recht sicher, da dies Eine, woran sie so bestimmt geglaubt, ihr in Abrede gestellt ward.

"So hörte ich von Deiner Mutter, liebste Elmerice. Herr Eton, Dein Grossvater, gehörte zu den selten gebildeten englischen Geistlichen, die ihren Kindern keinen grösseren Vorzug mitzugeben trachten, als eine ausgezeichnete Erziehung. Dein Vater muss eine vollendete Bildung erhalten haben."

"Wie könnt' ich bestimmen," rief Elmerice mit Entusiasmus, "auf welcher Höhe d e r stand, welcher um sich her die Hoheit und die Würde jeder menschlichen Tugend verbreitete? Er war selten heiter, und ich habe Menschen gekannt, die dies zu tadeln suchtenaber wie hätten wir uns ihn anders denken können, wie glauben, er könne die gewöhnliche Gabe des Frohsinns besitzen, so erhaben wie er vor uns stand! O, er war ja nie finster, nie unfreundlichund gab es etwas, was sich mit seiner Freundlichkeit hätte vergleichen können? Ich, sein glückliches Kind, an das er seine ernstesten Blicke in Huld und Güte umwandelte, wie war ich bezaubert von diesem Lächeln! – Wenn er plötzlich eintrat, wo ich mich befand, und nur mein Arm, meine Hand nachlässig danieder hingich fühlte es als einen Vorwurf und rückte mich beschämt zurecht, und wagte nicht, kühn zu ihm aufzublicken, nicht laut zu sprechen, wenn er still und sinnend in langen, stummen, inneren Anschauungen da sass und seine blosse geräuschlose Gegenwart uns beherrschte, als ob ein König unter uns wäre. Man spricht von Menschen wie von Fabeln, die durch die Gewalt ihrer Augen ihre Mitgeschöpfe beherrschten; so war mein Vater! Ich habe ihn, statt Worte zu sagen, anblicken sehen, und die Macht der erschütterndsten Rede hätte nicht siegender wirken könnender ausgelassenste Uebermut sank vor diesen Augen zusammen. – Zu ihm kamen die ausgezeichnetsten Menschen und forderten Rat; seine Gesellschaft, seine gelegentliche Unterhaltung mit Einem oder dem Andern war eine hohe Ehre, dessen sich die Besten rühmten und stolz darauf waren. Sein Tod brachte die Grafschaft in Bewegung, ein Jeder eilte herbei, ihn noch ein Mal zu sehen." – Hier schwieg Elmerice plötzlichihr kindlicher Entusiasmus hatte sie so nach Aussen gedrängt, dass sie sich selbst ganz aus den Augen verloren; die Erwähnung seines Todes aber weckte ihr eigenes Gefühl; der Schmerz, belebt durch das Bild seiner Vorzüge, das sie in Liebe glühend heraufgerufen, durchzuckte sie jetzt mit dem Gefühle seines Verlustesgrosse Tränen fielen wie Perlen aus den Augensie vermochte nicht weiter zu sprechen.

Die Gräfin d'Aubaine hatte dies fast vorausgesehenfreundlich war sie beeilt, sie zu unterbrechen: "Ich wollte, Du hättest Recht, Elmerice, und ich hätte Deinen Vater gekannt, den Du so lebhaft vor meine Seele führst. Wohl hatte mir Deine Mutter stets seinen hohen Wert gerühmt, und ich hielt ihn so in meinen Gedanken fest; doch hast Du mit Deiner kindlichen Liebe ihn noch schöner, bedeutender gezeichnet, als die stets bescheidene Freundin, die sich eines solchen Glücks kaum zu rühmen wagte und mich über tausend Dinge, die mir wichtig schienen, zu erfahren, und eben Deinen Vater angingen, in Ungewissheit erhielt. Die Liebe eines solchen Mannes gewonnen zu haben, wollte sie nie einräumen, so dass es demjenigen, welcher nicht, wie ich, ihr bescheidenes Herz kannte, fast hätte scheinen können, sie nur sei die Liebende gewesen, unberechtigt, von solchem Mann eine Erwiederung zu erwarten."

"Ja," rief Elmerice lebhaft, "Ihr sprecht es aus, wie es auch mir oft, doch nicht so klar ausgedacht, erschienich glaube selbst, meine Mutter