?" rief der Graf jetzt – "Unglücklicher? O, sagt lieber: Glücklicher! Glücklicher, als ich es je ahnete und träumte, glücklicher, als ich es ahnen konnte, da mir der Sinn erst erweckt werden musste für ein solches Glück durch dies Glück selbst! Glücklicher, mein Freund, als Ihr es kennt und zu bieten habt in Euren Pallästen, unter Euren Festen, in Euren geträumten Vorzügen, Begünstigungen und Besitztümern – ein Glück, mein Freund, so gross, so heilig, so veredelnd, dass, wem es einmal die Brust erweitert, wem es einmal, wie die Glorie eines höheren Lebens, die Stirn berührt – eingeweiht ist unter die Begünstigten des himmels, und bliebe es ihm nur als Geschenk eines Augenblicks, berührte es ihn nur, wie der Duft einer Blume!" – Er hatte sich leicht geredet, mit dem geständnis war der Schatten verjagt, und seine Seele fand Kraft, das Entzücken auszudrücken, das noch in voller Stärke ihn beherrschte. Aber wem gab er in jugendlicher Kurzsichtigkeit dies Paradies seines Herzens hin – einem Feinde, der vor Allem mit brennenden Neide fühlte, dass dieser von ihm so verachtete Jüngling aufs Neue ein Glück gefunden hatte, was seine Seele bis zur Begeisterung erhob. Gleich war es, was er gefunden, i h m als ein solches erscheinen konnte, und hätte er es noch so tief verachtet, hätte es kein Lächeln über ihn zu erzwingen vermocht, es war genug, dass es diesem ewig glücklichen Toren so erschien, um es ihn mit bitterem Zorne beneiden zu lassen. Wie fern schien ihm der Augenblick, wo er endlich jenen dem Leben verfallen sehen, wie ferne, wo der Günstling äusserer Vorzüge sich ein Bettler fühlen sollte!
Der Graf war kein Physiognomiker, er verstand die jähen Blitze nicht, die das Gesicht seines gefährten überzuckten, und dieser gab der Beobachtung nie lange Zeit zu Entdeckungen.
"In der Stimmung, worin Ihr seid, mein lieber Graf," hob er so nüchtern und kalt an, als habe er selbst auch nicht den entferntesten Anteil daran – "würde es ein müssiges Geschäft sein, Euch über die notwendig entgegengesetzte Seite, die Euer Glück haben muss, die Wahrheit aufzudecken. – Ihr habt mir jetzt entweder zu viel oder zu wenig gesagt, Ihr musstet entweder auch gegen mich schweigen, oder Ihr müsst mir jetzt mehr sagen, denn so kann ich Euch nur schädlich werden, und so ungern ich mich mit den Geheimnissen Anderer belaste, dem alten Jugendgefährten gegenüber darf ich mich der Last nicht entziehen."
Der unschuldige junge Mann eilte in die spröde Umarmung des Marquis, und legte ihm dann ein geständnis ab, worin der ganze Inhalt sich auf Gefühle bezog – so ohne Tatsachen, so ohne Gewicht, ohne Gehalt in den Augen des Zuhörenden, eine so alberne Schäfergeschichte, dass er seiner ganzen Selbstbeherrschung bedurfte, um nicht in lachen auszubrechen, und welche ihm nur dann wichtiger ward, wenn er sah, wie auch diese K i n d e r e i das Herz des Erzählenden so überschwänglich beglückt hatte, und die sich aus ihrem Nichts nur dann erhob, wenn er bedachte, wie das von ihm so geschickt zugelassene Ende des Schäferspiels die verderblichsten Verwickelungen über seinen Gegner bringen musste.
"Sie ist mir nun fürs Leben gesichert," schloss der junge Graf seine rührende Erzählung, "und obwol es mir das Herz bricht, sie jetzt verlassen zu müssen, ich fühle die notwendigkeit davon und werde sie ja nur verlassen, um ihre Zukunft vorzubereiten. Ich werde meine Majorennität, die Uebernahme von Ste. Roche abwarten und dann meinen teuren älteren meine Vermählung eingestehen. Ich täusche mich nicht, es wird keine angenehme Nachricht für sie sein – aber wenn sie den Engel sehen werden, den ich ihnen zuführen kann, dann werden sie Alles begreiflich finden, und da Fennimor's Vater einer vornehmen Familie als jüngster Sohn angehört, so ist auch ihre Geburt keine Beleidigung für dieselben. Als meine rechtmässige Gattin bleibt Fennimor hier vor den Augen der Welt noch so lange verborgen, bis der Fall eintritt, dessen Möglichkeit uns zu diesem Schritte bewogen, und wenn Gott ihr durch den Tod ihres Vaters die sichere Heimat raubt, begiebt sie sich alsdann unter dem Range meiner Gemahlin, der all ihren Schritten die anständigste Freiheit sichert, nach Frankreich – und ich führe sie nach meinem Eigentume, nach Ste. Roche, bis meine älteren mir erlauben, sie ihnen vorzustellen."
Was hätte der Marquis dagegen zu erinnern gehabt! Hätte er doch selbst es nicht klüger einleiten können, um die freiste Hand für die Umstaltungen zu gewinnen, die dieser leichte, rosige Himmelsweg erleiden musste; und mit vermehrter Verachtung gegen den Knaben, der unklug und spielend das Leben nach seiner Laune zu leiten dachte, und so blind für die Hindernisse war, die sich riesengross ihm entgegenstellten, hätte er ihn vielleicht zu gering für seine Machinationen gehalten, hätte der Neid ihm nicht einen geheimnissvollen Reiz verliehen. Freundlich lächelnd stand er daher auf, und den glühenden Erzähler auf die Schulter klopfend, rief er: "Und welche Rolle habt Ihr mir dabei zugedacht? die des Verräters gegen Euch oder gegen Eure Mutter, die mir gänzlich vertraut?"
"Die des teilnehmenden, liebevollen Freundes gegen uns beide!" rief der Graf vertrauungsvoll. "Seid der, der einst, wenn ich mein Bekenntniss ablege, vortreten kann und sagen: 'Vertraut ihm, ich kann zeugnis ablegen