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welches das, was er ergründen wollte, ausser Zweifel und abgeschlossen vor ihm hinstellte, ihn zu einem willenlosen Zeugen gemacht hatte, was er jedoch, wie es ihm erschien, niemals würde eingestehen wollen. Auch war das nächste Resultat der Selbstberatung, so unbemerkt, als möglich, für den heutigen Tag den Rückzug zu nehmen und erst am andern Morgen anzukommen. Nach diesem Beschlusse blickte er lächelnd auf die Karten, die, zu seinen Gunsten gemischt, alle Farben entielten, und die nur die Hand des geschickten Spielers zu erwarten schienen. –

Auf wenige Augenblicke hatte sich am andern Morgen der Graf von Crecy von seiner jungen Gattin getrennt, um in Schloss Stirlings seine vielleicht auffallend werdenden Angelegenheiten zu motiviren, als seine Worte darüber von dem alten Haushofmeister unterbrochen wurden, der ihm die Meldung eines Fremden machte, der, aus Paris angekommen, den Herrn Grafen zu sprechen wünsche.

Als ob einem süss Träumenden eine kalte Hand auf die Stirn gepresst würde, so erschütterte diese Nachricht den jungen Mann. Ein Hauch aus jener Welt, die der seinigen nur widersprechend entgegen treten konnte, schien den Schmelz zu zerstören, der so zart wie der Duft einer Blume, dem armen Menschenherzen nur bei dem ersten frischen Entfalten eines Glückkes zu teil wird und, eben so schnell zerstört wie entstanden, die sehnsucht danach allein zurück lässt. Erschrocken, ahnungsvoll und durchaus ohne Fassung für eine schnell hereinbrechende Katastrophe, die er selbst einzuleiten gedachte im Laufe der Zeit und seinem jetzigen Glücke noch aus dem Wege gerückt glaubte, fühlte er sein Nachdenken erlahmt, und es trat die dann so natürliche Hast ein, womit wir uns den Befürchtungen entgegen stürzen, dunkel hoffend, von ihren Anforderungen die erschreckten, erlahmten Kräfte wieder zu gewinnen.

"Wo, wo?" rief der junge Graf, und der Ton seiner stimme klang, wie die zerreissenden Seiten eines Instruments – "wo ist der Fremde, der mich zu sprechen wünscht?"

Der alte Haushofmeister schlug bloss die Augen auf und verneigte sich, der Graf blickte sich umund der Marquis de Souvré stand vor ihm.

"grosser Gott, Ihr selbst!" rief der Graf und überliess es dem Andern, die Auslegung dieser Worte in seinen bewegten Zügen zu suchen – "ist es möglich! Was führt Euch aus Paris hierher in diese Einsamkeit, an diesen für Euch so freudenlosen Aufentalt?" –

Der Marquis schien sein ewig blasses Antlitz zu noch grösserer Blässe gezwungen, die scharfen, nach Innen gesenkten Züge noch fester verschlossen zu haben, und die Festigkeit, womit er, von dem jungen Grafen einige Schritte entfernt, Platz behielt, zu benutzen, um diesem die ganze Ansicht einer eisernen Persönlichkeit zu gewähren. – "Ihr habt Recht, Herr Graf, mit den Bezeichnungen dieses Aufentalts, und ich kam bloss, um zu erfahren, was Euch unter solchen Umständen mit diesen Mängeln auszusöhnen vermochte, oder in wie fern ein so weit getriebener Gehorsam gegen die früheren Wünsche Eurer Frau Mutter sich von ihrem durch ihre Liebe gesandten Boten bewältigen lassen." –

"Ach, Marquis, wie viel Güte! wie soll ich Euch danken! Ihr selbst, Ihr, das Schoosskind von Paris, über das Meerdurch die wilden Bergpässe Schottlands, ohne Eure Gesellschaften, ohne Eure Beschäftigungenwie sehr fühle ich mich als Euer Schuldner!"

Es war eine Hast, eine Ungeduld in der Aufzählung der anerkannten Verpflichtungen, die den Marquis de Souvré keinen Augenblick zweifeln liessen über die beinahe verzweifelte Stimmung, womit der junge Mann sich so zur ungelegenen Zeit von ihm überschlichen sah, und es schien ihm der Augenblick gekommen, mit einem sicheren Verfahren diesen ganz in seine Gewalt zu bekommen. "Lassen wir das, lieber Graf!" – sprach er in minder gemessenem Ton und zog ein abwehrendes spöttisches Lächeln um seinen Mund. "Wir wollen und wir können uns nichts weiss machen, und Eure Lage, die, wenn ich nicht sehr irre, misslich genug ist, würde, denke ich, sich nicht verbessern, wenn Ihr gegen mich die Rolle des Höflichen spielen wolltet, da Ihr mich über Eure wahre Stimmung keinen Augenblick täuschen könnt. Lasst mich hinzusetzen" – fuhr er vertraulich fort, "dass Eure Dankbarkeit gegen mich in anderer Richtung vielleicht wahr werden kann, aber nicht für den Augenblick, da Euch meine Erscheinung an eine ernstere Seite Eures Lebens erinnert und das romantische Schäferspiel zu unterbrechen droht, dem Ihr Euch hier gänzlich überlassen."

"Ihr kommt an, lieber Souvré," rief der junge Graf, noch ein Mal einen Sprung in die Weite versuchend und das ihn so nah umzogene Garn überspringend – "in dem Augenblicke, wo ich mich zur Abreise zu rüsten dachte. Uebermorgen wollte ich nach Edinburg, um mich dort vom Grafen von Gersei zu beurlauben."

"So!" sagte der Marquis gemessen – "und darf der alte Freund Ihres Hauses fragen, ob Ihr diese Gegend als freier unabhängiger Mann verlasst, ob Ihr derselbe sein könnt in den Verhältnissen, die Euch dort die zärtlichste Liebe einer Mutter mit der klügsten Umsicht zu den grössten und ausgezeichnetsten Verbindungen vorbereitet?" –

"Ja, Marquis, gerade als freier Mann denke ich dort wiederzukehrenund wenn nicht alle klugen Pläne meiner Mutter mehr erfüllt werden können, denke ich doch die, welche ihre zärtliche Mutterliebe für mich hegen konnte, auf eine Weise auszuführen, die vielleicht ihre eigenen Pläne übertrifft."

"Hofft das nicht!" sprach hier