als das Spielzeug der Kinderstube, und schon musste sie den Tribut zahlen; denn neben dem höchsten Glück erwartete sie schon der Schmerz, und sie fühlte, noch behütet von der Liebe, doch schon seinen eisigen Hauch über sie hinstreichen. Einige Tage später liess sich bei sinkender Sonne auf dem festen Landwege, der von der Edinburger Landstrasse ab nach Stirlings-Bai führte, der Hufschlag eines Pferdes hören. Der Reiter hielt die Zügel an, als er die Meierei zu erkennen glaubte, die man ihm als passend zum Nachtquartier bezeichnet, und alsbald folgte den hinter den Hecken lauschenden Kindern, die auf schnellen Füssen nach dem haus zu verschwanden, eine rüstige Frau, welche sich durch Gruss und Anrede als die Wirtin bezeichnete. – "Weit des Weges?" fragte sie, ohn' Bedenken den Steigbügel ergreifend und dem gast vom Pferde helfend.
"Weit genug, um gern bei einer freundlichen Wirtin ausruhen zu mögen," erwiderte der Reisende, jetzt als ein junger, gewandter Mann sich der aufmerkenden Hausfrau zeigend.
"Was wir haben, mag Euch gehören" – war die bereitwillige Antwort, doch mit ernster, gleichgültiger Miene gesprochen.
Sie traten darauf in das Haus oder vielmehr in den grossen Hausraum, der eigentlich in seiner Zusammenstellung die ganze Existenz der Familie umschliesst, und ihre ganze Chronik uns zu erzählen wüsste, da in seinem Umfang Alles bewirkt und verrichtet wird, was ihr einfaches Leben erfordert. Von der mühseligsten Arbeit an bis zu den seltenen Festen, von dem Nahrung spendenden Heerde und der langen daran stehenden Esstafel, die alle Mitglieder versammelt, bis zu den kleinen, kaum ausreichenden Verschlägen, wohinter älteren und Kinder, Kranke und Alte ihre Ruhestätte finden, umfasst dies alles der Hausraum, und sanft wiegt die Müden auf ihrem Nachtlager das leise Schnalzen der wiederkäuenden Kühe ein, deren Ställe mit diesen Lagern in enger Gemeinschaft stehen, und welche ihre Vorratskammer, ihre Chatulle, ihr grösster Besitz, ihr einziger Stolz sind.
Wie sehr der Reisende, der hier eingeführt war, auch in seiner ganzen Weise die Verwöhnung der höheren Stände verriet – die bisher zurückgelegte Tour hatte ihn bereits bekannt gemacht mit den Erwartungen, die man von einem Nachtlager, fern von der grossen Strasse, hegen durfte, und seine Stimmung war ganz geeignet, ihn gegen die zu erwartenden Mängel gleichgültig zu stimmen. Das Feuer, welches bald aus seiner dumpfen Ruhe zum lustigen Lodern aufgeweckt war, tröstete ihn, da seine Kleider feucht und von Nebel durchnässt waren, bald für das Uebrige, und er fand seine schweigsame Wirtin geschickt genug, die gebratenen Speckstücken in Eier zu backen und den Becher mit Ale aus einem guten Fasse zu füllen. – Schwerer hielt es, ihr Rede abzugewinnen. Ihre Verrichtungen schienen ihre Gedanken in den Händen fest zu bannen; dabei krochen nach und nach fünf bis sechs zerlumpte Kinder aus den Winkeln, wohin sie sich vor dem Fremden geborgen hatten, hervor, und da sie nicht unempfindlich für das Abendbrod desselben blieben, hatte die ernste Mutter zu wehren, zu zanken und zu strafen, welches allgemach ein ziemlich lebhaftes Treiben hervorrief, aber nicht zu Gunsten des Fremden, der noch immer an seinen fragen behindert blieb. Eine Schüssel Milch und gleichmässige Portionen Brod versammelten endlich die junge Gesellschaft auf einen Punkt, und es trat Ruhe ein.
"Wie lange habe ich morgen bis nach dem schloss?" hob jetzt der Fremde aufs Neue an.
"Nun," erwiderte die Wirtin – "um die Bucht herum seht Ihr die Abtei, da geht's bergan, doch eine Meile trägt's nicht aus! – Wollt Ihr dahin?" fragte sie jetzt selbst.
"Es ist vorläufig mein Ziel," sprach der Fremde.
"Die Essen rauchen dort nicht, und die Wälder sind einsam worden," fuhr das Weib in ihrer Weise fort – "sie sind in Trauer und beerben die Ahnfrau in Edinburg."
Der Fremde schien nichts Unerwartetes vernommen zu haben; er fragte ohne Erwiederung fort: "Und findet sich Niemand zum Empfange von Fremden? Haben denn Alle das Schloss verlassen?"
"Diener genug, Zimmer genug – aber die Essen rauchen nicht, und der Herrenraum ist leer."
"Und doch erwarte ich, dort einen Fremden zu finden, der das Schloss nicht verliess, wie ich weiss, und für den sicher sorge getragen ward."
Die Wirtin blickte jetzt zuerst auf, und indem sie die Hand über die Augen hielt, überliefen ihre Blicke schnell und prüfend den Fremden – sie schwieg nach dieser Bewegung und blickte wieder vor sich hin.
"Nun, könnt Ihr mir nicht sagen, ob ein solcher Bewohner im schloss zu finden ist?" –
Eine Bewegung zwischen lachen und Hohn verunstaltete augenblicklich das Gesicht der Frau; dann stand sie müde auf, ergriff einen Kienspahn, den sie über das Feuer hielt, und erwiderte, schon im Abgehen: "Die Abtei ist gross, der Heerd versorgt, und für Jugend und Müssiggang ist der Tag zu kurz! Wenn sie morgen läuten, wird's nicht umsonst sein – Blumen wird Keiner streun – die Krähen hacken den Rasen auf dem Kirchhofe, sie wissen, was für Arbeit kommt – nirgends war Rosmarin voller, als an der Abtei-Pforte. Aber noch wissen sie alle nicht, wie viel unter der schwarzen Decke Raum haben – nur, wer in der Mondwende geboren ist, sieht das Gespenst. – Ihr, denke ich, werdet es