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erfüllt fand; die Zukunft mochte senden, was sie wollte, ihm gehörte die Gegenwart, mit jedem Zauber für das Herz ausgestattet, und er wollte Alles vergessen, um sie vollständig zu schätzen.

Wenige Tage vor seiner Abreise sollte seine Vermählung mit Fennimor in der Kirche der Abtei stattfinden. Nach reiflicher überlegung beider Männer sollte dieselbe ein geheimnis bleiben, so lange Sir Reginald am Leben bliebe, und Fennimor erst im Fall des Alleinstehens das Recht haben, sich in der unabhängigen Stellung einer verheirateten Frau zu zeigen. Dies schien Leonin höchst nötig, um seine Mutter langsam auf seine Entschlüsse vorzubereiten, und ohne dass er diesen Grund gerade hervor hob, fand der Wunsch, seine älteren selbst von seiner Vermählung zu unterrichten, bei Vater und Tochter die grösste Billigungdenn an jener Einwilligung zweifelten Beide nicht nach Leonin's Zusicherung derselben; und nachdem Fennimor den zärtlichen Brief der Marschallin an ihren Sohn gelesen, worin sie, besorgt für sein Vergnügen, ihm dort wegzugehen riet, hielt sie seine Mutter für den Inbegriff aller Güte und Liebe, und hing schon jetzt mit kindlicher Zärtlichkeit an ihr.

Emmy Gray und ihr Mann sollten die nötigen Zeugen abgeben, darüber von Crecy und Sir Reginald ein Dokument aufgesetzt werden, welches von Allen unterzeichnet, die Legitimation dieses priesterlichen Aktes entalten sollte, und alle Teile hielten sich damit für gesichert und beruhigt; wobei von Fennimor natürlich nicht die Rede sein konnte, welche, in gänzlicher Unwissenheit über diese Formen, ihnen vollkommen gleichgültig zusah. Ueberhaupt konnte nichts ihren Schmerz über die nahe Trennung von Leonin zerstreuen. Sie begriff nicht, wie sie leben könnte ohne ihn, und empfand eine solche Herzensangst bei dem Gedanken, ihn nicht mehr sehen und hören zu sollen, dass Todtenblässe sogleich ihre Stirn bedeckte und der Schmerz wie ein körperliches Leiden sie ergriff. Sie versuchte Leonin's Freude über diese Vermählung zu teilen, aber sie hatte nie, wie er, Schwierigkeiten für ihre dereinstige Erfüllung gesehen, sie konnte daher auch keine grössere Sicherheit dadurch gewinnen; und der Gedanke, eine Frau zu sein, wovon sie sehr schwerfällige, ernste Vorstellungen hatte, die sie um ihr heiteres, kindliches Umherschwärmen zu bringen drohten, erfüllten ihren Geist mit bangen Bildern, die nur durch Leonin's Freude und seine erhöhten Liebesbeweise zuweilen zerstreut wurden.

Was dazu beitrug, Fennimor's Herz zu quälen, war die laute unverholene Missbilligung, welche Emmy Gray bei der Mitteilung dieses Entschlusses aussprach.

Niemals hatte sie so, wie die übrigen Mitglieder des Hauses, sich an Crecy anschliessen können. Als Spielkameradin, Dienerin und Freundin, durch die Jahre, die sie älter war, und die sie sogar zur Frau und Mutter gemacht, hatte sie über Fennimor mehr Gewalt bekommen, als sich zuerst darlegte, und indem sie mit entusiastischer Liebe an ihr hing, bewachte sie zugleich mit der grössten Eifersucht das Leben eines Wesens, wogegen Mann und Kind ihr fast gleichgültig waren, und das sie, indem sie sich stets bereit fühlte, ihr ganzes Interesse dafür hinzugeben, auch als eine Art Eigentum für sich zu erhalten strebte.

Für Fennimor's Ehre, Ansehn und künftiges Glück trug sie die übertriebensten Vorstellungen in sich. Was Crecy an Namen, Rang und Vermögen ihr bot, schien ihr nur grade so, wie es ihr zukam; sie dachte diese Vorzüge durch eine grosse öffentliche Vermählung erst recht ins Licht gestellt zu sehen, und hoffte dadurch alle die Kammermädchen der Lady's auf dem schloss zu lehren, wie die Ansprüche ihrer jungen herrschaft genau so gross seien, als die der ihrigen.

Ernsten, finsteren Gemüts legte sie überhaupt auf Heiraten keinen Wert, ja, sie hatte die ihrige, obwohl John Gray der beste Mensch und ihr innig zugetan war, schon längst bitter bereut, und nur, weil er ihr vollkommene Freiheit liess, nach wie vor ihren Dienst bei Fennimor zu verrichten, ertrug sie dies verhältnis, erhielt ihm ihre kühle Liebe und bestellte mit rechtschaffener Strenge ihr gemeinschaftliches Haus.

Crecy's erscheinen trennte sie zuerst von der ununterbrochenen Gemeinschaft mit dem Abgotte ihres Herzens, zu dem sie Fennimor gemacht, und das Glück, das sie durch diese Liebe über jene verbreitet sah, konnte sie, indem sie dieselbe nicht zu verstehen vermochte, auch nicht mit ihrem dadurch erlittenen Verluste versöhnen.

Es trat ein fast unbezwingliches Zürnen gegen denjenigen ein, der es wagen wollte, ihr fräulein so zu lieben, wie sie selbst, ein anderes höheres Glück ihr zu bieten, als sie es ihr bisher bereitet. Nur ihr Ehrgeiz und die Erwartung, wie sie durch den hervortretenden Glanz ihres Lieblings dereinst Alle auf Schloss Stirlings demütigen wollte, versprach ihr Ersatz und einigen Genuss, wobei sie mit milderen Empfindungen gegen Crecy sich dessen Mitwirkung versprach.

Wie musste sie daher die Nachricht aufnehmen, dass von allem diesem bei der beabsichtigten Vermählung nichts sich ereignen würde!

Ihre Empörung kannte keine Grenzen. In Tränen gebadet, warf sie sich ihrer jungen Gebieterin zu Füssen und bat sie, diesen ehrlosen Vorschlag nicht einzugehen, nicht wie ein verlorenes Mädchen heimlich und ohne den Glanz, der ihr zukäme, den Altar zu betreten.

"Ja, Emmy," – sagte Fennimor betrübt – "ich habe auch immer geglaubt, ich müsste dies einmal ganz öffentlich tun, so wie Du damals, wo Dir die Jungfrauen alle folgten, und die Kinder Blumen streuten, und es so schön den ganzen Tag war."

"Ach, und ichwas bin ich gegen Euch