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für den geliebten Greis, so ohne Schonung den unglücklichen Fall anzunehmen, der diese Verhältnisse alsdann herbeiführen musste.

Da sagte plötzlich der alte Mann, aus tiefem Nachdenken erwachend: "Das Beste wird sein, mein geliebter Sohn, wenn ich Dir Fennimor zum weib gebe, ehe Du nach Frankreich gehst; dann hat sie mit dem ehrwürdigen Range einer verheirateten Frau das Recht, sich überall hinzubegeben, wo Du es für gut hältst, und Emmy Gray und ihr Mann werden, bis Du sie nach Frankreich in Deine Besitzungen führst, hinreichend sein, da sie dann nur treue Diener braucht." –

Es ist unmöglich, den Eindruck zu schildern, den Leonin von diesen Worten empfinges war ein. Sprung in seinen Empfindungen, der so ungeheuer gross war, dass er ihm den Atem zum Ersticken versetzte, und er von den angeregten Gefühlen und Gedanken so überwältigt ward, dass er mit den Worten: "Vater, Vater, welch' ein Ausspruch!" zu seinen Füssen sank und seine hände mit einer an Angst grenzenden Empfindung an seine Brust presste. – Dies namenlose Glück, das zu erreichen, alle seine Träume, alle seine Wünsche umschloss, es erschreckte ihn, der Erfüllung so nah'. – Er fühlte eine plötzliche Unsicherheit, als könne er es nicht verdienen, nicht festalten, was ihm mit so engelreinem Vertrauen geboten ward. Riesengross stieg das ganze Gebäude von Hindernissen auf, das ihn in der Heimat erwartete, und das er durch diesen Schritt nur vermehrt sah. Aber der Gedanke, Fennimor solle ihm schon jetzt gehören, nicht die Last jener Wiederwärtigkeiten sollte dazwischen liegenwelch' ein Glück! Er fragte nach einem zweiten, wie dieses, und dennoch fühlte er sich davon bis zum Erschrecken, bis zum Verzagen überrascht, und blieb betäubt vor dem arglosen Spender dieses wunderbaren Geschenkes knieen, ohne es zu wissen, und ohne seiner Erschütterung Herr werden zu können.

Der sanfte Greis bemerkte es nicht; von der Anstrengung dieser Beratung ermüdet, sah er still vor sich nieder.

"O, Vater," sprach Leonin endlich – "ist das Euer Ernst? wollt Ihr mich so bald, so ohne Bedenklichkeiten glücklich machen?"

Da erwiderte er mit dem sterbenden Lächeln eines Verklärten, als öffneten sich vor seinen Augen die Pforten der Zukunft: "Da sehe ich meine Fennimor an Deiner Seite vor mir am Altare knieen, und von ihrem Vater gesegnet, erfüllt sich ihres Herzens Wunsch; sie wird Dein Weib, und ich gehe ein zur ewigen Ruhe!" – Wieder schwieg er lächelnd, müde das Haupt gesenkt, und Leonin hatte eine wunderbare Bestätigung gewonnenwie ein Engel hatte die überzeugung ihn aus diesen Worten angeredet, er stand auf und sagte entschlossen: "Ja, mein Vater, es sei so, wie Ihr edel vertrauend mir anbietet! Zwar bin ich noch nicht majorenn, noch nicht unabhängiger Herr meiner Handlungen, aber ich fühle mich in meinem geist eben fähig, mir selbst die Unabhängigkeit zuzusprechen, und ich werde jede Verpflichtung zu vertreten wissen, die ich hiemit übernehme! – Aber sagt," fragte er nun mit dem vollsten Ausdrucke der Liebe, "wird Fennimor einwilligen wollen, so bald mein Weib zu werden?"

"Fragt sie selbst," sagte Sir Reginalddenn eben trat Fennimor in die Tür und flog sogleich mit ihrem leichten Schritt auf Leonin zu.

"Fennimor, meine geliebte Fennimor," rief er, sie an seine Brust drückend – "weisst Du, was der Vater so eben über uns bestimmt hat?"

"Sag' es mir," erwiderte Fennimor, heiter zu ihm aufblickend, "es ist gewiss recht was Gutes."

"Ja Fennimor, das ist es," fuhr Leonin noch belebter fort – "Du sollst, wenn Du mich nicht zurückweisest, noch ehe ich nach Frankreich gehe, mein Weib werden, und der Vater will uns selbst einsegnen vor dem Altare!"

"O, mein Gott," – rief Fennimor, faltete schnell ihre hände und fiel auf ihre Knie vor den Vater hin – "hältst Du mich denn jetzt schon so hohen Berufes würdig? Kann ich denn schon eine Frau sein zu Gottes Ehre, wie es doch so schwer und hochwichtig sein soll?"

"Du wirst das ja mit Gottes hülfe lernen, mein teures Kind," sagte der Vater ruhig, "und anfangen müsstest Du ja immer einmal, und wäre es nach Jahren erst."

"Ja," sagte Fennimor, "anfangen müsste ich immer einmal, da hast Du Recht, und Gott müsste mir doch später auch helfen, wie er mir jetzt helfen wird, da ich der hülfe noch mehr bedürftig bin. Ach," – rief sie nun, als habe sie den Ernst der Sache abgetan, und stand schnell, gegen Leonin gewendet, auf – "und dann bin ich Dein Weib, und Du musst um so eher wiederkommen, und Deine Mutter ist gleich meine Mutter, und sie wird mich um so schneller lieb haben, wenn Du ihr Grüsse von ihrer Tochter bringen kannst."

Crecy verbarg sein Gesicht in ihre Locken, es ging ein trüber Schatten drüber hin, sein Herz ward zusammen gedrückt, sie hatte selbst ihre drohende Zukunft in ihm herauf beschworen.

Aber selbst diese Anregung, wie hätte sie nach Fennimor's Einwilligung die Macht haben können, das Glück zu trüben, von dem er sich bald allein noch